Übersetzer in Deutschland: Muss ich Gewerbe anmelden?
Thread poster: Egmont Schröder

Egmont Schröder  Identity Verified
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Nov 28, 2013

Hallo,
ich bin ein Neueinsteiger und arbeite an meinem ersten großen Projekt, das ich bald abschließen werde. Darauf folgt die erste (große) Rechnung.
Meine Situation sieht so aus: da ich weiss, dass man als Selbsständiger seine Sozialversicherungsbeiträge selbst bezahlen muss, bin ich auf Teilzeitbasis mit einer flexiblen Arbeitszeit beschäftigt, d.h., ich arbeite mindestens 20 Stunden in der Woche.
Jetzt wurde mir aber von meiner Chefin gesagt, ich sollte bei diversen Nebeneinnahmen aufpassen, da es sein kann, dass ich nachträglich als selbsttändig gemeldet werde und Krankenversicherungsbeiträge nachzahlen muss. Sie meinte, ich sollte mich bei einem Steuerberater erkundigen und ggf. ein Gewerbe anmelden.
Ich habe von der Sache wenig Ahnung und auch keinen gefunden, der mir helfen kann. Zu einem Steuerberater zu gehen schaffe ich erst einmal nicht. Deswegen wollte ich einmal hier fragen, wie es andere Übersetzer in Deutschland machen.
Muss ich wirklich ein Gewerbe anmelden?
Und was passiert mit der Umsatzsteuer?

Vielen Dank für Eure Hilfe!


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RobinB  Identity Verified
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Local time: 14:22
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Nein Nov 28, 2013

Das war ziemlich schmerzlos, oder? Da Übersetzer zu den freien Berufen gehören, entfällt die Gewerbeanmeldung.

Zur Info: Freiberufler zahlen keine SV-Beiträge hier in DE, obwohl eine KV gesetzlich vorgeschrieben ist. Falls man bereits über die Hauptbeschäftigung krankenversichert ist, braucht man m.E. dann keine zusätzliche KV. Dies sollte man aber beim zuständigen KV-Träger nachfragen.

Und zum Thema USt finden Sie viele Beiträge hier auf ProZ und anderswo. Es ist aber unwahrscheinlich, dass man als Teilzeitübersetzer USt-pflichtig sein wird.

Alle Angaben wie immer ohne Gewähr.

Robin


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Stefan Hofmeister  Identity Verified
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Vorsicht :) Nov 29, 2013

Das Meiste ist bereits gesagt, aber Vorsicht mit der USt - einmal verlangt (auch in Unwissenheit aufgrund eines Standardvorgangs beim Kunden) ist man in Folge dauerhaft umsatzsteuerpflichtig. Hat Vor-, aber auch Nachteile.

[Bearbeitet am 2013-11-29 01:00 GMT]


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svenfrade  Identity Verified
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Kein Gewerbe, aber ... Nov 29, 2013

Als Freiberufler muss man kein Gewerbe anmelden. die Einnahmen, die aus einer neben- und freiberuflichen Tätigkeit erzielt werden, sind jedoch einkommensteuerpflichtig, außerdem müssen hierfür KV-Beiträge entrichtet werden (da ich nicht annehme, dass mit einer 20-Stunden-Stelle die Beitragsbemessungsgrenze erreicht wird). Dafür braucht man natürlich keine neue KV, sondern zahlt an die GKV, in der man bereits Mitglied ist.

Dass man als nebenberuflicher Übersetzer die Grenze für die Umsatzsteuerpflicht erreicht, halte ich auch für unwahrscheinlich.


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Capesha  Identity Verified
Local time: 14:22
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Kein Gewerbe Nov 29, 2013

Wie meine Vorredner schon schrieben, ist kein Gewerbe erforderlich.

Die erzielten Umsätze müssen in der Steuererklärung als Einnahmen aus selbständiger Arbeit angegeben werden.

Umsatzsteuer: bis 17.500 Euro pro Jahr (das war Stand der Dinge bei meinem Weggang aus D) ist die Kleinunternehmerregelung anwendbar, d.h. Wegfall der Umsatzsteuer (du darfst diese nicht berechnen und nicht in Vorabzug bringen).

Krankenkasse: die wollen anteilig Geld von dir haben. Am besten klärt man dies durch ein Telefonat oder eine schriftliche Mitteilung, damit es hinterher kein böses Erwachen gibt. Es wird wohl so eine Art anteilige Vorauszahlung geben und den endgültigen Betrag teilt dir die Kasse mit, nachdem du deine Steuererklärung gemacht und die Berechnung des Finanzamtes erhalten hast (die Krankenkasse benötigt eine Kopie hiervon).


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Rolf Keller
Germany
Local time: 14:22
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Selbstständig oder nicht, das hängt nicht davon ab, wie man es benennt. Nov 30, 2013

Egmont Schroder wrote:

Jetzt wurde mir aber von meiner Chefin gesagt, ich sollte bei diversen Nebeneinnahmen aufpassen, da es sein kann, dass ich nachträglich als selbsttändig gemeldet werde und Krankenversicherungsbeiträge nachzahlen muss. Sie meinte, ich sollte mich bei einem Steuerberater erkundigen und ggf. ein Gewerbe anmelden.


