Künstlersozialkasse, möglich, und wenn ja, gut oder schlecht?
Thread poster: Dr. Ellen Yutzy Glebe

Dr. Ellen Yutzy Glebe  Identity Verified
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Feb 5, 2014

Moin! Es gibt zwar einige ältere Threads hier zum Thema KSK, aber keine neuere... Leider ist das Forum, zum dem ich hier eine Link gefunden hatte, auch nicht mehr aktuell.

Was sind genauer die Kriterien der KSK für die Aufnahme? Wenn meine Übersetzungen veröffentlicht werden, reicht das, oder müssen es literarische Übersetzungen sein? Habt ihr Tipps, um die Aufnahme zu begünstigen?

Oder lohnt sich der bureaukratische Aufwand gar nicht?

Ich würde mich sehr freuen, über eure Erfahrungen zu hören!

Vielen Dank!


 

Ricarda Essrich  Identity Verified
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Es lohnt sich! Feb 5, 2014

Hallo Ellen,

die Kriterien für die Aufnahme in die KSK findest Du glaub ich auf deren Website. Zitat: "Voraussetzung für die Versicherung nach dem KSVG ist die Ausübung einer auf Dauer angelegten selbständigen künstlerischen und/oder publizistischen Tätigkeit in erwerbsmäßigem Umfange. "Erwerbsmäßig" und "auf Dauer angelegt" heißt dabei, dass Sie mit dieser Tätigkeit Ihren Lebensunterhalt verdienen und diese Tätigkeit nicht nur vorübergehend (z. B. als Urlaubsvertretung o. ä.) ausüben"
Grundsätzlich kann man ungefähr sagen, die Leistung muss kreativ sein, künstlerisch. Heißt etwas platt ausgedrückt: Korrektorat reicht nicht, Lektorat, stilistische Textbearbeitung muss es schon sein. Und bei den Übersetzungen: rein technische Übersetzungen reichen nicht (sind wohl zu wenig kreativ in deren Augen). Ich denke aber, wenn es in Richtung Marketing, Werbetext o.ä. geht, könnte das für eine Aufnahme reichen. Auch Sachbücher, Fachartikel etc. Und Bücher natürlich sowieso.

Zur Frage, ob es sich lohnt: Durch die Künstlersozialkasse bist Du in Sachen Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung gestellt wie ein Arbeitnehmer, d.h., Du zahlst einen Anteil am Gesamtbeitrag, und den Rest übernimmt die KSK. Für die Berechnung Deines Beitrags musst Du Deinen voraussichtlichen Jahresumsatz schätzen (den Du jederzeit im Jahr wieder korrigieren kannst).

Allerdings: Über die KSK bist Du gesetzlich pflichtversichert,d.h. Du musst auf jeden Fall Rentenbeiträge bezahlen, wozu Du ja als Selbstständiger sonst nicht verpflichtet bist.

Insofern ist es also ein Rechenbeispiel. Du kannst anhang Deines Gewinns aus dem letzten Jahr ja ausrechnen, wie viel Du mit KSK bezahlt hättest (die gesetzlichen Prozentsätze stehen ja fest). Und dann vergleichst Du das mit dem, was Du derzeit für Krankenversicherung und evtl. Rentenversicherung (nicht die private) zahlst.

(Übrigens: Soweit ich weiß, ist im Grunde nicht die Frage, ob Du in die KSK darfst, sondern ob Du für die Künstlersozialkasse versicherungspflichtig bist. Sprich: Andersherum wird ein Schuh draus. Wenn Du künstlerisch selbstständig tätig bist, musst Du Dich über die KSK versichern. Das weiß ich aber nicht genau)
Alle Angaben ohne Gewähr. Ich spreche da nur aus meiner Erfahrung, ich bin seit 2008 über die KSK versichert.

Gruß
Ricarda


 

Florian Wollenschein  Identity Verified
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Schwierig Feb 5, 2014

Hallo,

ich habe mich auch vor Kurzem mit dieser Frage beschäftigt, bin aber leider zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen. Die KSK hat ihre Aufnahmekriterien in den letzten Jahren wohl sehr verschärft. Wenn man keine Bücher übersetzt, hat man keine Chance, aufgenommen zu werden.

