Abrechnung Wortschatzprojekt DE-EN
Thread poster: Perfektionistin
Perfektionistin
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Jun 17, 2015

Hallo!
Gerne würde ich um eure Meinung und Erfahrungswerte hinsichtlich einer Preiskalkulation bitten.
Zunächst einige Hintergrundinformationen:
Ich habe im B.A. Translation und im M.A. Sprachwissenschaft (u.a. Anglistik) studiert und in den letzten Jahren ab und zu kleinere Übersetzungsprojekte angenommen. Nun wurde ich von Kollegen gebeten, an einem akademischen Projekt mitzuarbeiten. Es geht um ein DAF Wortschatzportal für den asiatischen Raum, welches um englische Einträge ergänzt werden soll. Das Budget ist naturgemäß begrenzt und ich wurde gebeten, einfach mal anzufangen und Bescheid zu geben, wenn ich das mir zugewiesene Limit erreicht hätte. Meine Aufgabe ist es, die Lesarten der deutschen Vokabeln mit den englischen Entsprechungen zu versehen. Im Durchschnitt hat eine Vokabel zwei Lesarten. Ich schaffe ca. 14 Vokabeln in der Stunde. Das erscheint recht wenig, aber zum einen muss ich z.B. bei Partikeln bzw. eher unüblichen Lesarten selbst nachschlagen und zum anderen gilt es bspw. Valenzen zu beachten.
Nun zu meiner Frage, wie ich ein solches Projekt am besten abrechnen könnte. Wenn ich auf Wortbasis kalkuliere, komme ich ziemlich schlecht dabei weg, auf Stundenbasis erscheint mir hingegen Recht teuer.


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Erik Freitag  Identity Verified
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Egal Jun 17, 2015

Perfektionistin wrote:
Wenn ich auf Wortbasis kalkuliere, komme ich ziemlich schlecht dabei weg, auf Stundenbasis erscheint mir hingegen Recht teuer.


Egal, ob auf Wort- oder Stundenbasis: Am Ende muss natürlich dasselbe dabei herauskommen! M. a. W.: Entweder ist Dein Wortpreis zu niedrig, Dein Stundensatz zu hoch, oder Du arbeitest zu langsam (oder eine Kombination mehrerer dieser Faktoren gleichzeitig).


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markusob
Local time: 13:31
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Dein Stundensatz Jun 17, 2015

Am Ende nehmen die so und so viel Stunden deiner Zeit in Anspruch. Das musst du angemessen bezahlt bekommen. Ich finde auch, dass es egal ist, auf welcher Basis man hier rechnet. Am Ende muss immer dasselbe herauskommen.

Zu meiner Studienzeit hatte ich von einer Firma, bei der ich ein Praktikum gemach habe, ein Angebot bekommen für ein großes Übersetzungsprojekt. Budget leider hier auch sehr gering (wenn nicht sogar lächerlich gering). Ich habe es abgelehnt und das hat dann auch für schlechte Stimmung gesorgt. Aber das war besser, als sich ausnutzen zu lassen.

Du musst bedenken, dass dieses Portal mit deinen Einträgen vielleicht einmal viel Geld verdienen wird. Du willst doch nicht, dass sich andere auf deine Kosten bereichern.


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Siegfried Armbruster  Identity Verified
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Ich versteh die Frage nicht Jun 17, 2015

Vor ca. 25 Jahren als ich gerade mit dem Studium fertig war, wurde ich gebeten ein Terminologieprojekt im Medizinbereich durchzuführen, ich kam dabei auch auf ca. 12-15 Worte pro Stunde. Ich hatte damals angeboten das für DM 2,50 pro Wort zu machen, das entsprach einem Stundenpreis von um DM 30.-. Ich sehe keinen Grund warum du nicht einen heute gängigen Stundenpreis von mindestens EUR 60.- für deine Arbeit verlangen solltest. Wo ist dein Problem? Findest du, dass deine Arbeit den Preis nicht wert ist?

