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Zahlungsmoral vs. Zahlungsfrist
Thread poster: Tanja Spath-Nagazi

Tanja Spath-Nagazi  Identity Verified
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May 8, 2015

Guten Morgen,

schon lange beschäftigt mich dieses Thema, inzwischen hat es aber solche Ausmaße angenommen, dass ich einfach mal gerne wissen würde, wie Kollegen zu dem Thema stehen.

Eine Firma (keine Übersetzungsagentur, sondern ein Direktkunde aus der Industrie), für die ich seit über zehn Jahren tätig bin, hat mich zu Beginn der Zusammenarbeit immer ca. drei bis max. vier Wochen nach Rechnungsdatum bezahlt. Nach diversen Umstrukturierungen innerhalb des Unternehmens bekam ich ein Schreiben, in dem mir angekündigt wurde, dass künftige Rechnungen nach 60 Tagen ab Rechnungsdatum beglichen würden. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits länger für das Unternehmen tätig war und dessen Art von Texten inzwischen zu meinem Spezialgebiet geworden sind, habe ich den Brocken geschluckt, zumal mir in einem Gespräch mit der Buchhaltung klipp und klar gesagt wurde, dass man sicher schnell jemand anderen finden würde, wenn ich die neuen Bedinungen nicht akzeptiere.

Ich habe es also hingenommen und erhielt mein Geld dann tatsächlich immer ziemlich genau 60 Tage nach Rechnungsdatum. Das ging etwa zwei Jahre gut; nun hat sich die Situation schleichend verändert. Es begann damit, dass die Rechnungsnummer, die mir vom Einkauf bereitgestellt wird und die ich zur Erstellung meiner Rechnung benötige, immer länger auf sich warten lässt, sodass sich bereits das Abschicken der Rechnung nach erfolgter Übersetzung um etliche Tage verzögern kann.

Inzwischen sieht es so aus, dass elf, zwölf oder mehr Wochen vergehen, bis das Geld auf meinem Konto ist. Aktuell geht es um eine Rechnung vom 11.02.2015, die nächste ist von Anfang März usw. Nachfragen bei der Buchhaltung haben keinen Efekt. Es wird zwar versprochen, sich darum zu kümmern, aber selbst die immer wieder versprochenen Rückrufe erfolgen nicht. Auf Mahnungen habe ich bis heute komplett verzichtet.

Da es sich meistens um größere Projekte handelt, will ich den Kunden einerseits nicht verlieren, andererseits arbeite ich aber auch öfter mit Kollegen an diesen Projekten, für die ich natürlich in Vorlage trete, was mich inzwischen in arge finanzielle Bedrängnis bringt, wenn ich selbst so lange auf mein Geld warten muss.

Würdet Ihr, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine langfristige Zusammenarbeit handelt, daraus ein Spezialgebiet erwachsen und ein gewisser "Gewöhnungseffekt" im Hinblick auf die Firma (nicht im Hinblick auf die Zahlungsmoral) entstanden ist, etwas unternehmen, euch "wehren", die Situation einfach weiter erdulden oder die Konsequenzen daraus ziehen?


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Matthias Brombach  Identity Verified
Germany
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Nachverhandeln May 8, 2015

Falls du es dir leisten kannst, den Endkunden am Ende doch noch zu verlieren, würde ich versuchen, wie folgt nachzuverhandeln:
Schlage vor, dass sich dein Endkunde eine Agentur sucht. Der Endkunde möge bitte dann einen Preisvergleich machen. Meistens solltest du dann schon gewonnen haben. Mache den Endkunden darüber hinaus darauf aufmerksam, dass eine Agentur nie eine gleichbleibende Qualität sicherstellen kann, dass die Übersetzer oftmals aus unterschiedlichen Gründen wechseln und deinem Endkunden nicht bekannt sein werden. Die Agenturen werden auch sicher keinen Zahlungszeitraum von acht bis 12 Wochen nach Lieferung akzeptieren. Hab diese Methode selbst einmal mit Erfolg anwenden müssen, allerding aus einer Situation heraus, in der ich längere Durststrecken aushalten konnte (und kann). Das Problem ist sicher, dass Übersetzungen nur lästiges Beiwerk sind. Es wäre für deinen Endkunden somit eine gute Erfahrung, dass qualitative Übersetzungen nicht wie Schnittbrot aus der Fabrikbäckerei zu haben sind.



