Der Dipl.- Ingenieur- Gibt es auch andere Meinungen & Beweise hierzu, zum Thema?
Thread poster: Bernd Müller
Bernd Müller
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Jan 4, 2014

Der Dipl.- Ingenieur
Gibt es auch andere Meinungen & Beweise hierzu, zum Thema?

Der (angestellte) Dipl.- Ing. ist die graue Maus per definitionem in unserem Wirtschaftssystem, der Verlierer unter den Uni- Absolventen, von allen in der Wirtschaft tätigen Akademikern- der am höchsten (aus-)gebildete Arbeiter:

• Ausbildung: härter als an vielen anderen Uni- Fachbereichen
• Druck am Arbeitsplatz: hoch bis s. hoch
• bei Krisen: besonders stark gefährdet- weitaus stärker als Ärzte, RAs, etc.pp. „da auf diese nicht verzichtet werden kann“
• Möglichkeit der Selbständigkeit- wenige, und besonders geeignet sind hierfür nur bestimmte Fachbereiche:
o Bau
o Kfz- Sachverständige
o weitere Sachverständige
o tech. Übersetzungen
o Architekten- soweit Dipl.- Ing.
o
• viel Arbeit, wenig Ehr‘: äußerst wenig bekannte Namen, verglichen mir Ärzten, RAs, Architekten etc.
• Bezahlung: nicht schlechter, eher wohl besser als bei Stationsärzten- aber unvergleichlich schlechter als bei alles Selbständigen
• wenig/ selten Chancen, ins höhere Management hinaufzusteigen- da sind BWL, RA etc. mehr gefragt
• wohl fast Null Chancen für hohe Posten in der Politik
• beim Staat/ Stadt und Kommunen- wie hoch??
• besonders gefährdet bei Versehen, Fahrlässigkeit-
o dann stehen Maschinen still, müssen Autos zurückgerufen werden
o bei Arbeitsunfällen in den Abt. die sie leiten, Gerichtsverfahren ggf.
• sie haben den Ruf, eine schlechte Allgemeinbildung zu haben, Null Ahnung von Kultur, Banausen- wieder per definitionem
• In der Freizeit werden sicher viele von ihnen von den Firmenproblemen weiter verfolgt- auch wenn sie keine Führungsposition innehaben, oder nur s. geringe- anders als wohl viele andere Akademiker
• sind unbekannt im Leben, sterben als Unbekannte
• und dennoch sind ihre Leistungen phantastisch- s.:
o Eiffelturm, Panamakanal etc.
o Neuroengineering- s. Spiegel vom 2.12.2013
o PC, Internet, Raumsonden, Mondlandung
o Medizin, weiteres: CRT, etc.pp.- die Ärzte wären auch heute noch Quacksalber, ohne die Ing.!
 natürlich auch im Pharmabereich- alle Industrien , ohnehin!
o Brillen, Hörgeräte, Verlängerung des Lebens- das sind alles ZUALLERERST Ingenieurleistungen der höchsten Klasse- aber berühmt werden, falls überhaupt, weitaus eher die Mediziner
• sooft man Otto Normalverbraucher darauf anspricht, welches die Reihenfolge der Berufe sei, die Spitzenleistungen FÜR DIE MENSCHHEIT erbringen, kommt der (Dipl.-) Ing. nur unter "ferner liefen!" Total unbefriedigend
o etc.pp.

Nur die höchsten Spitzen werden bekannt und anerkannt- via Nobelpreisen, in Enzyklopädien etc.
Dafür aber Musiker/ Komponisten, Dichter & Schriftsteller, Philosophen (inwieweit haben diese denn der Menschheit geholfen, sie vorwärtsgebracht, insbesondere die letzteren??) Und inwieweit die „Heiligen“ der Kirchen, die Kriegsherren/ Generäle, (deren Waffen und -Systeme wiederum, wieder die Ing.s geschaffen haben)?
Ein total verkannter, unterbewerteter, viel zu oft - überdurchschnittlich oft- verkannter Beruf.
Ich würde niemandem dazu raten, diesen Beruf zu ergreifen!
Alles in allem, kein empfehlenswerter Hauptberuf; als Zweitstudium schon eher geeignet & sinnvoll

Umsonst sucht man Ingenieure in Wikipedia, Deutschland, unter „Berühmte Persönlichkeiten“ oder „Bedeutende Persönlichkeiten“! Schämen sich die Deutschen schon wieder- diesmal der Ingenieure, wegen dem 2. Weltkrieg, dass kein einziger dort aufgenommen werden ist? Kein Siemens, kein Halske, Daimler, R. Bosch, Wernher von Braun, Oberth, etc.pp.!
Mein Sohn ist wenigstens Wirtschaftsingenieur geworden, und nicht reiner Technik- Ing.! (Technikidioten/ Fachidioten/ Fachtrottel - lt. Otto Normalverbraucher, für die Entwickler/ Freaks etc.!)