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Perfektionistin
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TOPIC STARTER
Ja, aber ... Jun 17, 2015

Zunächst vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Einige Anmerkungen zu den Kommentaren:
Tatsächlich arbeite ich sehr langsam, da mir die Routine fehlt und ich sehr penibel bin, weil ich alles möglichst gut und richtig übertragen will. (Ich muss mir das ständige Gegenprüfen wirklich abgewöhnen, aber der Auftrag ist auch eine gute Übung...)

Aufgrund der erwähnten Einschränkung rechne ich in der Regel mit 25€ pro Stunde (was anscheinend immer noch wenig ist?!).
Wäre ich als Mitarbeiterin im Rahmen des Projekts angestellt, würde ich ca. 15€ pro Stunde bekommen. (Die Auftraggeber wissen aber, dass das kein wirklicher Maßstab ist.)

Eine Kalkulation pro Wort (ca. 10ct?!) ist schwierig, weil ich bei einer "normalen" Übersetzung sehr viel mehr Wörter pro Stunde schaffen würde. Zudem kann ich - anders als bei einem "normalen" Text - den Umfang schwer fassen bzw. zählen, da ich verschiedene Lesarten bzw. Beschreibungen mit einer oder mehreren Vokabeln versehe.

Da es sich um ein akademisches Projekt handelt, muss das Portal unentgeltlich nutzbar sein.

Ich denke schon, dass ich gute Arbeit leiste und dafür auch entsprechend entlohnt werden sollte. Nur die Frage ist eben, wieviel ist angemessen?


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markusob
Local time: 13:31
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Meine Kalkulation Jun 17, 2015

Da diese Art von Arbeit pro Wort deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als eine normale Übersetzung, darfst du natürlich nicht mit den üblichen Preisen pro Wort rechnen.

Die 15 Euro pro Stunde in Festanstellung finde ich gar nicht so schlecht. In Vollzeit hättest du ein Gehalt i. H. v. 2.600 Euro brutto pro Monat. Für München wäre das natürlich mau (wäre dort das Gehalt eines einfachen Bürokaufmanns), aber in vielen anderen Regionen in Deutschland bekommst du als Meister / Techniker / Hochschulabsolvent im Schnitt auch nicht mehr (große Unternehmen und sehr gut zahlende Branchen außen vor).

Wenn sie dich fest anstellen, ergeben sich für deinen Arbeitgeber tatsächlich höhere Kosten pro Arbeitsstunde als die 15 Euro. Der Arbeitgeber muss Teile der Sozialversicherung für dich bezahlen. Außerdem muss er dir Urlaub gewähren. Durch Krankheit, Feiertage und Schulungen reduzieren sich die tatsächlich zu erwartenden Arbeitsstunden noch weiter. Nach meiner Berechnung betragen die tatsächlichen Kosten für den Arbeitgeber mind. 22 Euro pro tatsächlich geleisteter Arbeitsstunde.

Die 22 Euro pro Stunde sind deine absolute Untergrenze. Ich würde diesen Preis nur akzeptieren, wenn sie dir dauerhaft eine bestimmte Stundenzahl zusagen. Als Freiberufler musst du mit einer Schwankung deiner Auslastung rechnen. Du musst pro Stunde also deutlich mehr einnehmen, als der Kunde für eine fest angestellte Arbeitskraft aufwenden müsste. Sonst nimmst du im Schnitt viel weniger ein, als der Angestellte Gehalt bekommt. Ich würde ganz grob Faktor 1,5 nehmen. Wenn man die Stundensätze von Handwerkern und anderen Dienstleistern vergleicht, ist der Faktor 1,5 durchaus üblich. Dann wären wir bei 33 Euro pro Stunde.

Dein Preis würde also irgendwo zw. 22 Euro und 33 Euro pro Stunde liegen. Natürlich kann man sich jetzt endlos streiten, von welchem Vergleichsgehalt man für einen Angestellten ausgeht. Geht man von einem Gehalt von 40.000 Euro pro Jahr aus (die "magische Zahl", die immer für Hochschulabsolventen genannt wird), komme ich nach meinen Berechnungen auf knapp 29 Euro pro Stunde Kosten für den AG bei Festanstellung und gut 42 Euro pro Stunde für einen freien Mitarbeiter.