[Bearbeitet am 2015-05-08 07:32 GMT]


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Andrea Halbritter  Identity Verified
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Meine Erfahrung May 8, 2015

Hallo Tanja,

meine Kunden in der Industrie zahlen bis zu 50 % im Voraus, den Rest spätestens 45 Tage nach Rechnungsstellung, manche sofort. Ich arbeite auf dem Gebiet ebenfalls mit Kollegen zusammen, die Firmen wissen das und sind daher bereit, in Vorkasse zu treten.

Meine Erfahrung ist: Wer als Direktkunde mit dir arbeiten will, kriegt das auch nach deinen Zahlungsbedingungen hin.

Mehr Schwierigkeiten habe ich da mit Agenturen, die teils sehr festgefahrene Zahlungsmodalitäten haben und sich ja auch selbst erst das Geld vom Kunden holen müssen - speziell für größere Projekte.

12 Wochen auf sein Geld zu warten, finde ich persönlich nicht hinnehmbar. Legst du das ganze Geld dann selbst aus, um die Kollegen zu bezahlen, oder wie machst du das? Könnte ich persönlich nicht...

Vielleicht hilft ein persönliches Gespräch? Bei einer langjährigen Zusammenarbeit mit Direktkunden entwickelt man doch normalerweise zu den zuständigen Personen ein ganz gutes Verhältnis, da sollten sich doch solche Sachen abklären lassen, oder nicht?
In der Buchhaltung sind die da oft ein bisschen zäh, aber wenn sich ein Verantwortlicher oder eine Direktionsassistentin dahinterhängt, ist das normalerweise kein Problem - so meine Erfahrung.

[Modifié le 2015-05-08 07:22 GMT]


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Tanja Spath-Nagazi  Identity Verified
Germany
Local time: 14:29
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TOPIC STARTER
Hin- und hergerissen ... May 8, 2015

Vielen Dank, Matthias und Andrea, für eure Antworten.

Am liebsten würde ich Eure beiden Vorschläge kombinieren. Mein direkter Ansprechpartner ist die Direktionsassistentin, die aber leider nicht zugänglicher ist als Buchhaltung. Ich hatte das Thema schon einmal angeschnitten, da hieß es nur, das liege ja nicht in ihrem Verantwortungsbereich.

Leider trennen die Firma und mich etwa 600 km, sonst wäre ein Gespräch vor Ort meine erste Wahl. Am Telefon ist besagte Direktionsassistentin immer sehr kurz angebunden, außer den Rahmenbedingungen zum jeweiligen Projekt lässt sich kaum etwas besprechen.

Dennoch würde ich Matthias' Vorschlag gern aufgreifen und einfach mal eine Mail verfassen, in der ich explizit auf jene Bedingungen von Übersetzungsagenturen verweise und auch nochmals auf die Schwierigkeit aufmerksam mache, dass ich für Kollegen (ja, genau, Andrea, ich lege das Geld selbst aus) in Vorlage treten muss und natürlich auch selbst darauf angewiesen bin, mein Geld innerhalb eines angemessenen Zeitraums zu bekommen.

Vielleicht habe ich das einfach noch nicht deutlich genug gemacht, es wurde bisher in meinen "Erinnerungsanrufen" eher immer so nebenbei erwähnt.


