Student/Freelance-Übersetzer und Steuer
Thread poster: Femas100

Femas100
Germany
Mar 18, 2016

Hallo zusammen,

ich habe schon im Forum gesucht und lange gegoogelt, bin aber nicht fündig geworden.

Ich bin Student im Masterstudium und arbeite nebenbei als Übersetzer (über die Freelancer-Platform Upwork).

Soll ich irgendwo meine Einnahmen/Tätigkeiten anmelden, obwohl sie unter 8.652 € liegen? Und was wenn sie überschritten werden?

Ich entschuldige mich, wenn ich dumme Fragen gestellt habe aber ich bin wirklich ratlos :/

Vielen Dank im Voraus für Euere Antworte

Federico


 

Ricki Farn
Germany
Local time: 08:02
Member (2005)
English to German
Einfach mal im örtlichen Finanzamt anrufen Mar 18, 2016

... die erklären dir das, und meiner Erfahrung nach sogar viel freundlicher, als man erwarten würde. Ich habe bisher auf jede noch so schräge Frage eine sinnvolle Antwort erhalten.

 

Heiko Franz  Identity Verified
Local time: 08:02
Member (2008)
English to German
Hallo Federico, Mar 18, 2016

Wenn Sie als Student freiberuflich arbeiten, müssen Sie dies in jedem Fall dem Finanzamt melden. Dazu reicht erst einmal ein formloses Schreiben. Dann wird Ihnen das Finanzamt den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zusenden, den Sie ausfüllen und zurücksenden müssen. Den ersten Schritt können Sie jedoch auch überspringen, wenn Sie sich den Fragebogen direkt von Ihrem FA holen, der liegt dort meistens aus. Dass Sie unter dem Grundfreibetrag liegen, spielt dafür erst einmal keine Rolle. Überschreiten Sie den Grundfreibetrag von 8.652 €, müssen Sie für jeden Euro, den Sie über diesen Grundfreibetrag verdienen, Steuern zahlen, für den Grundfreibetrag jedoch nicht. Wenn Sie Bafög bekommen, müssen Sie beachten, wie viel Sie dazuverdienen können, ohne dass es gekürzt wird (ich glaube, das liegt derzeit bei 450 €/Monat). Sie können als Selbstständiger, wenn Sie mehr als 8.652 € einnehmen, natürlich auch Ausgaben geltend machen, etwa pauschal Werbungskosten, anteilig PC usw. Dann wird es aber schon kompliziert. Also besser unter 8.652 € bleiben und sich dem Masterstudium widmenicon_smile.gif

[Edited at 2016-03-18 17:42 GMT]


 

Femas100
Germany
TOPIC STARTER
Steuerplicht über Upwork/Elance usw. mit ausländischen Kunden? Mar 29, 2016

Erstmal vielen Dank für die Antworte.

Ich habe jetzt Angst, weil ich schon seit Januar 2014 (!) arbeite und habe beim Finanzamt gar nichts gemeldet. Ich komme mir jetzt dumm vor weil ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht habe. Ich habe letztes Jahr eine Freundin gefragt, die sich da auskennt und sie meinte das Finanzamt würde sich melden.....

Ich habe etwas im Internet gefunden:

"Es handelt sich um eine Grauzone, die in den nächsten Jahren sicher durch neue Gesetze geschlossen wird. Bisher ist es jedoch so, dass du vogelfrei bist, wenn du beispielsweise in Thailand am Strand sitzt und dein Geld von Auftraggebern über Elance & Co. verdienst. Voraussetzungen dafür sind wieder, dass du nirgendwo steuerpflichtig bist und deine Einnahmen nicht über ein Unternehmen in Rechnung stellst."

Ich habe nämlich immer (fast nur) für Webinterpret (französische Firma) und niemals für deutsche Kunden und musste NIE Rechnungen ausstellen.

Ich bin noch verwirrter als vorher und weiß nicht was ich tun soll.

Was denkt ihr?


 

Maria S. Loose, LL.M.  Identity Verified
Belgium
Local time: 08:02
German to English
+ ...
nie eine Rechnung? Mar 29, 2016

Normalerweise unterliegen Übersetzungsdienstleistungen der Mehrwertsteuerpflicht und man muss immer eine Rechnung ausstellen, um bezahlt zu werden. Normalerweise benötigt ein Übersetzer deshalb eine Mehrwertsteuernummer, auch wenn er Kleinunternehmer ist. Stellt man bei Upwork etwa keine Rechnung aus und hast Du etwa keine Mehrwertsteuernummer?

[Edited at 2016-03-29 16:04 GMT]


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 08:02
English to German
Beim Finanzamzt melden. Jetzt. Mar 29, 2016

Femas100 wrote:

Ich habe letztes Jahr eine Freundin gefragt, die sich da auskennt und sie meinte das Finanzamt würde sich melden.....


Frag doch mal die Freundin, ob das Finanzamt Hellseher beschäftigt, die wissen, was du so alles machst. Fakt ist, du hast ohne Wenn und Aber die Pflicht, dich zu melden. Besser, du meldest dich jetzt , dann wird man wahrscheinlich ein Auge zudrücken.

"Es handelt sich um eine Grauzone, die in den nächsten Jahren sicher durch neue Gesetze geschlossen wird. Bisher ist es jedoch so, dass du vogelfrei bist, wenn du beispielsweise in Thailand am Strand sitzt und dein Geld von Auftraggebern über Elance & Co. verdienst. Voraussetzungen dafür sind wieder, dass du nirgendwo steuerpflichtig bist und deine Einnahmen nicht über ein Unternehmen in Rechnung stellst."


