Fachgebiete
Thread poster: Timberwolve
Timberwolve
Germany
May 14, 2015

Hallo,
ich bin dabei mein Abi zu machen und möchte Übersetzen und Dolmetschen studieren.
Ich möchte dabei mich aber gern vorab spezialisieren und mir fundierte Fachkenntnisse aneignen.
Nun frage ich mich welches Fachgebiet mich einerseits interessiert und andererseits langfristig profitabel ist.
Könnt ihr mir vielleicht sagen welche Fachbereiche zukünftig lohnenswert sind und gefragt werden, so dass Auftraggeber auch bereit sind für professionelle Übersetzungen, Geld in die Hand zu nehmen?

Viele Grüße aus Münster

Eyk


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Rolf Keller
Germany
Local time: 09:55
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Oh, jemand macht sich schon vorher Gedanken ... sieht man nicht so häufig. May 14, 2015

Timberwolve wrote:

Ich möchte dabei mich aber gern vorab spezialisieren und mir fundierte Fachkenntnisse aneignen.


Damit steht du immerhin weit über der Masse, die "irgendwas mit Sprachen" machen will und Jahre zu spät merkt, dass die Fremdsprachenkenntnisse beim Übersetzen das am wenigsten Wichtige sind. Ich sage immer: 1/3 Fremdsprache, 1/3 Muttersprache und 1/3 Fach- und Weltwissen. So kann man z. B. mit 6 Jahren Schulenglisch auch ohne Übersetzerstudium durchaus mithalten, wenn die anderen beiden Dinge stimmen.

Könnt ihr mir vielleicht sagen welche Fachbereiche zukünftig lohnenswert sind und gefragt werden, so dass Auftraggeber auch bereit sind für professionelle Übersetzungen, Geld in die Hand zu nehmen?


Das ist eher eine Frage des jeweiligen Auftraggebers und der Textsorte und weniger eine Frage des Fachgebiets. Der Möchtegern-Millionär, der mit seiner Garagenfirma aus China Spezial-Sonnenbrillen oder USB-Sticks importiert, zahlt eher wenig. Viele Agenturen zahlen auch nicht übermäßig viel, bieten aber andere Vorteile.

Wenn du wirklich langfristig ein gutes Einkommen haben willst, ist das Übersetzerstudium nicht unbedingt erste Wahl. Beim Dolmetschen sieht es anders aus, da kommt es sehr stark auf deine Kommunikationsfähigkeiten an. Grob gesagt, ist ein guter Übersetzer introvertiert und arbeitet am liebsten im stillen Kämmerlein, wogegen ein Dolmetscher extrovertiert sein sollte. Diejenigen, die beides machen, sind nach meiner Beobachtung oft Dolmetscher mit nur mäßiger Beherrschung der Schriftsprache.

Am besten machts du mal ein Praktikum, um mehr über diese Berufe zu erfahren.


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dianaft  Identity Verified
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Gute Frage May 14, 2015

Zum Dolmetschen kann ich überhaupt nichts sagen.

Ganz grob gesagt sind in einem Fachgebiet für Übersetzer, das
Timberwolve wrote:
andererseits langfristig profitabel ist,


Kleinigkeiten wichtig und eine gute Übersetzung erfordert tiefgreifendes Verständnis und/oder Flair.

Wenn der Durchschnittsbürger typische Texte in einem Bereich ohne Weiteres versteht, dann ist auch die Konkurrenz zwischen den Übersetzern groß. Wenn Texte nur in irgendeiner Schublade verschwinden, zahlt der Kunde auch nicht gerne. Hängt jedoch viel Geld, Gesundheit, Leben oder Sicherheit von der Übersetzung ab, dann ist der Kunde i.d.R. gewillt in die Tasche zu greifen.
Also entweder dem Ottonormalverbraucher unzugängliche Bereiche (z.B. Medizin, Finanzwesen, Recht, erneuerbare Energien, Bauwesen, etc.) oder Werbung.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 09:55
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Sachtexte vs. Fachtexte. Bezahlung nach Text<i>wichtigkeit</i>? May 15, 2015

dianaft wrote:

Wenn der Durchschnittsbürger typische Texte in einem Bereich ohne Weiteres versteht


Das ist für mich der Unterschied zwischen Sachtext und Fachtext. Ein Beispiel sind Katzenbücher. Die bekommt der Durchschnittsbürger nie in die Finger, sollte den Inhalt aber bei mäßiger Intelligenz verstehen können, auch wenn er etwas in Richtung Biologie und Psychologie geht. Das sind Sachbücher, keine Fachbücher.