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ahartje
Portugal
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Genau dies dem Kunden mitteilen May 8, 2015

Hallo und guten Morgen,
ich würde genau dies dem Kunden mitteilen!
Des Weiteren sollte man fordern, dass die noch ausstehenden Rechnungen bezahlt werden, bevor ein neues Projekt gestartet wird.
Aus Erfahrung meine ich, behaupten zu können, dass ein Kunde, der derart unzuverlässig und respektlos handelt/zu handeln beginnt, wohl kaum seine Praktiken ändern wird. Da muss man, wenn man es sich leisten kann, einfach hart durchgreifen und seinerseits eine weitere Zusammenarbeit aufkündigen. Mir ist dies bereits einige Male passiert und im Endeffekt war ich stets froh, wenn ich den Schritt gewagt hatte, den jeweiligen Kunden in die Wüste zu schicken.
Dazu ist allerdings unbedingte Voraussetzung, dass man seinen Kundenstamm diversifiziert, um niemals in eine zu große Abhängigkeit von EINEM Kunden zu geraten.
Beiße in den sauren Apfel und gehe diesem Kunden mit berechtigten Anfragen auf die Nerven, während Du inzwischen seinen Abgang vorbereitest, bevor Du ihn höflich aus Deinen Diensten entlässt. Wer weiß, vielleicht kommt er sogar bald wieder und wird dann zu einem Deiner treuesten Kunden gehören. Ist mir auch schon passiert!
Dass Du durch diesen Kunden in ein Spezialgebiet gerutscht bist, sehe ich grundsätzlich nur als persönlichen Vorteil an, den Du jetzt für Dich und Deinen weiteren Kundenausbau nutzen kannst.


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Tanja Spath-Nagazi  Identity Verified
Germany
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TOPIC STARTER
Vorteil "Spezialgebiet"(?) May 8, 2015

Genau das könnte eventuell mein Vorteil sein - die jahrelange Erfahrung, die ich mir im Fachbereich des Kunden aufgebaut habe. Daher denke ich, dass ich das Risiko auf mich nehme und Tacheles rede bzw. schreibe, der Kunde daraufhin vielleicht sogar "abtrünnig" wird, aber eventuell dann auch merkt, dass es a) schwer wird, jemanden auf diesem Gebiet zu finden und b) es bestimmt auch nicht viele gibt, die solche Zahlungsfristen hinnehmen.

Ich müsste es darauf ankommen lassen ...


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Matthias Brombach  Identity Verified
Germany
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Schriftlich und als Team auftreten May 8, 2015

Tanja Spath-Nagazi wrote:
Leider trennen die Firma und mich etwa 600 km, sonst wäre ein Gespräch vor Ort meine erste Wahl. Am Telefon ist besagte Direktionsassistentin immer sehr kurz angebunden, außer den Rahmenbedingungen zum jeweiligen Projekt lässt sich kaum etwas besprechen.


Da ihr zeitweise im Team arbeitet, würde ich auch als Team auftreten, und zwar schriftlich.
Es sei denn, du möchtest alleiniger Ansprechpartner dieser Firma bleiben. Ich gehe mal davon aus, dass dein Team hinter dir steht und nicht bei Gelegenheit "überläuft", trotz der Konditionen. So etwas Ähnliches habe ich auch mal erlebt.
Schlagt eine Auszeit vor, in der die Firma eine Agentur ausprobieren kann. Als Team fallen einem sicher viele weitere Argumente ein. Aber macht es schriftlich und in einem freundlichen, bestimmten und geschäftsmäßigen Ton. Wahrscheinlich wirst du am Telefon schon gar nicht mehr ernst genommen, weil wieder "nur" die Übersetzerin am Apparat ist.


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ahartje
Portugal
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Eine risikoreiche Vorgehensweise May 8, 2015

Ich stimme dem letzten Vorschlag von Matthias nicht zu, denn dies birgt sehr viele Risiken.

Außerdem besteht für den Kunden ja nicht nur die Alternative: Tanja oder Agentur! Es gibt doch sicher genügend Kollegen, die diesen Fachbereich kennen bzw. bereit sind, sich in diesen Bereich einzuarbeiten. Dabei könnten sogar niedrigere Preise angeboten werden.

