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Master-Studiengänge Übersetzen im Vergleich
Thread poster: Kevin Herschbach

Kevin Herschbach
Germany
Local time: 00:09
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Nov 29, 2014

Hallo zusammen,

ich bin derzeit dabei, meinen Bachelor in Übersetzen (d. h. "Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Translation") an der Universität des Saarlandes abzuschließen. Nun überlege ich, wo ich meinen Master machen soll und habe gehofft, dass einige von euch mir vielleicht bei meiner Entscheidung helfen könnten.

Natürlich könnte ich in Saarbrücken bleiben, allerdings wurde die Uni gerade schwer von Sparmaßnahmen getroffen, weswegen auch schon der Master-Studiengang Dolmetschen geschlossen wurde. Daher habe ich ein wenig Angst vor dem, was uns da noch bevorstehen mag.

Zur Auswahl stehen nun noch Germersheim, Heidelberg und Leipzig und jede Uni hat für mich ihre Vor- und Nachteile. Ich habe schon gehört, dass der Master in Heidelberg eher über einen linguistischen Schwerpunkt verfügt, während es in Germersheim übersetzungswissenschaftlicher zugeht. Über Leipzig hingegen konnte ich noch gar nichts in Erfahrung bringen.

Es würde mich freuen, wenn einige Absolventen dieser Unis von ihren Erfahrungen berichten könnten.

Liebe Grüße

Kevin


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Rolf Keller
Germany
Local time: 00:09
English to German
Master wo oder Master wofür? Nov 30, 2014

Kevin Herschbach wrote:

Nun überlege ich, wo ich meinen Master machen soll und habe gehofft, dass einige von euch mir vielleicht bei meiner Entscheidung helfen könnten.


Die Frage sollte eher sein, was du nach dem Examen tun möchtest bzw. wozu du den Master möchtest. Möchtest du – aus heutiger Sicht! – dein Arbeitsleben hauptsächlich als freier Übersetzer verbringen, möchtest du sprachwissenschaftlich arbeiten, möchtest du erfolgreich am Auswahlverfahren der EU teilnehmen, möchtest du ...?

Hier im Forum triffst du außer Agenturinhabern hauptsächlich Leute aus der erstgenannten Gruppe. Nur auf die gehe ich hier ein, und dort spielen die fachlichen Schwerpunkte der Uni kaum eine Rolle. Immer wieder hört man hier von erfahrenen Übersetzern, dass im Studium ohnehin nur ein kleiner Teil des eigentlich Unverzichtbaren wirklich gelehrt wird.
Grob vereinfacht: Das Benötigte besteht zu 1/3 aus Fremdsprachenkenntnissen, zu 1/3 aus Autorenfähigkeiten in der Muttersprache und zu 1/3 aus Sach-, Fach- und Weltwissen einschl. ausgezeichneter Recherchefähigkeiten auf unbekannten Gebieten. Das erste Drittel vermittelt dir ein Übersetzerstudium sehr gut, den großen Rest aber nicht. Cum grano salis gesagt, hat ein Quereinsteiger, der über die letztgenannten beiden Drittel verfügt und eine Fremdsprache auf Abiturniveau beherrscht, doppelt so viel wie ein Übersetzerabsolvent mit seinem einen Drittel. Deswegen also noch mal die Frage: Was möchtest du mit dem MA-Studium erreichen?


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Kevin Herschbach
Germany
Local time: 00:09
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+ ...
TOPIC STARTER
Arbeit als freiberuflicher Übersetzer Dec 2, 2014

Hallo Rolf, danke für deine Antwort, da steckt viel Wahres drin.

Ich habe vor, nach meinem Master-Studium als freiberuflicher Übersetzer zu arbeiten. Natürlich wäre die Arbeit bei einer EU-Institution eine großartige Aussicht für mich und ich habe tatsächlich vor, mich an den Auswahlverfahren zu versuchen, allerdings geht meine Welt nicht unter, sollte daraus nie etwas werden. Ich hoffe, das beantwortet deine Frage.

Es klingt gerade ein wenig danach, als sei es egal, welche Universität ich mir für den Master-Studiengang aussuche. Allerdings lege ich durchaus wert auf eine qualitativ hochwertige Lehre, sollte es also bedeutende Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen geben, wäre das gut zu wissen.


