Als Übersetzerin anfangen...
Thread poster: Erica!

Erica!
Germany
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Sep 17, 2017

Hallo,

ich heiße Erica und komme aus Italien, aber ich lebe in Frankfurt am Main.
Ich habe letztes Jahr mein Master-Studium (Konferenzdolmetschen und Übersetzung; ENG>ITA; DE>ITA; ITA>ENG) abgeschlossen und ich bin danach nach Deutschland gezogen, wo ich als freiberufliche Lehrerin arbeite.
Bisher konnte ich nicht wirklich als Übersetzerin oder Dolmetscherin arbeiten und ich brauche eigentlich Ratschläge.
Ich habe schon eine Menge Lebensläufe verschickt und habe fast nie eine Antwort bekommen. Ich habe nur ein paar Übersetzungsjobs im Internet gefunden. Anscheinend kann ich auch nicht als Fremdsprachensekretärin arbeiten.
Was könnte ich tun?
Ich möchte auch im Bereich Lokalisierung arbeiten, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wie man in so einen Bereich einsteigt.


 

Thayenga  Identity Verified
Germany
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Spezialisierung Sep 18, 2017

Hallo Erica,

zum einen kannst du dein Profil hier auf ProZ.com vervollständigen, vor allem aber deine Fachbereiche angeben. Auf welchen Gebieten willst du dich spezialisieren? Welche Dienste (Desktop Publishing, Übersetzungen, Medien, Werbung, Lokalisierung, etc.) genau willst du anbieten?

Wenn du als freiberufliche Übersetzerin arbeiten willst, bringt das Verschicken von Lebensläufen (fast) nichts. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht.

Bist du Mitglied in einem Berufsverband (z. B. BDÜ)? Hast du eine eigene Website? Wie sieht deine Präsenz im www. aus?

Du kannst versuchen, hier auf ProZ.com ein Angebot (bitte deine Arbeit nicht unter Preis "verkaufen") für ausgeschriebene Aufträge abzugeben. So habe ich meinen ersten Auftrag vor einigen Jahren gefunden.

Viel Erfolg!

Thayenga


 

Christina Baier  Identity Verified
Sweden
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French to German
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Hallo Erica, willkommen auf ProZ! Sep 18, 2017

Ich kann mich Thayenga nur anschließen, das Versenden von Lebensläufen bringt wahrscheinlich nichts, die Agenturen werden damit in der Regel überhäuft.

Ein paar Ideen, um an die ersten Aufträge zu kommen:

- Versetze dich in die Lage eines Kunden/ einer Agentur, die für einen bestimmten Text einen Übersetzer braucht. Wie und wo suchst du? Welche Profile erscheinen interessant? Warum?

- Für Agenturen und Direktkunden muss schnell klar sein, was du bietest, also dein Profil deutlicher machen: Welche Fachgebiete bietest du an? Finanzen? Medizin? Tourismus? Marketing? Mode? Gastronomie? Sport? ...

- Falls du noch keine hast, eine eigene Website anlegen

- Eventuell Messen oder Fachtagungen in deinen Fachgebieten oder Interessensgebieten besuchen und Visitenkarten an potenzielle Kunden verteilen

- Aktiv an KudoZ teilnehmen und möglichst viele Punkte sammeln

- Gute, seriöse Agenturen haben ihre Stammübersetzer, da ist es schwierig, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Was funktionieren kann: 2-3 Wochen vor Weihnachten oder vor der Urlaubszeit im Sommer ein paar ausgewählte Agenturen anschreiben (Mini-Lebenslauf, Fachgebiete, Leistungen, evtl. Preise, Kontaktdaten) mit der Info, dass du über Weihnachten für Übersetzungen zur Verfügung stehst und gerne vorher eine kurze unbezahlte Probeübersetzung machst. (Schau mal unter dem Reiter Education, da gibt es Tipps zum Lebenslauf/Anschreiben.)

- In der Weihnachtszeit schnell auf ausgeschriebene ProZ-Jobs antworten (und dann richtig gute Qualität liefern)

Es dauert mitunter sehr lange, bis man die ersten Aufträge erhält. Ich habe auf verschiedenen Übersetzer-Plattformen eine Weile zugeschaut (Traduguide, ProZ...), bis mir klar war, dass hier in meiner Sprachkombination der meiste "Betrieb" ist. Nachdem ich einige KudoZ-Punkte gesammelt hatte, haben sich irgendwann die Agenturen von selbst bei mir gemeldet.

