Vertrag mit Verlag für eine literarische Übersetzung aus dem Chinesischen
Thread poster: Egmont Schröder

Egmont Schröder  Identity Verified
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Oct 24, 2015

Hallo zusammen,

ich weiß, dass Einträge über Literaturübersetzungen schon einige Male diskutiert wurden, ich werde aber mal kurz meine Situation zusammenfassen:

Ich habe nach einem Sinologiestudium einige Zeit als Übersetzer gearbeitet und wollte schon immer einen chinesichen Klassiker übersetzen, für den es gegenwärtig keine richtige deutsche Übersetzung gibt.

Ich habe ein Exposee mit einer Beschreibung des Buches sowie einer Übersetzung der ersten beiden Kapitel angefertigt und sie an verschiedene Verlage geschickt, und jetzt hat sich wirklich ein Verlag gemeldet, der diese Übersetzung herausbringen möchte!

Ich habe mich schon ein wenig umgeschaut, wie dafür eine Bezahlung aussehen sollte, und ich denke, dass eine Bezahlung pro Seite und eine Umsatzbeteiligung optimal wären.

Jedoch habe ich keine Ahnung von der Höhe, die ich für dieses Sprachpaar (Deutsch-Chinesisch) aushandeln könnte, und ich finde darüber nur widersprüchliche Angaben.

Könntet ihr mir sagen, wieviel ich da heraushandeln könnte? Man sollte beachten, dass dies meine erste Literaturübersetzung ist, und ich weiß, dass man mit dieser Art der Übersetzung das Geld nicht mit dem Schubkarren heimfährt. Ich möchte aber auch nicht den Preis kaputt machen und denke, dass das der Grundstein für viele weitere, interessante Projekte ist.

Ich bin für eure Ratschläge sehr dankbar!


 

Egmont Schröder  Identity Verified
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Hier ist ja eine rege Diskussion entbrannt... Oct 28, 2015

Ich habe jetzt einen Vertrag vom Verlag bekommen, den sie mit allen Autoren abschließen.

Darin steht, dass 8 % vom Nettoladenpreis (Ladenpreis ohne MWst) bis zu einer bestimmten Auflage als Absatzhonorar gezahlt werden.
Andere Bezahlungsarten gibt es nicht (außer für Lizenzen, die sich aus dem Produkt ergeben).

Sind das gute Konditionen?


 

Stephanie Busch  Identity Verified
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Infos des VdÜ oder im englischen Forum fragen Oct 28, 2015

Hallo Egmont,

meine Erfahrung mit Verlagsverträgen hält sich leider in Grenzen, aber bei einer meiner Buchübersetzungen (aus dem Schwedischen) wurde ich nach Wortpreis bezahlt. Somit war ich nicht darauf angewiesen, dass sich das Buch gut verkauft.

Prinzipiell ist natürlich alles verhandelbar - wichtig ist, dass du dich mit der vereinbarten Regelung wohlfühlst.

Mein Rat wäre, sich mal beim Verband deutschsprachiger Übersetzer umzuhören, der auch eine "Gemeinsame Vergütungsregel" ausgehandelt hat:

http://www.literaturuebersetzer.de/

Oder die Frage nochmal im englischen ProZ.com-Forum stellen - da ist generell mehr los.

Stephanie


 

Michael Wetzel  Identity Verified
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Link zu den "Gemeinsamen Vergütungsregeln" Oct 29, 2015

Hier ein Link: www.literaturuebersetzer.de/download/wissenswertes/Normvertrag.pdf

Nicht vergessen von den erhöhten Honoraren ab dem 01.01.2015 auszugehen.

Allerdings sind das nur Richtwerte, die Vergütungsregeln sind nur für eine Handvoll von Verlagen verbindlich. Das Grundhonorar ist auch sehr niedrig, d. h., wenn das Buch sich schlecht verkauft, verdient man eher schlechte Agentur-Honorare. Wenn es eine höhere vierstellige Summe an Exemplare verkauft und nicht ellenlang ist, verdienst du dann wahrscheinlich irgendwo zwischen sehr gute Agentur-Honoraren und schlechte Direktkunden-Honoraren.

Ich würde mir den Vertrag genau anschauen, wozu genau der Verlag sich verpflichtet (im Sinne vom Lektorat und Layout sowie Werbung, Lieferbarkeit usw.) und mir ernsthaft überlegen, die Übersetzung auf eigener Faust zu machen, entweder als E-Book bei Amazon oder als gedrucktes Buch beim BoD-Verlag oder Ähnliches. Ein richtiger Verlag ist natürlich eine feine Sache, aber ein nutzloser Verlag ist eine Geldverschwendung.


 

Egmont Schröder  Identity Verified
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Die Konditionen scheinen in Ordnung zu sein Nov 9, 2015

Ich habe mich ein bisschen umgesehen, und habe herausgefunden, dass 8% vom Verkaufspreis ein normales Autorenhonorar sind.

Ich würde mir den Vertrag genau anschauen, wozu genau der Verlag sich verpflichtet (im Sinne vom Lektorat und Layout sowie Werbung, Lieferbarkeit usw.) und mir ernsthaft überlegen, die Übersetzung auf eigener Faust zu machen, entweder als E-Book bei Amazon oder als gedrucktes Buch beim BoD-Verlag oder Ähnliches. Ein richtiger Verlag ist natürlich eine feine Sache, aber ein nutzloser Verlag ist eine Geldverschwendung.