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xxxtietzes
Japanese to German
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Master Dec 3, 2014

Kevin Herschbach wrote:

Es klingt gerade ein wenig danach, als sei es egal, welche Universität ich mir für den Master-Studiengang aussuche. Allerdings lege ich durchaus wert auf eine qualitativ hochwertige Lehre, sollte es also bedeutende Unterschiede zwischen den einzelnen Einrichtungen geben, wäre das gut zu wissen.


Saarbrücken, Germersheim, Heidelberg und Leipzig nehmen sich nicht viel - eigentlich ist es egal, wo du deinen Master machst. Die nötigen Grundlagen bekommst du an allen Standorten beigebracht, auch wenn die Schwerpunkte etwas anders sein können (in Leipzig kann man z.B. den Schwerpunkt Translatologie wählen, also Theorie galore, in Saarbrücken nehmen das Sachfach und EDV-bezogene Fächer eine ziemlich wichtige Stellung ein). Aber so wichtig ist das im Endeffekt nicht, man sollte ein Studium generell nicht überbewerten. Das Lernen geht auch nach dem Master weiter bzw. eigentlich erst richtig los. Im Master selbst lernt man aber, wie man sich Wissen auf Fachgebieten aneignet, wie man eine Übersetzung überhaupt vernünftig angeht usw. Für mich persönlich waren anwendungsbezogene Fächer (z.B. Terminologiearbeit) wichtiger als der "Theoriekram" (Translationswissenschaft), denn mit Ersterem kann man später in der Praxis wirklich etwas anfangen. Aber das ist alles nichts, was man sich nicht hinterher noch aneignen kann. Ich würde also den Studiengang/-standort wählen, der mir am meisten zusagt.

Für eine Tätigkeit als freiberuflicher Übersetzer würde ich aber auf jeden Fall den Master machen, auch in Hinblick auf eine spätere Vereidigung und die Mitgliedschaft in Berufsverbänden. Und für eine Festanstellung benötigt man in dem allermeisten Fällen sowieso eine einschlägige Ausbildung. Die Crux des ausgebildeten Übersetzers ist meines Erachtens immer das Aneignen von Fachwissen, was zwar schon während des Studiums in Form des obligatorischen Sachfaches und der Fachübersetzungskurse erfolgt, aber bei weitem nicht ausreicht, um direkt im Anschluss als Fachübersetzer zu agieren. Viele tun sich schwer damit, was ich auf eine gewisse Orientierungslosigkeit, aber auch auf Bequemlichkeit zurückführe, da man sich das nötige Wissen in Eigenregie aneignen muss.


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Maria S. Loose, LL.M.  Identity Verified
Belgium
Local time: 00:09
German to English
+ ...
Irgendeine Uni Dec 3, 2014

Ich habe selbst vor langer Zeit (1980) in Heidelberg mit Diplomübersetzer abgeschlossen, was heute dem Master entspricht, und jetzt arbeite ich bei der EU. Es stimmt, was die anderen Kollegen schon geschrieben haben: Das wichtigste sind die Fachkenntnisse, die an der Uni nicht in ausreichendem Umfang vermittelt werden. Ich würde in Deinem Fall den Master of Translation Studies an irgendeiner Uni machen, damit Du das richtige Papier hast. Danach würde ich alles daran setzen, mich fachlich fortzubilden. Ich selbst habe Jura im Abendstudium studiert und finde das sehr, sehr nützlich für meine Übersetzungskompetenz.

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Yijun Zhang
Finland
Local time: 01:09
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Ein Masterabschluss lohnt sich Dec 5, 2014

Kevin Herschbach wrote:

Hallo zusammen,

ich bin derzeit dabei, meinen Bachelor in Übersetzen (d. h. "Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Translation") an der Universität des Saarlandes abzuschließen. Nun überlege ich, wo ich meinen Master machen soll und habe gehofft, dass einige von euch mir vielleicht bei meiner Entscheidung helfen könnten.

Natürlich könnte ich in Saarbrücken bleiben, allerdings wurde die Uni gerade schwer von Sparmaßnahmen getroffen, weswegen auch schon der Master-Studiengang Dolmetschen geschlossen wurde. Daher habe ich ein wenig Angst vor dem, was uns da noch bevorstehen mag.