Grundsätzlich sollte man einfach seine eigene Rechnung aufstellen: Lohnt sich der Einsatz für diesen Kunden für mich? Tendiert man zu "Nein", dann sollte man den Abschied vorbereiten...und zuverlässigere Kunden suchen.


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Michael Wetzel  Identity Verified
Germany
Local time: 14:29
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Wenn es ein Problem bei der Buchhaltungsabteilung ist ... May 8, 2015

Ein Skonto anzubieten, vielleicht 3% innerhalb von 10 Tagen und 2% innerhalb von 3 Wochen oder so, wäre auch eine Möglichkeit: Natürlich am Besten als Entgegenkommen bei einer Preiserhöhung um 5% (falls dein Honorar nicht gerade in letzter Zeit bereits erhöht wurde). Oder ein paar Prozent kann man auch einfach so hinnehmen, wenn es dir das wert ist.

Ich weiß, dass ein Skonto in unserer Branche nicht üblich ist, aber das heißt nicht, dass es in deinem Fall keinen Sinn macht, wo späte Zahlungen zu echten Liquiditätsproblemen führen.

Der Vorteil ist, dass es theoretisch extrem effektiv und einfach wirken könnte, falls die Buchhaltung Anweisungen hat, Skonti immer auszunutzen.


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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
Local time: 14:29
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Offensiveres Vorgehen May 8, 2015

Hallo Tanja,

ich finde auch, dass du hier offensiver vorgehen solltest, und schließe mich weitgehend den Ausführungen von "ahartje" (erster Beitrag) an.

Zudem wären noch folgende Schritte denkbar:

- Je nachdem, ob dein jetziges Preisniveau hoch genug ist, könntest du dem Kunden bei schneller Zahlung (innerhalb 14 Tagen) ein Skonto von 2-3 % auf den Rechnungsbetrag einräumen und so einen Anreiz für schnellere Zahlungen schaffen.

- Da die Direktionsassistentin so unzugänglich zu sein scheint, würde ich die ganze Angelegenheit "eskalieren" und freundlich, aber bestimmt ihrem Chef vortragen, um eine auch für dich akzeptable Lösung einzufordern (die derzeitige Frist von 8-12 Wochen ist es ganz sicher nicht, zumal du für die Kollegen in Vorleistung gehst).

- Sichere dich durch eine Wirtschaftsauskunft (z. B. bei Creditreform - ist allerdings mit einer recht hohen jährlichen Mitgliedsgebühr verbunden) ab und finde heraus, ob die immer schleppendere Zahlungsmoral des Kunden auf gravierendere Sachverhalte (Liquiditätsprobleme/verschlechterte Bonität) hindeutet.

- Wenn der Kunde dir mit der Zahlungsfrist nicht entgegenkommt, kann ich auch nur empfehlen, mittelfristig "auszusteigen" - schließlich bist du keine Bank, die über 2-3 Monate zinslose Kredite vergibt.

Viele Grüße

Steffen


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Rolf Keller
Germany
Local time: 14:29
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Immer auch an die Sicht des Gegenüber denken May 8, 2015

Thema "Spezialgebiet": Es ist nicht selbstverständlich, dass der Kunde überhaupt versteht, dass das ein Punkt sein kann. Aus seiner Sicht soll der Übersetzer womöglich "nur den Text in einer anderen Sprache abschreiben". Es ist auch denkbar, dass er die Übersetzungen als völlig unwichtig für seinen Geschäftserfolg betrachtet.

Wir hier wissen ja gar nicht, wie speziell das Fachgebiet nun wirklich ist. Es ist ja durchaus denkbar, dass etliche andere Übersetzer da gar keinen besonderen Einarbeitungsaufwand haben. Wir wissen auch nicht, um welche Textsorten es geht: Es ist ein großer Unterschied, ob es z. B. Werbetexte sind oder nur Alibi-Dokumentationen, die keiner liest und die man nur wg. irgendwelcher Vorschriften mit seinen Produkten liefern muss.