Viel Glück!


 

Maria S. Loose, LL.M.  Identity Verified
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Warum kannst Du nicht als Fremdsprachensekretärin arbeiten? Sep 19, 2017

Wenn Du dringend Geld brauchst, sollte das möglich sein. Aber ja, ich weiß, in Deutschland braucht man immer ein ganz spezielles Diplom. In anderen Ländern ist der Arbeitsmarkt viel flexibler. Willst Du unbedingt in Deutschland bleiben?

Und es stimmt, dass man in der Urlaubs- und der Weihnachtszeit von allen möglichen Agenturen, die dann dringend Übersetzer suchen, angeschrieben wird.


[Edited at 2017-09-19 12:33 GMT]


 

Erica!
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Vielen Dank Sep 19, 2017

Ich danke euch für die sehr netten und hilfsreichen Ratschläge.
Ich werde sicher eure Ratschläge einsetzen!!

Ich habe auch versucht als Fremdsprachensekretärin zu arbeiten aber, wie gesagt, man braucht immer ein spezielles Diplom dafür.

Vielen Dank noch malicon_smile.gif


 

Regina Seelos  Identity Verified
Germany
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Als Konferenzdolmetscherin eher überqualifiziert für einen Job als Fremdsprachenkorrespondentin Sep 19, 2017

Hallo Erica,

wenn du Konferenzdolmetscherin bist, dann erfüllst du eigentlich auch die Anforderungen für einen Job als Fremdsprachenkorrespondentin. Aber du bist möglicherweise überqualifiziert und wirst deshalb nicht eingestellt, weil jeder denkt, dass du bei einem besseren Angebot weg bist.

Viele Grüße
Regina


 

Anna Kiefer
Germany
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Xing-Account Sep 26, 2017

Liebe Erica,

vielleicht hilft es, wenn Du Dich bei Xing anmeldest. Das ist ein deutsches Jobportal, so wie LinkedIn, nur für Deutschland. Du findest dort aktuelle Stellenangebote und auch Gruppen, die Auftraggeber und Auftragnehmer zusammenbringen.

Liebe Grüße und viel Erfolg!
Anna


 

Rolf Keller
Germany
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Blindbewerbungen funktionieren nur in sehr gioßer Anzahl Sep 30, 2017

Erica! wrote:

Ich habe schon eine Menge Lebensläufe verschickt und habe fast nie eine Antwort bekommen.


Was bedeutet "eine Menge" und von welcher Art waren die Adressaten? Direktkunden werden in der Regel weder Zeit noch Lust zum Antworten haben, falls du ihnen nicht etwas Besonderes bietest, was sie zufällig gerade dringend benötigen.

Von 500 Agenturkunden antworten vielleicht 5, wenn du nicht etwas Besonderes bietest. Weitere 5 antworten nach 2 Jahren, weil sie weder blutige Anfänger noch Eintagsfliegen wollen: Mit beiden haben sie schon genügend schlechte Erfahrungen. Also: Dieser Weg funktioniert nur bei großen Zahlen und Geduld.

Anderer Punkt: Was bedeutet "Lebenslauf" genau? Was du verschicken solltest, sind Bewerbungen/Angebote in der für Geschäftskorrespondenz üblichen Form. Nur das macht einen professionellen Eindruck. Einen Lebenslauf kann man als Anlage mitschicken, wobei man immer berücksichtigen sollte, was der Adressat wissen will und was nicht. Und was man tunlichst weglässt, weil es unprofessionell/schülerhaft wirkt oder den Adressaten befürchten lässt, es könne Probleme mit der langfristigen Verfügbarkeit geben. (Ich selbst vergebe keine Aufträge, bekomme aber gelegentlich Blindbewerbungen, weil ich im Branchenbuch stehe. Was ich da schon an gedankenlosem Geschreibsel erlebt habe, geht auf keine Kuhhaut.)

Und: Klar schreiben. Der Leser entscheidet in den ersten 20 Sekunden, ob er überhaupt weiter über den Inhalt nachdenken soll. Ein Satz wie z. B. dein "Anscheinend kann ich auch nicht als Fremdsprachensekretärin arbeiten." führt ziemlich sicher zum K.-o. (Leser denkt: "Was bedeutet das? Wenn die Übersetzungen später auch so sind ..."). Die Bewerbung eine Arbeitsprobe.

Ich möchte auch im Bereich Lokalisierung arbeiten.