Zur Auswahl stehen nun noch Germersheim, Heidelberg und Leipzig und jede Uni hat für mich ihre Vor- und Nachteile. Ich habe schon gehört, dass der Master in Heidelberg eher über einen linguistischen Schwerpunkt verfügt, während es in Germersheim übersetzungswissenschaftlicher zugeht. Über Leipzig hingegen konnte ich noch gar nichts in Erfahrung bringen.

Es würde mich freuen, wenn einige Absolventen dieser Unis von ihren Erfahrungen berichten könnten.

Liebe Grüße

Kevin


Ich bin ausgebildete Fachübersetzerin (Uni.B.A.), habe in China, meiner Heimat Germanistik mit Schwerpunkt Fachübersetzen gemacht und studiere zur Zeit ein interdisziplinäres Master in Bayern. Zuvor wollte ich immer in Germersheim ein Masterstudium machen, da die FASK mega guten Ruf hat. Jedoch setzt dieses Institut schon viel höhere Anforderungen auf nicht deutsche-Muttersprachler und nur wenige bestehen letztendlich die Eignungsprüfung und dürfen überhaupt da ein Masterstudium aufnehmen. Seit einigen Jahren arbeite ich schon neben meinem Studium als Fachübersetzerin (Karosserie- und Fahrzeugbaumechanik, Plattform- und Portfoliotechnik). Trotz der mehrjährigen freiberuflichen Tätigkeiten und bereits sehr gute Fachkenntnisse in der technischen Kommunikation und Terminologie kriege ich mit meinem in China erworbenen B.A. Abschluss in Übersetzen und Dolmetschen, Chinesisch als Muttersprache und verhandlungssicheres Deutsch und ein Masterstudium mit interdisplinärem Schwerpunkt von Kultur, Kommunikation und Wirtschaft keine Chance, beim direkten Auftraggeber wie Daimler oder Audi ein Praktikum zu machen im Bereich Übersetzung (Chinesisch). Diejenige Chinesen, die ich kenne und bei Automobilunternehmen (Daimler, Audi, Siemens) oder Technologiefirmen (SAP) ein Praktikum gemacht haben oder später sogar auf Vollzeit einsteigen, haben einen Abschluss aus FASK Germersheim.

Mit Englisch, romanistischer Sprache bzw. Übersetzungsgrundlagen kann man definitiv sich für die Eignungsprüfung der FASK in Germersheim anmelden, dort bietet dir das Institut Vertiefungsschwerpunkt auszuwählen unter Fachübersetzen und Konferenzdolmetschen. Außerdem habe ich bereits von Bekannten, die nach einem Übersetzungsstudium als Key-Account-Manager oder Projektmanager auf Vollzeit arbeiten, mitbekommen, dass die Universität Hildesheim im Bereich Fachkommunikation auch recht guten Ruf hat (vor allem Dingen mit Sprachen Englisch, Spanisch und Französisch).

Auf bund.de kommt manchmal eine Stellenausschreibung, wobei das Auswärtige Amt oder der BND Konferenzdolmetscher (Muttersprache Englisch, 1. Fremdsprache Englisch 2. Fremdsprache Französisch) sucht, ein Diplom in Übersetzungswissenschaft ist ein MUSS (zur Zeit nur Masterabschluss noch).

Außer Uni Heidelberg, FASK Germesheim, Uni Leipzig (davon kenne ich nicht viel, dort sollte Russisch als 1. Fremdsprache sehr gut sein), Uni Hildesheim bieten zusätzlich noch ein paar Hochschulen deinen Schwerpunkt und benachbarte Richtung an:

Richtung Angewandte Linguistik mit auswählbaren Modulen in Übersetzungswissenschaft :
Uni Augsburg: Angewandte Sprachwissenschaft
Uni Erfurt: Angewandte Linguistik
Uni Siegen: Angewandte Sprachwissenschaft (Fremdsprachen im Beruf und professionelle Kommunikation)

Richtung technische Redaktion und Fachkommunikation, Fachübersetzen:
FH Köln: Fachübersetzen und Fachkommunikation (Englisch und Französisch/Spanisch als 1. und 2. Fremdsprache)
HS Flensburg: internationale Fachkommunikation
HS Anhalt: Softwarelokalisierung
FH Magdeburg: Fachkommunikation

außerhalb von Deutschland sind noch welche Hochschulen mit ausgezeichnetem Ruf im Bereich Übersetzen und Dolmetschen:

