Zitate & Ausz├╝ge aus B├╝chern - Herangehensweise?
Thread poster: Michaela M├╝ller

Michaela M├╝ller
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Jan 31, 2005

Hallo,

Zur Zeit ├╝bersetze ich einen Text, in dem ziemlich viele Ausz├╝ge aus B├╝chern angef├╝hrt werden. Bei anderen ├ťbersetzungen hatte ich bisher das Gl├╝ck, die zitierten B├╝cher auch zu besitzen oder besorgen zu k├Ânnen. Diesmal ist es anders: ich br├Ąuchte B├╝cher und Artikel von Rousseau, Locke, Montesquieu und anderen Autoren.

Wie geht ihr an solche ├ťbersetzungen ran, wenn
1. die B├╝cher ├╝berhaupt nicht auf Deutsch erschienen sind oder
2. ihr nicht an die deutschen Ausgaben/Textstellen herankommt oder
3. keine Zeit f├╝r gro├čangelegte "Beschaffungsma├čnahmen" vorhanden ist oder
4. nur der deutsche Titel bekannt ist, nicht aber der offiziell ├╝bersetzte Textauszug

Wie genau sollte man den/die Buchtitel angeben - in Klammern Original und ├╝bersetzten Titel davor?
Oder doch lieber alles selbst ├╝bersetzen, auch wenn es bereits eine offizielle deutsche Ausgabe gibt?

Mich w├╝rden eure Erfahrungen damit interessieren!

Viele Gr├╝├če,
Michaela


 

Herbert Fipke  Identity Verified
Germany
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Vorschlag Jan 31, 2005

Hi!
Ich w├╝rde so vorgehen:
Wenn es eine "offizielle" ├ťbersetzung gibt, diese verwenden. Gro├če Werke sind mit Sicherheit im Internet zu finden, im Zweifel auch mal in der ├Ârtlichen Leihbibliothek anrufen.
Ist keine ├ťbersetzung greifbar oder nur durch hohen Aufwand erh├Ąltlich, w├╝rde ich das Originalzitat stehen lassen und meine eigene ├ťbersetzung in Klammern dahintersetzen (oder per Fu├čnote, um den Lesefluss nicht zu sehr zu st├Âren).
F├╝r die korrekte Art des Zitierens gibt es einschl├Ągige Richtlinien (Quellenangabe, etc). Um nicht zu lange recherchieren zu m├╝ssen, wie das geht, w├╝rde ich mir ein altes Buch aus Uni-Zeiten nehmen und nachsehen, wie dort die Quellenangaben gemacht wurden und die Vorgehensweise einfach ├╝bernehmen.
Frohes Schaffen!


 

Michaela M├╝ller
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L├Âsung? Jan 31, 2005

Leider sind gerade die gro├čen Werke im Internet nicht zu finden (nehme an, die Rechte...) bzw. nur die Teile, die ich nicht brauche, und die ├Ârtliche B├╝cherei f├╝hrt sie auch nicht.

Ich wei├č auch nicht, was ich jetzt machen soll. Zum Einbau der Originale plus dahinter der sinngem├Ą├čen dt. ├ťbersetzung ist kein Platz und Fu├čnoten gibt es schon.
Ich hoffe, da├č sich der Kunde endlich meldet.

Michaela


 

langnet  Identity Verified
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"Agree" mit Herbert... Jan 31, 2005

Wobei ich bei der "offiziellen ├ťbersetzung" hinzuf├╝gen w├╝rde: wenn Du eine solche zur Verf├╝gung hast, den ├ťbersetzer angeben. Oftmals gibt es bei Texten, die sozusagen zum "Weltliteraturerbe" geh├Âren, ja mehrere ├ťbersetzungen (wie bei der Bibelicon_smile.gif ). So auch bei diesen Philosophen. Der ├ťbersetzer "geh├Ârt" also angegeben.

Ansonsten:

1): Nicht ├╝bersetzen und Zitat im Original zitieren, eventuell eine eigene ├ťbersetzung anfertigen und unbedingt darauf hinweisen.

2): Ebenfalls Orginal stehen lassen. Und Auftraggeber, falls Agentur, darauf hinweisen ("Warum komme ich nicht an die dt. Ausgabe/Textstelle heran?").