Das habe ich mir auch schon überlegt, aber ich habe auch gehört, dass es sehr schwierig ist, ein Buch allein zu vermarkten, und dass es deswegen von Vorteil ist, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten. Außerdem geht es der Verlagswelt aufgrund von amazon und Co. nicht sehr gut, und sie nehmen nur noch selten neue Autoren auf, da das immer ein Risiko beinhaltet. Es ist wahrscheinlich kein schlechtes Zeichen, dass ich einen Verlag gefunden habe.
Das ist auch mein erstes Buch, eigene Werke kann ich danach auch noch herausbringen, wenn ich ein wenig mehr Ahnung von der Sache habe.

Der Verlag klärt gerade die Rechtsgrundlage der Originalausgabe, danach werde ich wohl den Vertrag abschließen und kann dann loslegen:)


 

Rolf Keller
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Übersetzer vs. Autoren Nov 9, 2015

Egmont Schröder wrote:

Ich habe mich ein bisschen umgesehen, und habe herausgefunden, dass 8% vom Verkaufspreis ein normales Autorenhonorar sind.


Übersetzer bekommen in der Regel keine Autorenhonorare.

Üblicherweise bekommen sie eine umsatzunabhängige Grundvergütung plus eine Abatzbeteiligung. Die Absatzbeteiligung liegt eher bei 0,8 als bei 8 % und bezieht sich nur auf die tatsächlich verkauften und nicht remittierten Exemplare.


 

Michael Wetzel  Identity Verified
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ausführlichere Erklärung? Nov 11, 2015

Hallo Egmont,

es wäre wirklich schön, wenn du irgendwann die Zeit finden könntest, hier ausführlicher über diesen Prozess zu erzählen.

Ich habe "Klassiker" im Sinne von so was wie Konfuzius' Analekten verstanden, d. h., ein eindeutig urheberrechtsfreies historisches Werk, wo aber bestimmte kritische Editionen, die du als Ausgangstext benutzen möchten, vielleicht geschützt sein könnten.

Für mich ist es einleuchtend, dass man unter diesen Umständen wie ein Autor und nicht wie ein Übersetzer bezahlt wird: Der Weg zum Vertrag war auch der Weg eines Autoren und nicht der von einem Übersetzer.

Letztes Jahr dachte ich kurz, dass ich meine große Chance erkannt hatte: Wassily Kandinsky ist 1944 gestorben, sprich: Die Urheberrechte an seine Werke sind zum 01.01.2015 ausgelaufen. "Über das Geistige in der Kunst" ist ein absoluter Klassiker der Kunstgeschichte, von denen sicherlich Hunderte und eher Tausende englischsprachige Exemplare Jahr für Jahr verkauft werden. Und es gab (scheinbar) nur zwei wirklich grottenschlechte englischsprachige Übersetzungen. Leider habe ich dann später eine dritte, wirklich ausgezeichnete Übersetzung doch gefunden, aber falls so was wieder vorkommt, würde es mich interessieren, mehr über deine Erfahrungen zu wissen.


 

Egmont Schröder  Identity Verified
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Gerne Nov 11, 2015

Es ist ein Roman aus der Ming-Dynastie, also gibt es kein Urheberrecht mehr.
Solange der Vertrag noch nicht unterschrieben ist, möchte ich nicht sagen, wie er heißt, ich bin ein wenig abergläubisch. Die Geschichte, die er erzählt, wurde aber oft in der Pop-Kultur und in der klassischen Kunst Chinas aufgegriffen und verarbeitet. Es ist wirklich ein Wunder, dass er nocht nicht übersetzt ist.
Es ist eigentlich nicht so schwer, darauf zu kommen, wie der Roman heißt, aber wie gesagt, ich möchte nichts rumposaunen.

Es gibt eine Übersetzung, und die ist auch gar nicht so schlecht. Sie ist aber nur eine Übersetzung von einer englischen gekürzten Fassung. Ich finde das ein wenig armselig.

Wie gesagt, gibt es kein Urheberrecht mehr und das Werk ist sogar frei im Internet zugänglich, es ist jedoch äußerst umfangreich und im klassischen Chinesisch geschrieben. Man braucht viel Verständnis der klassischen Sprache, und dann ist da noch die Frage, ob das überhaupt bei einem deutschen Publikum ankommt.

Ich habe aber eine gekürzte Fassung auf Chinesisch gefunden, die ich gerne übersetzen möchte. Sie ist eher an ein junges Publikum gerichtet und auch ausgezeichnet worden, deshalb denke ich, dass das ganz gut passt. Ich habe nicht den Wunsch, universitäre Literatur herauszubringen (die hatte ich im Studium ein bisschen zu viel), ich möchte die Leute mit einer guten Geschichte unterhalten und ihnen Asien ein bisschen näher bringen. Der Verlag in Deutschland diskutiert gerade die Urheberrechtsfrage mit dem Verlag in Taiwan, das kann sich ein wenig hinziehen.

Was die Frage "Autor" oder "Übersetzer" angeht: Ich weiss auch nicht, warum im Vertrag immer vom "Autor" die Rede ist und eine derartige Vergütung ausgemacht wird, somal dieser Verlag hauptsächlich Übersetzungen anbietet, aber das ist eigentlich auch nebensächlich. Ich werde später einmal bei einem Telefonat danach fragen.
Wichtig ist, dass die Arbeit gerecht vergütet wird, und das scheint hier der Fall zu sein.
Wenn man chinesische Literatur übersetzt, muss man sehr frei übersetzen, da es sonst eigenartig klingt. Wahrscheinlich kommt daher diese Beschreibung.

Natürlich wäre ich auch lieber "Autor" als "Übersetzer" eines Buches, aber ich denke nicht, dass der Verlag später auf den Umschlag eines Romans aus der Ming-Dynastie "Autor: Egmont Schröder" drucken wird.


 


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