Uni Wien: Fachbereich Translationswissenschaft
Uni Graz: Fachbereich Übersetzungswisenschaft
Uni Geneva: Master in Übersetzen – Schwerpunkt Übersetzungswissenschaft
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften: Übersetzen und Dolmetschen


Viel Erfolg!
Bedford


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Rolf Keller
Germany
Local time: 00:09
English to German
Ein Masterabschluss lohnt sich – manchmal Dec 8, 2014

Yijun Zhang wrote:
Ein Masterabschluss lohnt sich


Das ist eine unzulässige Verallgemeinerung. Die Fälle, die du aufgezählt hast, sind ja nur einige wenige und treffen auf die große Masse der Absolventen in D gar nicht zu. Nicht jeder will in eine Übersetzungsfabrik der EU, nicht jeder will Projektmanager werden und nicht jeder will ein Industriepraktikum bei Daimler machen. Viele besitzen auch gar nicht die Persönlichkeitseigenschaften für so etwas.

Ein Zeugnispapier kann nie schaden, klar, aber es kostet ja auch Zeit und Geld. Wer – wie der Fragesteller – gerade den BA in einer EU-Sprache macht, der hat die Wahl: In 3 Jahren ist er entweder MA und Berufsanfänger oder er hat einige Jahre Erfahrung in Arbeitsleben, Beruf und Branche.

Und wie sieht die Branche in D in 3 Jahren aus? Vielleicht so, dass sich jeder Anfänger mit Grausen abwendet und schnell noch umsattelt, bevor er zu alt ist. Die Kunden, die auf Qualität Wert legen und dafür auch bezahlen wollen, werden immer weniger oder sie beauftragen Übersetzer, die erheblich mehr können als nur "übersetzen, was da steht" oder "etwas in einer anderen Sprache abschreiben". Also nach dem Übersetzungs-MA auch noch einen BA in Technik, Jura oder Wirtschafts-/Finanzwissenschaft hinterherschieben oder zu den seltenen Genies gehören, die es schaffen, eine maschinell erstellte Übersetzung in einem solch wahnwitzigen Tempo zu redigieren, dass es sich finanziell noch lohnt?

Bei Chinesisch sind die Bedingungen sicherlich anders, aber die Sprachen des Fragestellers sind Englisch und Deutsch, beides kann in D fast jeder heutige Abiturient.


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Maria S. Loose, LL.M.  Identity Verified
Belgium
Local time: 00:09
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Am besten ein Sprachstudium und ein Fachstudium kombinieren Dec 9, 2014

Ich halte das deutsche Diplomübersetzerstudium auch nicht mehr für sehr aussichtsreich. Jedenfalls nicht für die europäischen Sprachen, wie Rolf schon gesagt hat. Auch bei der EU sind viele Übersetzer Quereinsteiger. Sie haben Jura, Wirtschaft usw. studiert und sich ihre Sprachkenntnisse entweder im Rahmen eines Zusatzstudiums oder auf andere Art und Weise angeeignet. Ohne fundierte Fachkenntnisse kann man als Übersetzer heutzutage keinen Blumentopf mehr gewinnen. Deswegen würde ich in Deinem Fall nach dem Bachelor in Linguistik/Translation Studies lieber noch ein anderes Studium machen als noch den Master of Translation Studies. Das halte ich wirklich für verlorene Zeit.

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xxxtietzes
Japanese to German
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weiteres Studium Dec 9, 2014

Man muss sich aber nicht jegliches Fachwissen im Rahmen eines offiziellen Studiums aneignen. Es gibt genug sehr gute, erfolgreiche "Nur"-Übersetzer, die sich ganz selbstverständlich weitergebildet haben - privat, nicht in Form einer zusätzlichen Ausbildung. Und dass der Quereinstieg nicht die Antwort auf alle Übersetzerprobleme ist, kann man an unzähligen KudoZ-Fragen und Forenbeiträgen erkennen.