3): Da w├╝rde ich sagen: ebenfalls Originaltext stehen lassen. Wobei das "gro├čangelegte Beschaffungsma├čnahmen" auch relativ "relativ"icon_smile.gif ist. Soll ich mir die B├╝cher in einschl├Ągiger ├ťbersetzung anschaffen (lohnt sich das ├╝berhaupt, habe ich Folgeauftr├Ąge? Und wie teuer w├╝rde das eigentlich?). Wenn allerdings die M├Âglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit besteht, durch - auch l├Ąngerdauernde - Recherche etwas im Internet aufzutun (bspw. Schlegel-├ťbersetzungen von Shakespeare), dann ist das nat├╝rlich auszusch├Âpfen. Auf jeden Fall kann bei mir als ├ťbersetzer(in) nicht vorausgesetzt werden, da├č ich die gesammelten Werke der abendl├Ąndischen Philosophie - von der anderen ganz zu schweigen - bei mir im B├╝cherregal habe. Haben studierte Philosophen auch nicht. Mu├č ich mir also bestimmte Texte, bspw. "Nebenwerke" eines Autors extra f├╝r die ├ťbersetzung anschaffen, ist dies auch eine Kostenfragen und mu├č abgekl├Ąrt werden. Niemand kann alles kennen bzw. haben. H├Âchstens vielleicht alles eines bestimmten Autors/einer bestimmten Zeitepoche.

4): Unbedingt Originaltext stehen lassen und unbedingt Auftraggeber dar├╝ber informieren. Wo es einen "bekannten Titel" mit entsprechender Autoren-/├ťbersetzerangabe gibt, gibt es auch eine ├ťbersetzung des Textes. Und die w├Ąre in diesem Fall dann auch anzuf├╝hren, und von einer eigenen ├ťbersetzung, auch als Fu├čnote, w├Ąre abzusehen. Ansonsten siehe 3), vor allem in puncto "Kostenentscheidung".


Wie genau sollte man den/die Buchtitel angeben - in Klammern Original und ├╝bersetzten Titel davor?


Wie Herbert schon gesagt hat, einschl├Ągige Richtlinien bzw. das, was man bei Hausarbeiten u.a. auf der Uni zu tun hatte, konsultieren. In der Regel ist dies: Titel, Autor (Herausgeber), Erscheinungsort, Erscheinungsjahr. Der Verlag braucht nicht angegeben werden,ISBN auch nicht. Es hat sich aber etabliert bzw. mu├č auch getan werden, so man es wei├č bzw. wenn diverse Ausgaben unterschiedlicher Verlage vorliegen (benutze ich bei einer Hausarbeit ├╝ber Goethes Werther die Reclam-Ausgabe, gebe ich dies auch an bzw. mu├č dies angeben, sobald Seitenzahlen genannt werden - was "Pflicht" ist).
Zitiert man einen Originaltext, ist also die verwendete Ausgabe anzuf├╝hren (was wei├č ich, "Jane Austen, soundso, Penguin 19xy". Gibt man da den Erscheinungsort an, bedeutet das implizt den der Erstausgabe).


Oder doch lieber alles selbst ├╝bersetzen, auch wenn es bereits eine offizielle deutsche Ausgabe gibt?


Dann auf gar keinen Fall, vor allem nicht in diesem Bereich. Auch nicht als studierter Philosophicon_smile.gif. Da w├Ąre dann zun├Ąchst einmal die gesamte, wissenschaftliche ├ťbersetzung des Quelltextes erforderlichicon_smile.gif))

[Edited at 2005-01-31 15:01]


 

Herbert Fipke  Identity Verified
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Letzte Rettung Unibibliothek Jan 31, 2005

Wenn weder das Internet noch die ├Ârtliche Bibliothek weiterhelfen k├Ânnen, kannst du eine Uni anmailen (besser: anrufen) und dich mit der dortigen Bibliothek, Abteilung Philosophie, verbinden lassen. Die (meist) Damen, die dort arbeiten, kennen sich in der Regel recht gut aus und k├Ânnen dir bestimmt weiterhelfen. Gro├če Buchh├Ąndler wie Bouvier haben auch meist einen oder zwei "echte" B├╝cherw├╝rmer unter den Mitarbeitern, die sicher irgendwelche Tipps auf Lager haben.
Wenn das alles nichts bringt, kannst du gegen├╝ber deinem Kunden zumindest geltend machen, dass du wirklich alles versucht hast.

