Frage zu Preisvorstellungen
Thread poster: S_A_DL

S_A_DL
Chile
Local time: 19:20
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Sep 24, 2013

Liebe Kollegen

Mir hat eine Übersetzungsfirma per Email einen Fragebogen geschickt, den ich vollständig auszufüllen habe. Aber da gibt es eine Frage, die ich, ehrlich gesagt nicht verstehe. Ich würde gerne wissen, ob einer von Ihnen vielleicht weiss, worum es eigentlich geht.

Da wird gefragt was meine Zeilenpreise, Wortpreise, Mindestpreise sind. Dann wird nach meinem Volumenpreis gefragt und ich habe überhaupt keine Ahnung was darunter zu verstehen ist. Volumenpreis?

Das wäre meine erste Frage. Die zweite hat mit folgender Information zu tun, nach der auch gefragt wird:

Da steht:

,,100% matches .....%
99-95% matches....%
94-85% ....%
84-75% .....%
Kein Matches....%"

Hat jemand eine Ahnung davon, was matches heisst?

Vielen Dank

LD

[Edited at 2013-09-24 23:16 GMT]


 

Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 14:20
English to German
+ ...
Volumenpreis Sep 25, 2013

Die Firma will einfach wissen, ob du Mengenrabatt gibst. Nach dem Motto: "Juchhei, ich hab Arbeit für die ganze(n) nächste(n) Wochen! Das macht mich so exstatisch, dass ich gerne für weniger Geld arbeite und einen heftigen Preisnachlass gebe, weil es schließlich keine anderen Kunden auf der Welt gibt, schubbiduh!" Preisnachlässe für hohe Volumina sind nur dann sinnvoll und profitabel, wenn du eine Schraubenfabrik betreibst, deren Maschinen ohne teure Umrüstung und kostspielige Betriebsunterbrechung große Produktionsmengen ausspucken können, aber ganz gewiss nicht für Übersetzungen.

Die Sache mit den "Matches":

Sinn und Zweck eines CAT-Tools ist, das eingebaute Translation Memory (TM) zu nutzen. Das heißt, wenn eine Zeile oder ein Abschnitt im Text mehrfach wiederholt wird (bei Websites oder technischen Handbüchern zum Beispiel), ist das ein sogenanntes "Match", das CAT-Tool baut den bereits übersetzten Text automatisch ein, und der Text muss nicht neu getippt werden. Das spart Zeit und Aufwand und garantiert dem Übersetzer, dass identische Textfragmente konsistent gleich bleiben.

Während Übersetzer üblicherweise einen Preisaufschlag verlangen, wenn sie ihre eigene teure Software wie InDesign, Photoshop, Illustrator oder QuarkExpress einsetzen, hat sich merkwürdigerweise der Trend durchgesetzt, für die Verwendung des teuren, für die eigene Arbeitserleichterung gekauften CAT-Tools Rabatt zu geben. Eine seltsame Art und Weise, Investitionen zu nutzen... ROI (Return on Investment) scheint eine richtig üble Sache zu sein. icon_smile.gif


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 23:20
English to German
Rabatte Sep 25, 2013

Nicole Schnell wrote:

Preisnachlässe für hohe Volumina sind nur dann sinnvoll und profitabel, wenn du eine Schraubenfabrik betreibst, deren Maschinen ohne teure Umrüstung und kostspielige Betriebsunterbrechung große Produktionsmengen ausspucken können, aber ganz gewiss nicht für Übersetzungen.


Ganz so ist das nun auch wieder nicht. Wenn ein Übersetzer nicht voll ausgelastet ist, können sich Rabatte jeder Art durchaus lohnen.

Angenommen, ich sitze heute ohne jeden Auftrag da und versuche, das Telefon zu hypnotisieren. Da ruft jemand mit einem Auftragsvolumen für 2 Wochen an, will aber 5 % Rabatt. Nun mal angenommen, ich wüsste aus Erfahrung, dass ich innnerhalb dieser 2 Wochen von anderen Kunden wahrscheinlich nur Arbeit für insgesamt eine Woche angeboten bekommen werde. Da habe ich dann also die Wahl, eine Woche zu 100 % oder zwei Wochen zu 95 % bezahlt zu bekommen ...

Klar, langfristig machen zu niedrige Preise den Markt und auch das eigene Honorarniveau kaputt. Das ändert aber nichts daran, dass viele Übersetzer kurzfristig Einnahmen brauchen. Wer heute pleite geht, dem nützt langfristiges Denken nichts mehr. Der ist dann in derselben Situation wie der Tote, auf dessen Sargdeckel steht: "Er wurde von einem Auto überfahren. Aber die Fußgängerampel zeigte Grün."