Das wird schwierig, wenn du keine Erfahrungen bei dieser Textsorte vorweisen kannst. Zusätzlich brauchst du dafür auch Fachkenntnisse in der jeweiligen Branche.


 

Erica!
Germany
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TOPIC STARTER
Vielleicht war ich nicht so klar... Oct 2, 2017

Rolf Keller wrote:

Erica! wrote:

Ich habe schon eine Menge Lebensläufe verschickt und habe fast nie eine Antwort bekommen.


Was bedeutet "eine Menge" und von welcher Art waren die Adressaten? Direktkunden werden in der Regel weder Zeit noch Lust zum Antworten haben, falls du ihnen nicht etwas Besonderes bietest, was sie zufällig gerade dringend benötigen.

Von 500 Agenturkunden antworten vielleicht 5, wenn du nicht etwas Besonderes bietest. Weitere 5 antworten nach 2 Jahren, weil sie weder blutige Anfänger noch Eintagsfliegen wollen: Mit beiden haben sie schon genügend schlechte Erfahrungen. Also: Dieser Weg funktioniert nur bei großen Zahlen und Geduld.

Anderer Punkt: Was bedeutet "Lebenslauf" genau? Was du verschicken solltest, sind Bewerbungen/Angebote in der für Geschäftskorrespondenz üblichen Form. Nur das macht einen professionellen Eindruck. Einen Lebenslauf kann man als Anlage mitschicken, wobei man immer berücksichtigen sollte, was der Adressat wissen will und was nicht. Und was man tunlichst weglässt, weil es unprofessionell/schülerhaft wirkt oder den Adressaten befürchten lässt, es könne Probleme mit der langfristigen Verfügbarkeit geben. (Ich selbst vergebe keine Aufträge, bekomme aber gelegentlich Blindbewerbungen, weil ich im Branchenbuch stehe. Was ich da schon an gedankenlosem Geschreibsel erlebt habe, geht auf keine Kuhhaut.)

Und: Klar schreiben. Der Leser entscheidet in den ersten 20 Sekunden, ob er überhaupt weiter über den Inhalt nachdenken soll. Ein Satz wie z. B. dein "Anscheinend kann ich auch nicht als Fremdsprachensekretärin arbeiten." führt ziemlich sicher zum K.-o. (Leser denkt: "Was bedeutet das? Wenn die Übersetzungen später auch so sind ..."). Die Bewerbung eine Arbeitsprobe.

Ich möchte auch im Bereich Lokalisierung arbeiten.

Das wird schwierig, wenn du keine Erfahrungen bei dieser Textsorte vorweisen kannst. Zusätzlich brauchst du dafür auch Fachkenntnisse in der jeweiligen Branche.



Lebensläufe: Ich meinte, dass ich viele Lebensläufe an Übersetzungsbüros geschickt habe. Warum? Weil ich Erfahrungen sammeln möchte und noch was lernen. Wie könnte ich sonst das machen?
Da ich fast keine Erfahrung habe, kann ich auch nichts Besonderes anbieten.

Fremdsprachensekretärin: Mit diesem Satz meinte ich, dass ich schon versucht habe, so eine Tätigkeit auszuüben, aber mir wurde immer gesagt, dass ich in diesem Bereich keine Erfahrung habe. Deshalb haben Firmen immer meine Bewerbungen abgelehnt.

Lokalisierung: Ich weiß, was Sie meinen. Deshalb möchte ich etwas in diesem Bereich lernen, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich das tun könnte.


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 04:01
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Das englische "CV" passt nicht überall hin. Oct 3, 2017

Erica! wrote:

Lebensläufe: Ich meinte, dass ich viele Lebensläufe an Übersetzungsbüros geschickt habe. Warum? Weil ich ...

In erster Linie möchtest du doch sicher die Gelegenheit bekommen, als Übersetzerin Geld zu verdienen, oder? Du aber schreibst "Weil ich Erfahrungen sammeln möchte und noch was lernen". Du darfst mich gern für spitzfindig halten, aber viele Leute denken und schreiben präziser, auch viele deiner potenziellen Auftraggeber.icon_wink.gif

Was ich aber gefragt hatte ("Was bedeutet 'Lebenslauf' genau?"), hast du leider nicht beantwortet. Wenn mir jemand sagt, er habe Lebensläufe verschickt und wenn dieser jemand anscheinend nicht viel Erfahrung im Erwerbsleben hat, dann weiß ich nicht, was er wirklich meint.