[Edited at 2005-01-31 15:03]


 

Michaela M├╝ller
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Zitate Jan 31, 2005

langnet wrote:
1): Nicht ├╝bersetzen und Zitat im Original zitieren, eventuell eine eigene ├ťbersetzung anfertigen und unbedingt darauf hinweisen.

Wo sollte das angegeben werden? Dar├╝ber gibt es keine ├╝bereinstimmenden Aussagen.


In der Regel ist dies: Titel, Autor (Herausgeber), Erscheinungsort, Erscheinungsjahr. Der Verlag braucht nicht angegeben werden,ISBN auch nicht.


Vielleicht sollte ich hinzuf├╝gen: Meine Frage bezog sich ausschlie├člich auf die ├ťbersetzung im eigentlichen Text, die Quellenangaben lasse ich au├čen vor.

Danke jedenfalls erst mal f├╝r die Hilfe und Hinweise!


 

langnet  Identity Verified
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Nochmal "Agree" mit Herbert... Jan 31, 2005

Michaela M├╝ller wrote:

Leider sind gerade die gro├čen Werke im Internet nicht zu finden (nehme an, die Rechte...) bzw. nur die Teile, die ich nicht brauche, und die ├Ârtliche B├╝cherei f├╝hrt sie auch nicht.



Die Rechte d├╝rften es in diesem Fall eher nicht sein. Man braucht in diesem Fall eben Integralausgaben, die zu digitalisieren ist auch nicht einfach, und es m├╝ssen immer wieder "Priorit├Ąten" gesetzt werden.



Ich wei├č auch nicht, was ich jetzt machen soll. Zum Einbau der Originale plus dahinter der sinngem├Ą├čen dt. ├ťbersetzung ist kein Platz und Fu├čnoten gibt es schon.
Ich hoffe, da├č sich der Kunde endlich meldet.


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Eines f├Ąllt mir als Nachtrag noch ein: die Literaturbeschaffung in der Unibibliothek, wie von Herbert vorgeschlagen, ist nicht ganz so einfach - dies umso mehr, wenn man "zuf├Ąllig" eben gerade nicht in einer Gro├č- oder Universit├Ątsstadt, sondern "auf dem platten Land" lebt und arbeitet (und da doch - bei den allgemein ├╝blichen Abgabeterminen ein eher illusorischer "Rettungsanker" - oder wer bezahlt mir die Spritkosten in die n├Ąchstgelegene Universit├Ątsstadt - und dann haben die da sowieso keine philosophische Fakult├Ąt, sondern nur Maschinenbau und E-Technikicon_smile.gif Scherz beiseite, soll ich von Braunschweig - ich wei├č, was es da in der Unibibliothek gibt - nach G├Âttingen fahren? Oder nach Hannover? OK, nicht die Welt, nur 60-100 km, aber es soll ja Leute geben, die auch in Gro├čenfehn in Ostfriesland lebenicon_smile.gif ).

Wie ich das so sehe, ist Dein Text doch grunds├Ątzlich an ein spezifisches, also doch recht eingeschr├Ąnktes, Publikum gerichtet. Da k├Ânnen bestimmte (Quell-)Sprachkenntnisse vorausgesetzt werden (es gibt z.B. keinen Studenten der Philosophie, der nicht angehalten w├╝rde, entsprechende Sprachkenntnisse zu erwerben bzw. das auch mu├č. Tut er/sie dies nicht, ist es sein/ihr Problem - und er/sie sollte besser den Beruf wechseln). Schon allein, wer sich mit Leibnitz besch├Ąftigt, hat ein Problem: hat er doch nicht auf Deutsch, sondern auf Franz├Âsisch geschrieben bzw. ver├Âffentlicht.

Egal: mein Rat: Alle Zitate im Original belassen. Kann a) nicht falsch sein und b) kann Dein Auftraggeber auch nicht von Dir verlangen, da├č Du solche Texte "mal eben so einfach" ├╝bersetzt - auch nicht "sinngem├Ą├č" - wo man sich im Zweifelsfall sogar bei der angesprochenen Zielgruppe "blamieren" k├Ânnte.

Aber: stehen da die Originale? Das wird bei Deiner Frage nicht klar. Locke ist Brite, die anderen Franzosen. In welcher Sprache ist der - sonstige - Ausgangstext? Sind Rousseau und Montesquieu im Original angef├╝hrt oder in ausgangssprachlicher ├ťbersetzung? Wenn ja, m├╝├čte da nat├╝rlich eine entsprechende deutsche ├ťbersetzung hin - aber keine sinngem├Ą├če, sondern eben "offizielle". Wenn nein, Originaltext stehen lassen, auch wenn der Auftraggeber anderer Meinung ist.