Quelle: Forenbeiträge, die ich über Google gefunden habe.

Gruß
Florian


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 23:37
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Ob der Versuch lohnt, muss jeder selbst entscheiden Feb 5, 2014

Dieser Text hier ist keine 3 Monate alt:
www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/download/daten/Verwerter/Info_06_-_Kuenstlerkatalog_und_Abgabesaetze.pdf

Danach (und auch nach anderen Fundstellen) ist es bei Übersetzern immer eine Einzelfallentscheidung, da ist Wissen aus Foren – wie bei den meisten juristischen Themen – nur von begrenztem Nutzen.

Ansonsten gibt es bei der KSK sehr viel an Information: http://www.kuenstlersozialkasse.de

Wichtig ist, dass es sich um eine Pflichtversicherung handelt. Man kann sich also de jure gar nicht dafür oder dagegen entscheiden. Wenn die KSK eine Pflicht sieht, erlässt sie einen entsprechenden Bescheid, und dann ist man drin in der Versicherung, ob man will oder nicht.

De facto erlässt die KSK natürlich nur dann einen Bescheid, wenn sie von der betreffenden Person weiß. Von der kann sie aber z. B. schon anlässlich einer Beitragsprüfung bei Verlagen erfahren.


 

Dr. Ellen Yutzy Glebe  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Noch fragen Feb 5, 2014

Ich bin z.Z. dabei, mich nach einer Erziehungspause selbstständig zu machen. Versicherungen werde ich so oder so zahlen müssen, und es ist natürlich attractiv, wenn die KSK die Hälfte der Beiträge übernimmt.

Florian: das ist gerade meine Frage: ich werde in den nächsten Tagen einen Vertrag für eine Buchübersetzung unterschreiben, aber es handelt sich um eine wissenschaftliche Arbeit (Geschichte). Ob das reicht?


 

Michael Wetzel  Identity Verified
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Local time: 23:37
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Möglich und aus meiner Sicht gut Feb 5, 2014

Ich bin kein Literaturübersetzer und übersetze hauptsächlich wissenschaftliche Texte, allgemeinere Sachtexte und mehr oder weniger Werbetexte, wurde aber von der KSK um den Jahreswechsel 2009/10 aufgenommen. Aus meiner Sicht ist das was ich tue, auch offensichtlich und selbstredend eine publizistische Tätigkeit - ob es aus Sicht der KSK wichtig war, dass ich ausschließlich auf dem Gebiet der Kunst arbeite, weiß ich nicht. Als reiner FachBUCHübersetzer müssten sie eigentlich problemlos reinkommen.

Die Gesetzesgrundlage, relevante Gerichtsentscheidungen und die eigene Einstellung der KSK zu Übersetzern sind anscheinend sehr unübersichtlich und widersprüchlich, aber ein Versuch ist es wert - bei mir hat es geklappt.

Allerdings reicht ein einzelner Vertrag wahrscheinlich fürs Erste nicht als Nachweis der Selbständigkeit.

Deren Website enthält auch wirklich ausführliche und hilfreiche Informationen: http://www.kuenstlersozialkasse.de/

(Rolf war doch schneller.)



[Edited at 2014-02-05 14:40 GMT]


 

Rolf Keller
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Local time: 23:37
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Halber Künstler + halber Publizist = nix Feb 5, 2014

Michael Wetzel wrote:

ob es aus Sicht der KSK wichtig war, dass ich ausschließlich auf dem Gebiet der Kunst arbeite


Laut Gesetz muss man Künstler ODER Publizist sein. Oder natürlich beides,

Wer aber beides nur im halben Sinne ist, der ist keins von beiden, man muss also klar in eine einzige Richtung argumentieren.




[Bearbeitet am 2014-02-05 14:59 GMT]


 

Michael Wetzel  Identity Verified
Germany
Local time: 23:37
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Fachübersetzer für Kunst Feb 5, 2014

Hallo Rolf,

ich bin in keinem Sinne Künstler.