Klar ist auch: Pauschale Mengenrabatte vorab im Fragebogen anzubieten, ist nicht unbedingt sinnvoll. Wenn überhaupt, dann nur für einen konkreten Auftrag.

hat sich merkwürdigerweise der Trend durchgesetzt, für die Verwendung des teuren, für die eigene Arbeitserleichterung gekauften CAT-Tools Rabatt zu geben.


Man gibt diesen Rabatt nicht für die Verwendung des Tools, sondern für die eingesparte (= nicht geleistete) Arbeitszeit; so gesehen ist es gar kein echter Rabatt. Allerdings muss in den Rabatt der Preis für das Tool (Anschaffung, Einarbeitung) als Rabattminderung einkalkuliert werden. Und: Der Preis für 0-%-Matches muss etwas höher als der Normalpreis angesetzt werden, denn mit dem Tool entsteht allein schon beim Eintippen erhöhter Zeitaufwand – das wollen Auftraggeber oft nicht verstehen.

Und natürlich gibt es viele Fälle, wo ein solcher Rabatt absolut zwingend ist. Angenommen, ein Autohersteller lässt ein Service-Handbuch von 5.000 Absätzen für ein neues Modell übersetzen, wobei aber 4.500 Absätze identisch zum Handbuch des Vorjahresmodells sind. Die 500 neuen Absätze sind regellos verteilt. Wenn da der Einkäufer 5.000 Absätze zum Normalpreis bezahlt, gehört er gefeuert.


 

Fernando Toledo  Identity Verified
Germany
Local time: 23:20
German to Spanish
deleted Sep 25, 2013



[Edited at 2013-09-25 14:08 GMT]


 

S_A_DL
Chile
Local time: 19:20
Spanish to English
+ ...
TOPIC STARTER
Danke Sep 25, 2013

Nicole Schnell wrote:

Die Firma will einfach wissen, ob du Mengenrabatt gibst. Nach dem Motto: "Juchhei, ich hab Arbeit für die ganze(n) nächste(n) Wochen! Das macht mich so exstatisch, dass ich gerne für weniger Geld arbeite und einen heftigen Preisnachlass gebe, weil es schließlich keine anderen Kunden auf der Welt gibt, schubbiduh!" Preisnachlässe für hohe Volumina sind nur dann sinnvoll und profitabel, wenn du eine Schraubenfabrik betreibst, deren Maschinen ohne teure Umrüstung und kostspielige Betriebsunterbrechung große Produktionsmengen ausspucken können, aber ganz gewiss nicht für Übersetzungen.

Die Sache mit den "Matches":

Sinn und Zweck eines CAT-Tools ist, das eingebaute Translation Memory (TM) zu nutzen. Das heißt, wenn eine Zeile oder ein Abschnitt im Text mehrfach wiederholt wird (bei Websites oder technischen Handbüchern zum Beispiel), ist das ein sogenanntes "Match", das CAT-Tool baut den bereits übersetzten Text automatisch ein, und der Text muss nicht neu getippt werden. Das spart Zeit und Aufwand und garantiert dem Übersetzer, dass identische Textfragmente konsistent gleich bleiben.

Während Übersetzer üblicherweise einen Preisaufschlag verlangen, wenn sie ihre eigene teure Software wie InDesign, Photoshop, Illustrator oder QuarkExpress einsetzen, hat sich merkwürdigerweise der Trend durchgesetzt, für die Verwendung des teuren, für die eigene Arbeitserleichterung gekauften CAT-Tools Rabatt zu geben. Eine seltsame Art und Weise, Investitionen zu nutzen... ROI (Return on Investment) scheint eine richtig üble Sache zu sein. icon_smile.gif





Vielen Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort. Das heißt also, sie wollen wissen wieviel Rabatt ich geben könnte?

Solche Fragen waren mir noch nie gestellt worden. Deswegen, bin ich mir nicht sicher was ich sagen soll.

Zum Beispiel:

Volumenpreis: 10% Rabatt oder 15% Rabatt (?)

Und was die Matches betrifft:

84%-75% Matches ... 40% Rabatt (?)

Danke.


 

Nicole Schnell  Identity Verified
United States
Local time: 14:20
English to German
+ ...
(meine persönlichen) Rabatte Sep 25, 2013

S_A_DL wrote:

Solche Fragen waren mir noch nie gestellt worden. Deswegen, bin ich mir nicht sicher was ich sagen soll.