Thema "Am Telefon kurz angebunden, Abwimmeln usw.": Tja, die Leute dort haben halt andere Interessen. Wenn ich eine Fabrik für Bürostühle oder Baumaschinen habe, dann haben Anfragen des Elektrikers, der ab und zu mal zum Auswechseln einer Glühbirne kommt, allerunterste Priorität. Damit muss man als Übersetzer leben.

Thema "Zahlungsmoral": Was nützt es mir, wenn mein Übersetzer zufrieden ist, ich aber meine Lieferanten und Mitarbeiter nicht bezahlen kann? DIE stellen sich nämlich sofort auf die Hinterbeine und dann kann ich meine Firma schließen. Wie agiere ich also? Wenn eine Firma knapp mit Geld ist, dann ist der eine oder andere kleine Dienstleister eben der Dumme. Auch damit muss man als Übersetzer leben. Die Welt ist nun mal nicht gerecht.

Ich wollte nun nicht sagen, dass man sich nicht wehren soll. Doch, man soll, aber man darf dabei nie den Blick auf die Realitäten verlieren. Also muss man die Folgen abschätzen und die hängen von Dingen ab, die wir hier gar nicht kennen – es ist immer eine Einzelfallentscheidung, bei der man das Gegenüber berücksichtigen muss. Beim Kunden A ist es angebracht, einen gerichtlichen Mahnbescheid zu schicken, beim Kunden B ist das völlig falsch; aber wenn das jemand wissen kann, dann nur du.

Nebenbei: Ich lese immer "Rechnungsdatum". Warum nicht ausdrücklich ein Fälligkeitsdatum in die Rechnung schreiben? Das macht jeder gelernte Kaufmann so. Manche schreiben sogar ins Kleingedruckte, das bei Überschreitung die gesetzlich klar festgelegten Verzugszinsen anfallen (und die sind ziemlich hoch).

Nebenbei 2: Ich habe auch Kunden, die nicht immer eine Auftragsnummer mitliefern, oder jedenfalls nicht rechtzeitig. Das ist aber nicht mein Problem, dann warte ich nicht, sondern schreibe eben nur "Auftrag vom ..." in die Rechnung.


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Andrea Halbritter  Identity Verified
France
Local time: 14:29
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In Frankreich ticken die Uhren anders May 8, 2015

Habe kurz überflogen, was die anderen geantwortet haben.

Mir scheint, du hast das Thema bei der Direktionsassistentin einfach nicht offen genug angeschnitten. Du schreibst ja selbst, du hast dein Problem nur so nebenzu erwähnt.

Dass Franzosen sich erstmal für nichts zuständig fühlen, was ihren direkten Aufgabenbereich überschreitet, ist in Frankreich eine ganz normale Reaktion - v. a. wenn die Leute überarbeitet sind. Ich denke, es ist daher wichtig, dass du in einem persönlichen Gespräch bei der Direktionsassistentin Verständnis für deine Situation schaffst und auch die Summen nennst, um die es geht. Normalerweise wird sie verstehen, dass du das nicht auslegen kannst. Anschließend fragt du sie, welche Lösungen sie dir anbieten kann, ohne zunächst selbst welche vorzuschlagen. Vielleicht kommt da ja was.

Von anderen Vorschlägen, wie z. B. anzumerken, dass die Firma mit einer Agentur wesentlich mehr bezahlen würde, würde ich unbedingt Abstand nehmen. In wirklich großen Firmen kannst du auch nicht verlangen, mit dem Chef der Assistentin zu sprechen. Der kümmert sich um so etwas nicht und hat wirklich anderes zu tun (ich kenne die Situation in französischen Großkonzernen von mehreren Seiten aus).