Ich bin nach Ansicht der KNK in vollem Sinne selbständiger Publizist - als Fachübersetzer und Fachlektor (für Texte über Kunst).

Ich bin kein Literaturübersetzer.
Ich bin nicht einmal hauptsächlich Buchübersetzer.
Ich bin in die KSK aufgenommen worden.
Daher muss man nicht Literaturübersetzer sein, um als Übersetzer in die KSK reinzukommen.

So ist das besser verständlich.


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 23:37
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Mischtätigkeiten und Multijobber? Feb 6, 2014

Michael Wetzel wrote:

Ich bin nach Ansicht der KNK in vollem Sinne selbständiger Publizist - als Fachübersetzer und Fachlektor (für Texte über Kunst).


Ich meinte ja nicht speziell dich. Was ich sagen wollte, ist:

Wenn jemand gegenüber der KSK argumentiert, er sei Publizist und die KSK daraufhin sagt: "Naja, in unseren Augen ist Ihre Tätigkeit leider nur zu Dreivierteln publizistisch", dann darf der Jemand nicht damit argumentieren, es gäbe da außerdem noch etwas Künstlerisches bei dieser Tätigkeit, das ergäbe das fehlende Viertel. Nein, er muss dahingehend argumentieren, dass er alle Tätigkeitsmerkmale eines Publizisten bietet (was ja zusätzliche andere, z. B. die eines Künstlers, nicht ausschließt).

In dem Zusammenhang kommt die Frage nach Teilzeittätigkeiten auf. Angenommen, ich arbeite als Publizist, bin damit aber nicht ausgelastet und übersetze außerdem Urkunden oder betreibe einen Zeitungskiosk. Wie sieht es dann eigentlich aus? DAS ist mir noch unklar.

Umgekehrt natürlich genauso.


 

Michael Wetzel  Identity Verified
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Grenzwerten für nichtpublizistische Nebentätigkeiten Feb 6, 2014

Für die Frage zu Nebentätigkeiten bzw. zu nichtpublizistischen Aspekten der Haupttätigkeit, siehe:
http://www.kuenstlersozialkasse.de/wDeutsch/kuenstler_und_publizisten/faqfuerkuenstlerundpublizisten.php

In der PDF-Datei, die man bei der letzten Frage (Nr. 18) runterladen kann, geht es u. a. um diese Frage.

Im letzten Abschnitt geht es um "Mehr als nur geringfügige selbständige Nebentätigkeit":

Die Erklärung im Haupttext ist eher umständlich, aber in der Fußnote 1 wird es klar:

"Das Arbeitsentgelt aus einem Beschäftigungsverhältnis ist geringfügig, wenn es 450,00 € monatlich nicht übersteigt. Dieser Wert gilt entsprechend für eine selbständige nicht künstlerische/nicht publizistische Tätigkeit. Allerdings kommt es hier auf den Jahresgewinn an: Er ist geringfügig, wenn er im Jahr 5.400,00 € nicht übersteigt. Bei nicht ganzjähriger Ausübung der Tätigkeit ist die Grenze anteilig zu berücksichtigen."

Das heißt, ein bisschen Korrektorat und Urkundenübersetzerei darf sein, aber wirklich nur ein bisschen. Die Regelungen für die anderen Fälle (publizistische Hauptätigkeit mit Nebentätigkeit als Angestellter und Hauptätigkeit als Angestellter mit publizistischer Nebentätigeit) sind kompliziert und für mich nicht relevant, daher überlasse ich auch das Thema denen, denen es konkret angeht.


 

Erik Freitag  Identity Verified
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Local time: 23:37
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KSK und Nebentätigkeit: Schwierig Feb 6, 2014

Rolf Keller wrote:

Michael Wetzel wrote:

Ich bin nach Ansicht der KNK in vollem Sinne selbständiger Publizist - als Fachübersetzer und Fachlektor (für Texte über Kunst).