Angenommen, sie ist rechtlich kompetent, dann meinte sie, dass sie selbst dann Geld spart, nämlich den Arbeitgeberbeitrag für die Sozialversicherung oder das Geld, das sie an die Minijobzentrale zahlt. Das würde sie dann natürlich nicht laut sagen.

Lies mal das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Scheinselbstndigkeit. (ProZ kennt in Links kein 'ä'. Musst du selbst einsetzen.)


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Egmont Schröder  Identity Verified
Germany
Local time: 14:22
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TOPIC STARTER
Warum nochmal Krankenkassenbeiträge? Dec 2, 2013

Ich verstehe nicht ganz, warum ich von den Einnahmen für die Übersetzungen noch einmal Krankenkassenbeiträge zahlen muss. Ich bezahle sie ja schon über die Festanstellung. Wie hoch sind die denn?
Und wie sieht es mit der Lohnsteuer aus? Wie wird die berechnet, und wann muss ich die bezahlen?


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Rolf Keller
Germany
Local time: 14:22
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Grundlagenwissen und Begriffe Dec 3, 2013

Egmont Schroder wrote:

Ich verstehe nicht ganz, warum ich von den Einnahmen für die Übersetzungen noch einmal Krankenkassenbeiträge zahlen muss. Ich bezahle sie ja schon über die Festanstellung.


Die Versicherten bilden nach dem Willen des Gesetzgebers eine Solidargemeinschaft (–> Wikipedia), d. h. jeder soll nach seinen Möglichkeiten zahlen, also nach seinem Einkommen. Was hieltest du davon, wenn einer sich irgendwo eine Festanstellung mit 1 Euro/Woche geben lässt, um den Krankenkassenbeitrag für seine freiberuflich verdienten 5.000 Euro zu sparen?

Und wie sieht es mit der Lohnsteuer aus? Wie wird die berechnet, und wann muss ich die bezahlen?


Lohnsteuer wird auf Arbeitslohn erhoben und vom Arbeitgeber berechnet und an das Finanzamt gezahlt.

Du solltest dir unbedingt ein Buch über die Grundlagen beschaffen. Solange dir die Bedeutungen der Wörter nicht klar sind, bringen Erklärungen nicht viel, weil du sie oft falsch verstehen wirst.

Ich kenne einen Fall, in dem ein Mann wegen solcher Unkenntnis bis an sein Lebensende auf Sozialhilfe angewiesen sein wird. Der ist zwar kein Übersetzer, aber Steuer- und Sozialversicherungsrecht gelten für alle Branchen in mehr oder weniger gleicher Weise.


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Schtroumpf
Local time: 14:22
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Schein-harmlose Frage Dec 31, 2013

Hallo Herr Schroder,

bitte nicht wundern, wenn das etwas zu bissig rüberkommt, was nicht Sinn meiner Antwort ist. Aber stellen Sie sich mal vor, wie Ihre Eingabe bei Profiübersetzern ankommt, die regelmäßig SV-, RV- und sonstige Beiträge und Steuern entrichten und versuchen, auf dem vorhandenen Markt zu überleben.

Wie haben Sie Ihr Preisangebot kalkuliert - wenn Sie nicht wissen, was an Abgaben überhaupt auf Sie zukommt? Haben Sie womöglich kalkuliert, dass Ihnen nach Abzug von Papier und Druckerkosten der gesamte Rechnungsbetrag als Einnahme zur Verfügung steht?!

Wir Profis rechnen so in etwa Halbe-Halbe. Von 1000 Euro bleiben nach Abzug sämtlicher Nebenkosten etwa 500 übrig, je nach Konjunktur, Land, in dem man arbeitet, Auftragslage und Ansprüchen an die Versicherungen. Viele von uns sind schon über 50 und können es sich nicht leisten, ohne Krankenversicherung zu vegetieren - im Gegenteil ist es für uns empfehlenswert, komfortable und daher teure Verträge abzuschließen.

Dass man anfangs nicht genau weiß, wie der Hase läuft, ist normal. Trotzdem ist es für die Branche schwierig, vernünftige Preise in einem Umfeld zu verlangen, in dem auch Studenten oder Neueinsteiger zu so gen. "Taschengeldtarifen" auftreten, natürlich mit professionellem Anspruch.

Ich stimme dem Ratschlag der Chefin voll zu: Wer in diesem Umfeld agiert, und das tun Sie erstmal, sollte sich mit kompetenten Ratschlägen versorgen. Das kann der Steuerberater sein, oder auch eine Mitgliedschaft in einem anerkannten Übersetzerverband.

Solche Leistungen sind zwar nicht ganz umsonst, werden aber vom versteuerbaren Verdienst abgezogen. Womit wir wieder bei den Grundlagen einer wirtschaftlich realistischen Kalkulation wären

Also, toi-toi-toi und alles Gute zum professionellen Einstieg in ein professionelles Umfeld!

[Bearbeitet am 2013-12-31 16:04 GMT]


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