... ist der Kunde i.d.R. gewillt in die Tasche zu greifen. Also entweder dem Ottonormalverbraucher unzugängliche Bereiche (z.B. Medizin, Finanzwesen, Recht, erneuerbare Energien, Bauwesen, etc.) oder Werbung.


Ich weiß nicht, ob man das so pauschal sagen kann. Nehmen wir Werbung: Wieviel Prozent aller Webpräsenzen von Unternehmen sind denn akzeptabel übersetzt? Hat da der Kunde wirklich gut gezahlt? Wenn ja, hat der Übersetzer eigentlich "betrogen", denn für dieses Geld kann man überall erheblich bessere Übersetzungen bekommen.

Oder nehmen wir Finanzwesen: Da kann man in Kudoz hautnah miterleben, wie Leute auf Hausfrauenniveau die Geschäftsberichte von Weltkonzernen verunstalten, weil sie z. B. nicht mal den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn genau kennen und simple steuerliche Erläuterungen für sie ein Buch mit sieben Siegeln sind. Und was – für den gebildeten Fachleser unübersehbar – zwischen den Zeilen steht und mitübersetzt werden muss, sehen die gar nicht. Klar, die Antworten helfen ihnen, aber eben nur wenig, weil es immer nur Bruchstücke sind. Viele andere Dinge werden nicht gefragt, weil der Übersetzer irrtümlich glaubt, sie gut oder wenigstens korrekt übersetzen zu können. Wieviel zahlt der Weltkonzern denn nun für einen so wichtigen Text?


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Maria S. Loose, LL.M.  Identity Verified
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Fachgebiet studieren May 15, 2015

Was ich mir in letzter Zeit so zusammen gelesen haben, läuft darauf hinaus, dass die allgemeinsprachlichen Texte immer mehr von Computern übersetzt werden. Nur die wirklich schwierigen Fachtexte und Werbetexte werden in Zukunft noch von Menschen übersetzt. Ich würde, wenn ich noch mal jung ware, zuerst ein Fachgebiet studieren, vielleicht im Ausland und dann noch ein Master of Translation Studies oder ein Master of Conference Interpreting anschließen. Damit hat man dann zwei Standbeine und kann auf andere Berufe umsatteln, wenn die Humanübersetzung immer mehr durch die Maschinenübersetzung ersetzt wird. Außerdem kann man dann fachlich anspruchsvolle Texte fachgerecht übersetzen und bekommt höhere Honorare. Ich selbst habe erst ein Übersetzerstudium und dann noch ein volles Jurastudium gemacht. Ich hätte besser gleich das Jurastudium machen sollen und dann noch ein Master of Translation Studies anhängen sollen. Schau Dir mal die Studienmöglichkeiten in England an. Ein Studium kostet dort zwar leider 9000 GBP pro Jahr, aber man kann einen günstigen Kredit kriegen. Nach dem Bachelor kann man dann einen Master in Translation Studies anschließen, wenn man möchte. Du musst Dich allerdings ein Dreivierteljahr im vorraus über UCAS bewerben.

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Andrea Halbritter  Identity Verified
France
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Fachgebiet May 15, 2015

Würde auch dazu raten, ein Fachgebiet zu studieren. Allerdings teile ich Marias Prognose, dass allgemeinsprachliche Texte immer mehr von Computern übersetzt werden werden, nicht. Die dadurch erzielten Ergebnisse sind in der Regel einfach zu schlecht.

Rolf Kellers Analyse in Bezug auf Kollegen, die in jedem Bereich arbeiten, obwohl sie keinen Plan haben, halte ich für teilweise durchaus zutreffend. Natürlich gibt es aber auch sehr gute Fachleute und so einer solltest du werden, wenn du mit Übersetzung wirklich gut verdienen willst.

[Modifié le 2015-05-15 14:36 GMT]


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Crannmer
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Eine gute Methode für schlechte Übersetzungen May 15, 2015

Maria S. Loose, LL.M. wrote:
Ich würde, wenn ich noch mal jung ware, zuerst ein Fachgebiet studieren, vielleicht im Ausland

Das Studieren im Ausland, um anschließend im studierten Fachgebiet in die Muttersprache zu übersetzen, halte ich für die beste Methode, im besagten Fachgebiet __schlechte__ Fachübersetzungen zu liefern. Denn man hat zwar danach die Fachkenntnisse, aber dafür das Fachvokabular in der Zielsprache überhaupt nicht.