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Rolf Keller
Germany
Local time: 13:31
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Psychologisch denken Jun 17, 2015

Ein Stundensatz von z. B. 60 EUR für eine Person (nicht für ein Unternehmen) erscheint den meisten Nicht-Selbstständigen und Branchenfremden erschreckend hoch.

Also ist es besser, diese Zahl nicht zu nennen, sondern x,xx EUR/Begriff. Ob das viel oder wenig ist, können die meisten nicht beurteilen, also erschrecken sie auch nicht.

Insgeheim kann man ja ruhig mit Stunden kalkulieren und das Ergebnis dann in Wortpreise umrechnen.


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Regina Seelos  Identity Verified
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... auch an die sonstigen Kosten denken Jun 17, 2015

Das Einkommen eines Freiberuflers muss aber doch noch wesentlich mehr abdecken: Außer den Sozialversicherungsbeiträgen, bei denen der Arbeitgeber im Falle der Festanstellung die Hälfte übernimmt, muss im Falle des Freiberuflers auch der Miete/Raumkosten, Schreibtisch, Computer, Strom, Heizung, Wasser, Urlaubs-, Krankheitstage und diese ganzen anderen Dinge bezahlt werden, die bei einer Anstellung der Arbeitgeber übernimmt. Immerhin gibt es hierzulande ja Lohnfortzahlung und bezahlten Urlaub. Der Arbeitgeber stellt in der Regel auch den Arbeitsplatz kostenlos zur Verfügung. Ganz anders bei Selbständigen. Die müssen für alles selbst vorsorgen. Deshalb würde ich sagen, dass ein Satz um den Bereich des JVEG-Satzes herum (70 - 75 Euro) angemessen ist.

Und man muss bedenken, dass man auch nur dann diesen Satz erzielen kann, wenn man produktiv arbeitet: Also übersetzt/dolmetscht und nicht Angebote schreibt, Buchhaltung macht, usw.

Es gibt da wirklich etliche kostenlose Kalkulationshilfen für Stundensätze im Internet.

Kleine Anekdote am Rande: Ich hatte mal einen Urkundenkunden, der meinte, dass meine Preise zu hoch seien. Zitat: Ich habe auch mal als Übersetzer gearbeitet, hätte aber nicht so hohe Sätze. Auf meine Frage, warum er damit aufgehört hat, lautete die Antwort: "Weil ich davon nicht leben konnte ...". Damit war die Diskussion dann auch schon zu Ende.

Für Angestellte hören sich Stundensätze von Freiberuflern und Handwerkern immer sehr hoch an, aber man kann halt nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Viele Grüße
Regina


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Perfektionistin
Germany
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TOPIC STARTER
Tolles Feedback! Jun 18, 2015

Vielen lieben Dank für eure Kommentare und Anregungen. Ich habe viel daraus mitgenommen und denke, ich habe jetzt eine gute Grundlage für diese und zukünftige Kalkulationen.
Es ist wirklich toll, dass man hier so viel Unterstützung bekommt.
Danke für eure Zeit!


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markusob
Local time: 13:31
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Aktuelle Statistik über Gehälter in Deutschland Jun 19, 2015

Spiegel Online hat heute eine umfangreiche Statistik zu Gehältern in der Automobilbranche für Deutschland veröffentlicht:

http://www.spiegel.de/fotostrecke/gehaelter-in-der-autoindustrie-wo-es-was-zu-verdienen-gibt-fotostrecke-127529-2.html

In der Statistik werden Gehälter nach Unternehmensgröße und nach Berufserfahrung für die Bereiche Verwaltung, Vertriebsingenieure, Mitarbeiter im Marketing, Key Account Manager und Ingenieure in der Produktion angegeben.

Ich dachte, das könnte den ein oder anderen Leser hier interessieren.


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