Bernd, Dipl.- Ing. i.R. & Übersetzer


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Rainer Pawellek  Identity Verified
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Ingenieure sind die Pferde, auf denen die Kaufleute zum Erfolg reiten Jan 8, 2014

Ein Spruch aus meiner weit zurückliegenden Studienzeit, der die beschriebenen Verhältnisse auch heute noch gut auf den Punkt bringt. Wobei natürlich nicht nur Kaufleute vom Können der Ingenieure profitieren und ernten, wo sie nicht gesät haben; da kann ich den angeführten Beispielen nur beipflichten.

Anscheinend haben sich aber alle Akteure und insbesondere die (angestellten) Ingenieure, die hochqualifizierte Sacharbeit leisten, so damit abgefunden, als handele es sich um eine Art Naturgesetz...

Aus genau den genannten Gründen habe ich mich nach jahrelangem Angestelltendasein für eine Alternative entschieden, die ich auch nach inzwischen mehr als 20 Jahren nicht bereut habe.

Also: Keinen Frust schieben, sondern

HAPPY TRANSLATING!

Rainer Pawellek, Dipl.-Ing. und freiberuflicher Übersetzer aus Leidenschaft


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Bernd Müller
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TOPIC STARTER
Warum kommen sonst kaum Antworten/ Kommentare ? Es sind doch noch mehrere Ing. dabei!" Jan 8, 2014

Danke, Rainer!

Bei mir sind es auch schon 15 Jahre- und ebenfalls nie bereut.

Leid tut es mir, dass mich der Kommunismus seinerzeit daran gehindert hat, freier an die Wahl eines Berufs heranzugehen, es in meinem Heimatort- Hermannstadt- keine Berufsberatung gab, die Lehrer & Eltern hiermit auch überfordert waren, etc.

Warum sich soo viele Ing.- Kollegen unterbuttern lassen, ist mir auch unbegreiflich- die Liebe zur/ der Spaß an der Technik, oder auch am Basteln (ist bei mir u.a. der Fall) ersetzt bei weitem nicht das was fehlt- Anerkennung, höheres Einkommen, etc.pp.

Und ich erlaube mir einfach, in Deinem Sinne zu sagen- so gut habe ich es bisher noch nie formuliert gehört, es wird über dies Thema offenbar ja nur selten gesprochen:

Die Ing. sind diejenigen die um Einiges mehr an Leistung & Energie in das hineinpumpen, was dann die Kaufleute als ihre Erfolge feiern- wobei die Ing. zu diesen festen gar nicht zugelassen sind, in der Regel.
Mein Vater sagte, zu Recht: Gg. Dummheit kämpfen auch die Götter vergebens.

Und dann sagten noch so viele andere weise Männer schlaue Sprüche dazu, die hier anwendbar wären- auch Einstein, etc.pp.!

Vielleicht läßt sich ja doch noch der eine oder andere de Ing. herauskitzeln?!

Irgendwo gehören die Ing. zu der "Menschenrasse", aus der die Sklaven gemacht werden- zumindest s. viele von ihnen! Oder auch ... die braven, den Diktatoren/ Führern/ Regierenden/ Bossen/ Arbeitgebern/ Personalmanagern etc. sooo lieben "Untertanen", die nicht mucksen!

Deshalb wird es wohl auch nicht so bald eine dauerhafte Technokratie geben- denn sie lassen sich wohl immer zu leicht das Heft aus der Hand reißen von anderen, wenig sklavisch Veranlagten!

Die einzige gute Seite daran:
wenn Diktatoren die Intellektuellen ausrotten, sind die Ing.s nicht betroffen. Obwohl wohl kaum jmd. ihnen abstreiten kann, dass sie dennoch Intellektuelle sind, wenngleich weniger schöngeistig und dafür weitaus pragmatischer/ praktischer/ ziel- und lösungsbewusster als viele andere Berufe & Akademiker- oder gar die meisten- vor allem da sie auch das zielführende Know-how der betr. Branche besitzen!