Zum Beispiel:

Volumenpreis: 10% Rabatt oder 15% Rabatt (?)

Und was die Matches betrifft:

84%-75% Matches ... 40% Rabatt (?)




Volumenrabatt: 0 %. Bei mir wird jedes einzelne Wort mit der gleichen Sorgfalt behandelt. Ich wüsste auch nicht, weshalb ich ausgerechnet bei ermüdenden Großprojekten den Endspurt umsonst machen sollte.

Rabatt für Matches: 0 %. Mit der Ausnahme eines einzelnen Kunden, der mir eine kostenlose Kopie seiner Software zur Verfügung stellt, die Projekte bereits fertig vorbereitet liefert (d.h. meine früheren Übersetzungen sind bereits eingebaut) und das alles nur unter der Voraussetzung, dass die bereits eingebauten Übersetzungen tatsächlich von mir selbst stammen. 100 % Matches und Wiederholungen werden mit meiner Wortrate für Lektorat bezahlt (ich muss die Absätze schließlich trotzdem lesen, um den nächsten Absatz flüssig anpassen zu können). Zwischenabstufungen gibt es keine.

Viele Grüße!


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 23:20
English to German
Mengenrabatt muss von der Menge abhängen Sep 25, 2013

S_A_DL wrote:

Volumenpreis: 10% Rabatt oder 15% Rabatt (?)


Dabei muss man natürlich eine Mengenangabe machen. Z. B. 10 % ab x Zeilen.


 

Diana Obermeyer  Identity Verified
United Kingdom
Local time: 22:20
Member (2013)
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+ ...
Je nach Fachbereich Sep 25, 2013

Nicole Schnell wrote:

S_A_DL wrote:

Solche Fragen waren mir noch nie gestellt worden. Deswegen, bin ich mir nicht sicher was ich sagen soll.

Zum Beispiel:

Volumenpreis: 10% Rabatt oder 15% Rabatt (?)

Und was die Matches betrifft:

84%-75% Matches ... 40% Rabatt (?)




Volumenrabatt: 0 %. Bei mir wird jedes einzelne Wort mit der gleichen Sorgfalt behandelt. Ich wüsste auch nicht, weshalb ich ausgerechnet bei ermüdenden Großprojekten den Endspurt umsonst machen sollte.

Rabatt für Matches: 0 %. Mit der Ausnahme eines einzelnen Kunden, der mir eine kostenlose Kopie seiner Software zur Verfügung stellt, die Projekte bereits fertig vorbereitet liefert (d.h. meine früheren Übersetzungen sind bereits eingebaut) und das alles nur unter der Voraussetzung, dass die bereits eingebauten Übersetzungen tatsächlich von mir selbst stammen. 100 % Matches und Wiederholungen werden mit meiner Wortrate für Lektorat bezahlt (ich muss die Absätze schließlich trotzdem lesen, um den nächsten Absatz flüssig anpassen zu können). Zwischenabstufungen gibt es keine.

Viele Grüße!


Nun, bei Marketing- und Werbetexten hat Nicole natürlich Recht. Und das trifft auch auf andere fließende Texte zu.

Bei Handbüchern und Produktbroschüren ist das eine ganz andere Sache. Da muss ja nun wirklich nicht 150 mal "Achtung! Wichtige Information!" oder "Erhältlich in Größe X" Korrektur gelesen werden und so etwas kann man meines Erachtens dann schon abschreiben.
Gegen bestehende Übersetzungen von anderen Übersetzern würde ich auch keine Rabatte anbieten. Da handelt es sich leider viel zu häufig um unbrauchbare Vorlagen. Innerhalb eines Projektes berechne ich bei technischen Übersetzungen für 100/101% und Wiederholungen nichts und gebe einen Rabatt für über 95%. Kleinere Matches gehören voll bezahlt.

Ich denke, das ist bei Deinen Fachbereichen eher selten, dass es zu einer großen Menge an Wiederholungen kommt und vor allem im Finanzbereich wäre ich mit den Zwischenabstufungen sehr vorsichtig. Da sind ja Tausende von Ausdrücken sehr ähnlich, dafür darf es selbstverständlich keine Rabatte geben.

In Bezug auf die Investition: Meine TM speichert ja alle meine Übersetzungen. Rabatte können ausschließlich auf ein einzelnes Projekt angewendet werden. Da findet man dann oft auch andere Formulierungen, die einem dann schon auf die Sprünge helfen können, insofern sehe ich das nicht ganz so dramatisch.


 


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