Die Vereidigung gibt es leider nur mit dem Master/Diplom, ebenso gibt es viele Agenturen, die nur mit ausgebildeten Übersetzern (Master, Diplom oder staatl. Prüfung) zusammenarbeiten. Und wieso machen so viele Quereinsteiger dann irgendwann doch noch die staatliche Prüfung? Doch wohl, weil sie irgendein Zertifikat brauchen, das ihnen übersetzerische Kompetenz bescheinigt. Ich würde den Master daher nicht als "verlorene Zeit" abtun. Aber wie bereits gesagt, danach ist man nicht "fertig", das gilt aber für ausnahmslos jedes Studium.


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Kevin Herschbach
Germany
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TOPIC STARTER
Master mit viel Sachfach? Dec 9, 2014

Danke für die informativen und auch ein wenig ernüchternden Antworten.

Wenn das Fachwissen derart wichtig ist, wäre es dann nicht besser, ich mache meinen Master an einer Uni, bei der das Sachfach sehr im Vordergrund steht (dazu zähle ich Saarbrücken und Germersheim), statt der Theorie (so würde ich Heidelberg und Leipzig einschätzen)?


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Rolf Keller
Germany
Local time: 00:09
English to German
WELCHES Sachfach? Dec 10, 2014

Kevin Herschbach wrote:

Wenn das Fachwissen derart wichtig ist, wäre es dann nicht besser, ich mache meinen Master an einer Uni, bei der das Sachfach sehr im Vordergrund steht


Besser noch einen Schritt früher ansetzen: Welches Sachfach und warum gerade dieses?

Man muss Interesse dafür haben, und das möglichst schon lange. Wer z. B. auf dem Gymnasium die MINT-Fächer gemieden hat, dem nützt das Sachfach Technik wenig, es hat dann nur Alibifunktion. Mit den gängigen Interessen (Fußball, Popmusik, ...) der U25-Generation kommt man nicht weit, es sollte möglichst schon etwas mehr sein.

Und: Man muss in den einschlägigen Texten "leben" und freiwillig und gern viele davon in seiner Muttersprache lesen, und zwar regelmäßig (ohne Bezahlung und auch mal am Sonntagabend) Ähnlich ist es mit Texten aus anderen Bereichen. Nur wer z. B. mehrere Jahre das Handelsblatt gelesen hat, der kann auch entsprechende Artikel aus dem Bereich Finanz- und Wirtschaftwesen übersetzen, weil er gelernt hat, wie "man" die schreibt.


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Schtroumpf
Local time: 00:09
German to French
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Und überhaupt (kleine Provokation am Rande) Dec 15, 2014

Hallo liebe Diskussionsteilnehmer,

ist alles schön und richtig, was hier gesagt wurde, und beantwortet Kevins Frage auch in dem Sinne, in dem er sie gestellt hat. Auch die ausgetauschten Argumente sind voll OK.

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle etwas anregen, was ich oft im Sprachstudium des angehenden Übersetzers vermisse, nämlich der lange Auslandsaufenthalt. Egal welchen Schein man per Studium erwirbt, gerade die gründliche Kenntnis der fremden Sprache und Kultur lässt sich doch nicht im Hörsaal erwerben. Aber genau sie macht den souveränen Übersetzer aus.

Daher würde ich für mindestens ein Studienjahr im Ausland plädieren, egal wie gut das hinterher anrechenbar ist. Aber vielleicht hat Kevin das schon absolviert?


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Kevin Herschbach
Germany
Local time: 00:09
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TOPIC STARTER
Auslandsaufenthalt Dec 15, 2014

Ich habe bereits ein dreimonatiges Praktikum in einer Übersetzungsagentur in Wales hinter mir, wo ich täglich übersetzt habe und so auch herausfinden konnte, welche fachsprachlichen Texte mir eher liegen und, noch viel wichtiger, welche überhaupt nicht. Aufgrund dieser Erfahrung würde ich mich beim Master-Sachfach für Wirtschaft entscheiden.

Im Master plane ich noch ein Semester an einer spanischen Uni zu absolvieren. Dabei kommt zusammengerechnet zwar nicht das Jahr raus, dass Schtroumpf vorschlägt, aber viel mehr Zeit darf ich mir auch nicht mehr mit meinem Studium lassen. So habe ich aufgrund der mangelhaften Organisation des Studiengangs bereits ein ganzes Semester sozusagen VERLOREN, weil ich das Auslandspraktikum gemacht habe (bei meiner Rückkehr konnte ich kaum weitere Kurse besuchen, da viele nur alle zwei Semester angeboten werden). Da ich mit 24 schon eher zu den "älteren" Bachelor-Studenten gehöre und zwischen meinem Bachelor-Abschluss und dem Beginn meines Master-Studiums noch einmal ein Semester Pause liegen wird, spielt da Zeit schon eine gewisse Rolle.