[Editat la 2014-01-08 13:37 GMT]


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Marcus König  Identity Verified
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Über den Lohn der Arbeit Jan 9, 2014

Tach Bernd,

weißt du, als der tüchtige Ingenieur schlechthin, hat mir bisher die außerordentliche Freude genügt, die man empfindet, indem man etwas Bleibendes geschaffen hat und der gesellschaftlichen Entwicklung vorangeholfen hat. Und jetzt kommst du mit deinem Beitrag und machst mir alles madig

Ernst beiseite – dein Beitrag erinnert mich an die folgende Anekdote vom Ingenieur und dem Manager:

Ein Mann fliegt einen Heißluftballon und bemerkt, dass er die Orientierung verloren hat. Er reduziert seine Höhe und macht schließlich einen Mann am Boden aus. Er lässt den Ballon noch weiter sinken und ruft: "Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich versprach meinem Freund, ihn vor einer halben Stunde zu treffen, aber ich weiß nicht, wo ich mich befinde." Der Mann am Boden sagt: "Ja, Sie befinden sich in einem Heißluftballon in 10 m Höhe. Ihre Position ist zwischen 40 und 42 Grad nördliche Breite, und zwischen 58 und 60 Grad westliche Länge."

"Sie müssen Ingenieur sein", sagt der Ballonfahrer. "Bin ich", antwortet der Mann. "Wie kommen Sie darauf?" "Sehen Sie", sagt der Ballonfahrer, "alles, was Sie mir gesagt haben, ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll - ich weiß immer noch nicht, wo ich bin."

Der Ingenieur sagt hierauf: "Sie müssen ein Manager sein." "Bin ich", antwortet der Ballonfahrer, "Wie kommen Sie darauf?" "Sehen Sie", sagt der Ingenieur, "Sie sind durch eine Menge heißer Luft an Ihre jetzige Position gekommen. Sie wissen nicht, wo Sie sind, oder wohin Sie gehen. Sie haben ein Versprechen gegeben, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können, und Sie erwarten, dass ich Ihnen dieses Problem löse. Tatsache ist: Sie befinden sich in exakt derselben Position, in der Sie waren, bevor wir uns getroffen haben, aber irgendwie ist jetzt alles meine Schuld."

[anonymous] bzw. aus dem Netz

Schließlich mal im Ernst: was du sagen möchtest, trifft doch auch auf die Übersetzer zu und viele andere Berufsgruppen zu: die Menschen sind die Basis des Unternehmens. Wie viele Übersetzungen tragen maßgeblich zu Erfolgen bei und auf wie viele Feiern wird man eingeladen?

Als Übersetzer höre sehr oft: "Vielen Dank für die pünktliche Lieferung. Bis zum nächsten Mal."

Dieses Feedback – und natürlich das Honorar – reichen mir völlig als Lohn. Man bekommt halt auch verdammt selten Dinge zu hören wie: "Vielen Dank lieber Übersetzer, ohne Ihre Mitwirkung hätten wir das Projekt nicht so erfolgreich abschließen können. Da wir ihren Anteil zu schätzen wissen, möchte die Geschäftsführung sie zu einem einwöchigem Segelurlaub in die Karibik einladen, wo wir den Erfolg mit Ihnen gemeinsam feiern werden. Wir übernehmen auch ihr Honorar in der Zeit."

Die von dir beschriebene "Moderne Sklaverei" ist insofern nicht ausschließlich unter den Ingenieuren anzutreffen.

Grüße und von mir auch

Happy translating!

Marcus


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Bernd Müller
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Danke, Marius! Langsam kommen wir in Fahrt! Jan 9, 2014

Voll einverstanden mit allem, was Du schreibst. Und die Humoreske mit der heißen Lust- die ich schon kannte- finde ich super- und passt hier bestens!

Natürlich sind viele andere Berufe- von Akademikern etc.- in einer ähnlichen Lage. Unten ist nun mal die Pyramide breit und oben wird die Luft dünn- nichts Neues! Aber ich wollte hier eben nur über den Ing. schreiben- überweitere Berufe können gerne weitere Kollegen schreiben.

>>>der gesellschaftlichen Entwicklung vorangeholfen hat
Irgendwo stinkt es mir auch heute noch, dass dafür aber immer andere die Früchte, Karibikreisen etc. ernten sollen: früher die Kommunisten/ Parteigenossen (inkl. NSDAP, zu ihrer Zeit), heute andere- Politiker/ Manager/ etc. - aber oft (meist ??) s. ähnlich geartete Wendehälse!

Dass es mir beim Übersetzen- Technik insb.- besonders stinkt, dass der Übersetzer immer der letzte ist, den die Hunde beißen- und der (fast) den höchsten Termindruck abbekommt- denn "die Maschine ist schon da , funktioniert perfekt, nur der Übersetzer bremst/ schläft"- ist ebenfalls s. war- deshalb mache ich keine tech. Übersetzungen mehr. meine Freiheit ist mir lieber- und ich komme mit jur, adm, educ etc. auf denselben Reibach.


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