[Edited at 2005-01-31 15:34]

[Edited at 2005-01-31 15:46]


 

Michaela M├╝ller
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Danke f├╝r den Tip (p) Jan 31, 2005

Super - danke f├╝r die Ratschl├Ąge! Langsam glaube ich auch, da├č die Originalzitate passender sind.
Au├čer vielleicht in einem Fall, wo eine Werbeanzeige zitiert wird, von der ich nur die deutsche ├╝bersetzte ├ťberschrift gefunden habe.

langnet wrote:

Aber: stehen da die Originale? Das wird bei Deiner Frage nicht klar. Locke ist Brite, die anderen Franzosen. In welcher Sprache ist der - sonstige - Ausgangstext? Sind Rousseau und Montesquieu im Original angef├╝hrt oder in ausgangssprachlicher ├ťbersetzung? Wenn ja, m├╝├čte da nat├╝rlich eine entsprechende deutsche ├ťbersetzung hin - aber keine sinngem├Ą├če, sondern eben "offizielle". Wenn nein, Originaltext stehen lassen, auch wenn der Auftraggeber anderer Meinung ist.


[Edited at 2005-01-31 15:34]


Tja, der eigentliche Text (├╝ber Globalisierung und Demokratie) ist in amerikanischem Englisch verfa├čt. Die Zitate sind auf Englisch und, soweit ich das im Internet finden konnte, entstammen sie in den meisten F├Ąllen den ├╝bersetzten anerkannten "Standardwerken".

Der Aspekt, da├č hier sowieso schon aus Fremdsprachen ├╝bersetzt wurde, besch├Ąftigt mich auch schon die ganze Zeit.


 

langnet  Identity Verified
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Zitate... Jan 31, 2005

Michaela M├╝ller wrote:

langnet wrote:
1): Nicht ├╝bersetzen und Zitat im Original zitieren, eventuell eine eigene ├ťbersetzung anfertigen und unbedingt darauf hinweisen.



Wo sollte das angegeben werden? Dar├╝ber gibt es keine ├╝bereinstimmenden Aussagen.


Dies sollte - wobei ich Deine anderen Nachtr├Ąge, als ich dies geschrieben hatte, noch nicht kannte - als Fu├čnote mit obligatorischem "Anm. d. ├ť." gestaltet werden. Aber nun hast Du ja geschrieben, es g├Ąbe schon Fu├čnoten an sich im Text. Das ist ein Problem und sollte abgekl├Ąrt werden. Bei "offiziellen" Verlags├╝bersetzungen ist das kein Thema, das wird geregelt. Hier nat├╝rlich ergibt sich ein Problem - da├č die Fu├čnotennumerierung des Ausgangstexts durcheinandergebracht wird.


In der Regel ist dies: Titel, Autor (Herausgeber), Erscheinungsort, Erscheinungsjahr. Der Verlag braucht nicht angegeben werden,ISBN auch nicht.


Vielleicht sollte ich hinzuf├╝gen: Meine Frage bezog sich ausschlie├člich auf die ├ťbersetzung im eigentlichen Text, die Quellenangaben lasse ich au├čen vor.

Danke jedenfalls erst mal f├╝r die Hilfe und Hinweise!


Sorry, bezog mich auf:



Wie genau sollte man den/die Buchtitel angeben - in Klammern Original und ├╝bersetzten Titel davor?



und dachte, da best├╝nde ein genereller Kl├Ąrungsbedarf. Will hier niemandem irgendwelche "Lektionen" erteilenicon_smile.gif. War halt nicht so ganz klar, Dein eigentliches Problem.


 

Michaela M├╝ller
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TOPIC STARTER
Anweisung des Kunden Jan 31, 2005

Danke vielmals!
Der Kunde hat sich gemeldet und m├Âchte, da├č ich die Zitate selbst ├╝bersetze, da ja au├čerdem die Hinweise auf die Originale bzw. engl. Zitate in den Fu├čnoten angegeben seien.

Jedenfalls werde ich wohl in Zukunft die Originalzitate wirklich stehenlassen bzw. eine ├ťbersetzung mit Fu├čnote angeben.

Michaela


 


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