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xxxtietzes
Japanese to German
+ ...
Auslandsaufenthalt Dec 15, 2014

Richtig, man lernt die Sprache nicht im Hörsaal, aber lernt man denn nur im Hörsaal? Für mich war es vollkommen normal, dass ich mich *immer* intensivst mit der Fremdsprache beschäftigt habe. Mit regelmäßiger jahrelanger Übung sollten Lesefähigkeiten auf C2-Niveau kein Problem darstellen. Fällt die Beschäftigung mit der Sprache in Form von Literatur, Nachschlagen usw. weg, hilft auch ein Auslandsaufenthalt nichts (außer für die Umgangssprache).

Es gibt sehr gute Übersetzer (Übersetzer, nicht Dolmetscher), die nie im Ausland waren. Gerade für Englisch können m.E. durchaus auch kürzere Aufenthalte reichen. Es kommt neben hervorragenden passiven Kenntnissen der Fremdsprache eben vor allem auf die Beherrschung der Muttersprache und das Fachwissen an.

Es stimmt aber, dass viele angehende Übersetzer auch mangelnde Sprachkenntnisse haben, eben weil man dann doch nur im Hörsaal gelernt hat.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 00:09
English to German
Auslandsaufenthalt? Dec 16, 2014

Schtroumpf wrote:

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle etwas anregen, was ich oft im Sprachstudium des angehenden Übersetzers vermisse, nämlich der lange Auslandsaufenthalt. Egal welchen Schein man per Studium erwirbt, gerade die gründliche Kenntnis der fremden Sprache und Kultur lässt sich doch nicht im Hörsaal erwerben.


Nein, natürlich nicht, aber erstens brauchen das die meisten Übersetzer nicht wirklich und zweitens lernt man beim Auslandsaufenthalt im Wesentlichen nur die mündliche Alltagssprache. Selbst wenn man die in einer Umgebung lernt, in der etwas "gehoben" gesprochen wird, nützt das wenig. Man muss als Übersetzer lediglich sicher herausfinden können, was der Autor sagen wollte, und dafür braucht man vor allem gute Lesefähigkeiten, was unter anderem auch gute Denkfähigkeiten impliziert. (BTW, Luther war auch nicht ein Jahr lang unter alten Römern oder Griechen.)

Mit der perfekten Beherrschung sämtlicher Feinheiten z. B. der Modalverben oder der Zeitformen alleine bringt man keine gute Fachübersetzung zustande, wohl aber mit 6 Jahren Schulenglisch, Deutschnote 2+, logischem Denkvermögen und Fachwissen.
Und das Kulturwissen nützt null Komma nichts, wenn man z. B. einen Zeitschriftenartikel oder eine Pressemitteilung übersetzt: Da muss man nämlich lediglich wissen, wie "man" in der Zielsprache das schreibt, was der Autor geschrieben oder zu schreiben versucht hat. Und wer da z. B. Ironie oder Anspielungen auf ihm Unbekanntes nicht erkennt, dem nützt ein Auslandsaufenthalt auch nichts.

(Kulturerfahrung: Hat hier nicht vor einiger Zeit ein Nichtdeutscher verkündet, nach seiner Erfahrung in Berlin würden sich die Deutschen in aller Regel duzen, ganz gleich, ob bekannt oder nicht? Der Junge hat seine Auslandserfahrung wahrscheinlich in Kreuzberg im Gespräch mit Leuten aus der "Intellektuellen"-Szene dort gemacht.)

Klar, es gibt auch Übersetzungsaufgaben, die sehr hohe Ansprüche an die Fremdsprachenkenntnisse stellen. Aber sind die nicht in der Minderzahl und außerdem für den durchschnittlichen Übersetzer ohnehin zu anspruchsvoll?

Aber genau sie macht den souveränen Übersetzer aus.


Souverän oder nicht, das spielt ja keine Rolle. Relevant ist nur die Qualität des abgelieferten Ergebnisses, ganz gleich, mit wie viel Mühe man sie erreicht hat.


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