Problem ist vermutlich, dass du das Ganze schon viel zu lange mitmachst. Da ist es wesentlich schwieriger Dinge zu ändern. Nachdem du aber schon recht lange mit der Firma zusammenarbeitest, sind die aber doch wahrscheinlich sehr interessiert an eurer Kooperation. Ich würde daher also v. a. Positives betonen und nicht in irgendwelche Drohgebärden, Auftreten zu mehreren etc. verfallen. So geht man in Frankreich nicht vor. Da suchen die sich tatsächlich jemand anders, auch wenn die mit dir sehr zufrieden sind.


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Andrea Halbritter  Identity Verified
France
Local time: 14:29
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Zusatz May 8, 2015

Sollte die Direktionsassistentin trotz eines Gesprächs sagen, dass sie da nichts machen kann, dann frag' doch mal, an wen du dich am besten wendest. Vielleicht hat sie ja tatsächlich nicht den besten Draht zur Buchhaltung... aus welchem Grund auch immer.

Meine Assistentinnen schaffen es in der Regel, das mit der Buchhaltung hinzukriegen, und sind sehr froh, wenn sie einen Dienstleister gefunden haben, auf den sie bauen können, und nicht wieder von neuem suchen müssen, zumal sie meist auch sehr viel zu tun haben. Das solltest du ganz einfach im Hinterkopf behalten! Danke der Assistentin doch einfach mal für die jahrelange gute Zusammenarbeit und merke dann an, ob man nicht ein paar Punkte verbessern könnte... So läuft das in Frankreich - jedenfalls für mich.

Mit Steffen stimme ich dahingehend überein, dass du tatsächlich mal überprüfen solltest, wie zahlungskräftig deine Firma tatsächlich ist. Vielleicht hat sich ja auch da in den letzten Jahren etwas geändert...

[Modifié le 2015-05-08 10:20 GMT]


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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
Local time: 14:29
Member (2002)
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Frage an Tanja May 8, 2015

In welchem Land ist das Unternehmen ansässig?

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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
Local time: 14:29
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Nein, Rolf ... May 8, 2015

Rolf Keller wrote:
... Thema "Am Telefon kurz angebunden, Abwimmeln usw.": Tja, die Leute dort haben halt andere Interessen. Wenn ich eine Fabrik für Bürostühle oder Baumaschinen habe, dann haben Anfragen des Elektrikers, der ab und zu mal zum Auswechseln einer Glühbirne kommt, allerunterste Priorität. Damit muss man als Übersetzer leben.
...


... damit muss ich als Übersetzer nicht leben! Ich habe einige Direktkunden, bei denen das ganz anders läuft (Stichwort "Kommunikation auf Augenhöhe"). Wenn die Kommunikation auch nach mehreren Versuchen, auf eine Verbesserung/Klärung hinzuwirken, auf Dauer so gestört ist, wäre das für mich ein Grund, mich nach anderen Kunden umzusehen. Wir reden hier schließlich über Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehme(r)n, bei denen keiner der Beteiligten Bittsteller sein sollte.

Im Übrigen unterliegst du (oder wohl eher die von dir hier "stellvertretend" zitierten Kunden) mit dem Elektriker-Vergleich einem fundamentalen Irrtum: Von einer defekten Glühbirne mehr oder weniger hängt das Wohl und Wehe des Unternehmens nicht ab, von gelungenen Übersetzungen dagegen sehr wohl (erst recht, wenn sie für die Außendarstellung bestimmt sind). Und sicher müssen wir den Kunden immer wieder unseren Stellenwert klarmachen - in einer Kommunikation auf Augenhöhe (siehe oben!), die neben dem reinen Übersetzen ggf. auch die Beratung hinsichtlich des Unternehmensauftritts in anderen Märkten/Ländern umfassen kann. Dass dabei manche Kunden beratungsresistent sind oder bleiben, wird sich nicht ändern lassen.

Deinen "Nebenbei"-Anmerkungen stimme ich übrigens zu.


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