Ich meinte ja nicht speziell dich. Was ich sagen wollte, ist:

Wenn jemand gegenüber der KSK argumentiert, er sei Publizist und die KSK daraufhin sagt: "Naja, in unseren Augen ist Ihre Tätigkeit leider nur zu Dreivierteln publizistisch", dann darf der Jemand nicht damit argumentieren, es gäbe da außerdem noch etwas Künstlerisches bei dieser Tätigkeit, das ergäbe das fehlende Viertel. Nein, er muss dahingehend argumentieren, dass er alle Tätigkeitsmerkmale eines Publizisten bietet (was ja zusätzliche andere, z. B. die eines Künstlers, nicht ausschließt).

In dem Zusammenhang kommt die Frage nach Teilzeittätigkeiten auf. Angenommen, ich arbeite als Publizist, bin damit aber nicht ausgelastet und übersetze außerdem Urkunden oder betreibe einen Zeitungskiosk. Wie sieht es dann eigentlich aus? DAS ist mir noch unklar.

Umgekehrt natürlich genauso.


Bei mir liegt ziemlich genau dieser Fall vor. Ich war fast 20 Jahre Mitglied der Künstlersozialkasse, und zwar als Künstler. Die KSK betrachtet meine freiberufliche Übersetzertätigkeit als nicht künstlerisch. Da ich die sehr geringen Freigrenzen bei Weitem überschreite, bin ich aus der KSK geflogen, was meine (im Umfang unveränderte) künstlerische Tätigkeit natürlich für mich inzwischen sehr unattraktiv macht.

Die praktischen Auswirkungen der Regelungen sind in weiten Teilen bizarr. Drei verschiedene Fälle:

1. X ist fest angestellt und nebenbei freiberuflich als Künstler (zum Beispiel Literaturübersetzer) tätig. Solange der Schwerpunkt auf der abhängigen Beschäftigung liegt (die tatsächlichen Regelungen sind komplizierter, ich vereinfache hier sehr), zahlt er auf sein künstlerisches Einkommen 0% Sozialversicherungsbeiträge.
2. Y ist ausschließlich freiberuflich als Literaturübersetzer tätig. Er zahlt auf sein künstlerisches Einkommen 50% Sozialversicherungsbeiträge.
3. Z ist als Literaturübersetzer und als Kioskbetreiber tätig, beides freiberuflich (bzw. selbständig). Er zahlt auf sein künstlerisches Einkommen (auf das andere natürlich auch) 100% Sozialversicherungsbeiträge, und zwar (von den sehr geringen Freigrenzen abgesehen) unabhängig von der Höhe der nichtkünstlerischen Einkünfte!

Sinn und Zweck der Künstlersozialkasse ist es, Künstler, deren berufliche Situation häufig prekär ist, zu unterstützen.

Guckt man sich nun die drei obigen Beispiele an, fällt eine Diskrepanz auf.
Y ist quasi der Idealfall, hier gibt es nichts auszusetzen.
X hat das Privileg einer Festanstellung und kann als weiteres Privileg seine künstlerische Leistung auch noch billiger anbieten (oder mehr dabei verdienen) als andere Künstler, da sie für ihn abgabenfrei ist.
Z hingegen ist gekniffen: Sein Einkommen aus künstlerischer Tätigkeit ist schon gering (denn deshalb muss er ja noch etwas anderes machen), da seine andere Tätigkeit aber keine abhängige Beschäftigung ist, muss er für seine (ohnehin schon prekäre) künstlerische Tätigkeit deutlich mehr Abgaben entrichten als X und Y.

[rant over]

Unterm Strich also: Ja, es wird sich in vielen Fällen lohnen, aber ob es klappt, ist eine ganz andere Frage.

[Bearbeitet am 2014-02-06 16:57 GMT]


 

Dr. Ellen Yutzy Glebe  Identity Verified
Germany
Local time: 23:37
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TOPIC STARTER
Nochmal danke... Feb 6, 2014

für die hilfreichen Antworten. Meine Kundin betonte heute, dass meine Probeübersetzung gerade deshalb überzeugend war, weil ich ihre Ideen mit englischen Idiomen übersetzte. Das heißt, dass ich Künstlerin bin, oder?icon_wink.gif

[Edited at 2014-02-06 21:10 GMT]

[Edited at 2014-02-06 21:11 GMT]


 


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Künstlersozialkasse, möglich, und wenn ja, gut oder schlecht?

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