Du hast den letzten Satz des Internet-Zitats gelesen? Da steht, dass das nur gilt, wenn du nirgendwo steuerpflichtig bist. Und wo hast du gelesen, dass du in D nicht steuerpflichtig bist? Ansonsten ist das Zitierte nur Geschwurbel. Das niedrige Niveau erkennt man schon an den Formulierungen, "vogelfrei" ist ja wohl was anderes, und "Einnahmen in Rechnung stellen" ist hirnrissiger Unfug. Tipp: Um juristisches Wissen aus dem Internet holen zu können, braucht man Basiswissen und Urteilsfähigkeit, denn das meiste des dort ganz einfach Erklärten ist ganz einfach falsch.

Fakt ist, dass du unbeschränkt einkommensteuerpflichtig bist, wenn du in D lebst. http://www.finanztip.de/steuerpflicht/

Ich habe nämlich immer (fast nur) für Webinterpret (französische Firma) und niemals für deutsche Kunden und musste NIE Rechnungen ausstellen.


Überleg dir mal, wie sinnvoll es ist, solche Details weltweit zu veröffentlichen. "Hallo, hier ein Tipp, wo man unbehelligt schwarz arbeiten kann. Läuft bei mir gut." (Kopfschüttel)

Ich bin noch verwirrter als vorher und weiß nicht was ich tun soll.


Du meldest dich am besten beim Finanzamt, bevor die dir auf die Schliche kommen. Wenn du dich naiv genug zeigst, werden sie vermutlich ein Auge zudrücken. Du bist ja nur ein kleiner Fisch. Wenn die aber den Eindruck haben, dass du mit Vorsatz handelst, dann bekommst du womöglich Post vom Staatsanwalt.


 

Schtroumpf
Local time: 08:02
German to French
+ ...
Grau oder schwarz? Mar 31, 2016

Grauzone? Ich würde mal unter dem Stichwort "Schwarzarbeit" googeln.

Die Finanzämter mögen sowas wenig, und wir ordungsgemäß gemeldeten und versicherten Profis, unter uns gesagt, auch nicht. Die Übersetzerverbände bekämpfen die Schwarzarbeit wie die Pest, aus nachvollziehbaren Gründen: Schwarzarbeit erschwert den legal Arbeitenden das Überleben genauso wie Preisdumping aus Drittländern.

Klingt womöglich drastisch, soll ja auch ein bisschen aufrütteln, insbesondere auch Leute, die hier mal eben mitlesen, weil sie dieselbe Idee haben. Ich glaube nicht, dass das Finanzamt für 250 Euro ein Verfahren in Betracht zieht. Aber wer einmal der Schwarzarbeit überführt oder verdächtig ist, setzt sich damit dem Generalverdacht der Unehrlichkeit aus.

Mein Rat: Finger weg von unangemeldeten Geschäften.


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 08:02
English to German
Dunkelgrau bis schwarz. Apr 1, 2016

Schtroumpf wrote:

Grauzone? Ich würde mal unter dem Stichwort "Schwarzarbeit" googeln.


Zumindest ist es an dem zitierten Strand in Thailand ziemlich dunkelgrau. Es geht nur mit erschlichenem Visum:
http://www.spiegel.de/karriere/ausland/traumjob-in-thailand-uebersetzerin-macht-den-strand-zum-buero-a-842611.html (letzter Absatz)

Aber in D muss man die in Thailand. erzielten Einnahmen tatsächlich nicht versteuern, denn maßgeblich ist der de facto bestehende Lebensmittelpunkt, und der liegt dann nun mal in Th.


 

Femas100
Germany
TOPIC STARTER
Student/Freelance-Übersetzer und Steuer Apr 1, 2016

Aus der Antworten der beiden letzten Users @Rolf Keller und @Schtroumpf sehen alle Leuten, die über Upwork in Deutschland arbeiten als Schwarzarbeiter, gehe ich davon aus.

Sie gehen davon aus, dass ich 2 Jahre schwarz gearbeitet habe und sind sofort bereit, mich anzugreifen, ohne meine Situation richtig zu kennen. Wenn ich hätte schwarz arbeiten wollen, hätte ich nie hier gefragt ob ich dem Finanzamt etwas melden sollte. Oder sogar anderen einen Tipp geben, wie man Steuern hiterziehen kann (da schüttle ICH den Kopf). Ich bin doch kein Idiot.

Das alle war nicht so gemeint. Ich habe gefragt, weil ich nicht weiß wie es in Deutschland geht, da es nicht mein Land ist. Ja, es stimmt, dass "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" und deswegen habe ich hier um Hilfe gebeten, denn ich habe ein Fehler gemacht und will keine "Straftat" begehen.

Ich werde am Montag zum Finanzamt fahren, um mich anzumelden. Die ganzen "ordungsgemäß gemeldeten und versicherten Profis" werden sich auf eventuellen Bußgelder freuen.


 

Kelly Neudorfer  Identity Verified
Germany
Local time: 08:02
German to English
Ruf das Finanzamt an. Jetzt. Apr 2, 2016

Wie andere schon geschrieben haben, bist DU in der Pflicht, deine Einnahmen beim Finanzamt zu melden.

"Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" - das ist nicht nur eine Volksweisheit, sondern es stimmt auch (mit wenigen Ausnahmen, die in deinem Fall ganz sicher nicht zutreffen, denn die Unwissenheit muss unvermeidbar sein - du aber kannst beim Finanzamt anrufen und dich schlau machen).

Meine Erfahrung ist auch, dass die Ansprechpartner sehr freundlich und hilfreich sind. Also - nicht länger zögern sondern anrufen und fragen, was zu tun ist!


 


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