Das Übersetzen selbst kann man durchaus im Ausland studieren, aber das eigentliche Fachgebiet sollte IMHO schon in der Zielsprache studiert werden.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 09:55
English to German
Vom Ingenieur zum Übersetzer, das geht. Aber umgekehrt? May 15, 2015

Maria S. Loose, LL.M. wrote:

Damit hat man dann zwei Standbeine und kann auf andere Berufe umsatteln, wenn die Humanübersetzung immer mehr durch die Maschinenübersetzung ersetzt wird.


Das kommt aufs Fachgebiet an. Bei Jura mag das gehen, bei Medizin oder Technik wird es schon schwieriger, weil das Wissen sehr schnell veraltet.

Und: Der Wechsel vom Freiberufler zum Angestellten ist heute in DE fast unmöglich. Man muss also ein Fachgebiet haben, in dem man sich ohne viel Kapital selbständig machen kann. Ein Rechtsanwalt kann das, ein nicht mehr ganz junger Arzt muss aber schon überlegen, wann er die Schulden für seine Praxiseinrichtung abbezahlen kann.


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 09:55
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+ ...
Unternehmer sind nicht introvertiert May 15, 2015

Rolf, bei allem Respekt - das hier ist blanker Unfug:
Rolf Keller wrote:
Grob gesagt, ist ein guter Übersetzer introvertiert und arbeitet am liebsten im stillen Kämmerlein, wogegen ein Dolmetscher extrovertiert sein sollte. Diejenigen, die beides machen, sind nach meiner Beobachtung oft Dolmetscher mit nur mäßiger Beherrschung der Schriftsprache.

Selbstständige Übersetzer sind Unternehmer (das gilt für Dolmetscher natürlich genau so) - Introvertierte werden kaum als Unternehmer erfolgreich sein. Gute Unternehmer gehen auf ihre Kunden zu und vertreten ihr Geschäft (im positiven Sinne) aggressiv.

Am besten machts du mal ein Praktikum, um mehr über diese Berufe zu erfahren.

Einverstanden.

LG Ralf


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Rolf Keller
Germany
Local time: 09:55
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Was muss ein ein "guter" Übersetzer können? May 16, 2015

Ralf Lemster wrote:

... ist blanker Unfug ...


So, so. Hm. Na ja.

Selbstständige Übersetzer sind Unternehmer (das gilt für Dolmetscher natürlich genau so) - Introvertierte werden kaum als Unternehmer erfolgreich sein.
Gute Unternehmer gehen auf ihre Kunden zu und vertreten ihr Geschäft (im positiven Sinne) aggressiv.


Ich hatte gesagt "gute Übersetzer", darunter verstehe ich Leute, die gut übersetzen können und denen genau das (also auch das "gut") Freude macht.

Ob und wie die genügend Kunden finden, ist ein ganz anderes Thema. Ich kann dir versichern, dass man seine Kunden auch einfach mit E-Mail-Werbung finden kann, wenn man sich dabei nicht dumm anstellt und außerdem etwas mehr oder etwas anderes bieten kann als das in 95 von 100 Werbetexten zu lesende, nichtssagende "Ich habe ein Diplom, bin im BDÜ und liefere gute Arbeit".

Man kann sogar dadurch Kunden finden, dass man hier z. B. in KudoZ nebenbei erkennen lässt, dass man "gut" ist – das weiß ich zufällig ganz genau. Auch durch Empfehlungen kann man Kunden bekommen – aber dafür muss man eben ein "guter Übersetzer" gemäß meiner obigen Definition sein.

"Introvertiert" impliziert ja nicht "weltfremd", ein Introvertierter kann durchaus wissen, wie er erfolgreich für sich werben kann, ohne den ganzen Tag wie ein Versicherungsvertreter am Telefon zu hängen oder auf Messen zu versuchen, sich erfolgreich anzudienen.

Und so ganz nebenbei: Man kann sich die Akquisitionsarbeit auch von Agenturen abnehmen lassen. Du möchtest sicher nicht sagen, dass deine eigene Agentur nur mit solchen Freiberuflern zusammenarbeitet, die "agressiv" auf diese Zusammenarbeit hingesteuert haben. Und sicher möchtest du auch nicht sagen, dass diese Freiberufler arme Hansel sind, die es nicht schaffen, richtige Unternehmer zu werden. Aber es sind doch alles sehr gute Übersetzer, oder nicht?

Rolf Keller


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