In D ist es so: Entweder, du suchst eine Stellung als Arbeitnehmerin oder du suchst Aufträge als freiberufliche Übersetzerin. Im ersten Fall verschickst du eine Bewerbung mit beigefügtem formellen Lebenslauf, im zweiten Fall ein geschäftliches(!) Angebot ohne formellen Lebenslauf.

Und nun versetz dich mal in die Lage des Empfängers. Wenn du dich als freiberufliche Übersetzerin anbietest, muss er dich in seine Übersetzerkartei eintragen. Was dort nicht drinsteht, ist ja praktisch schon am nächsten Tag vergessen. Also musst du dem betreffenden Mitarbeiter genau und ausdrücklich mitteilen, was er dort eintragen soll, vor allem Sprachrichtungen, Sachgebiete, Preise und Verfügbarkeit. Nichts davon kann er dem Lebenslauf entnehmen, den man in deinem ProZ-Profil findet - also wirft er dein Angebot wahrscheinlich einfach weg, denn viel Zeit hat er für dich nicht. Wenn du deinen MA in dem Briefkopf schreibst (da gehört er hin!), ist der Lebenslauf völlig überflüssig und oft sogar kontraproduktiv. Also: Eine gute erste Seite formulieren, sie 99-mal ändern und verbessern und ohne den Lebenslauf verschicken. Die Rücklaufquote steigt, wenn du solche Empfänger wählst, die aktiv im Internet Übersetzer suchen.

Da ich fast keine Erfahrung habe, kann ich auch nichts Besonderes anbieten.

Na, irgendwas wirst du ja als Voll-Akademikerin wohl außer reinen Fremdsprachenkenntnissen über das hinaus bieten können, was Lieschen Müller kann?! Ggf. musst du eben etwas kreativ sein. Z. B. kann man aus einer 2-Wochenstunden-Vorlesung über das Thema X ein "Schon während des Studiums habe ich mich besonders für das Thema X interessiert" machen. Bedenke auch, dass viele Sprachstudenten während des Studiums mit dem Übersetzen Geld verdienen. Was die können, solltest du auch können.

Bei dir sieht man das Grundproblem der freiberuflichen Übersetzer: Sie lernen im Studium nicht genügend von dem, was sie in der Praxis eigentlich schon am ersten Tag brauchen. Nehmen wir als Gegenbeispiel einen Ingenieur. Der kann als Absolvent kein Auto konstruieren. Aber das muss er auch nicht können, weil man ihn das ohnehin nicht versuchen lässt. Man lässt ihn zunächst unter Aufsicht bei der Konstruktion eines linken Hinterrades helfen; und die, die dabei scheitern, landen bald woanders (z. B. in der Dokumentationsabteilung). Der Übersetzer muss aber gleich ins kalte Wasser springen.

(Ich persönlich frage mich immer, warum viele Übersetzer solche Zusammenhänge erst spät erkennen und nicht schon im Studium. Klar kann man mit der Idee "Irgendwas mit Sprachen, das hat mir schon in der Schule gefallen" ein Studium beginnen. Aber es gibt doch täglich Gespräche mit anderen Studenten, wo man etwas über die Arbeitswelt erfahren kann?!")

Fremdsprachensekretärin (...) mir wurde immer gesagt, dass ich in diesem Bereich keine Erfahrung habe. Deshalb haben Firmen immer meine Bewerbungen abgelehnt.

Es gibt viele Ablehnungsgründe, die ein Arbeitgeber niemals offen nennen würde. In deinem Fall wird er immer die mangelnde Erfahrung nennen, weil das für ihn am risikolosesten ist. Blind glauben darf man das keinesfalls.

Nur mal so gefragt: Du weißt, dass es für Geschäftsbriefe in D sogar eine DIN-Norm gibt? Die und alle einschlägigen Gepflogenheiten muss eine Fremdsprachensekretärin natürlich im Schlaf beherrschen. Da du die einschlägige Ausbildung nicht hast, musst du im Bewerbungsschreiben ausdrücklich darauf hinweisen, dass du das auch beherrschst. Must du halt zu Hause vorher lernen, dafür gibt es Literatur und Kurse.

Was die sicher nachteilige Überqualifizierung als Sekretärin angeht, wäre zu überlegen, ob du nicht besser nur deinen Bachelor angibst. "Ich habe den BA, anschließend habe ich noch etwas weiterstudiert, möchte nun aber doch gern in einem Büro arbeiten. Die fremdsprachliche Qualifikation ist dank des BA ja kein Problem."


 

Erica!
Germany
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TOPIC STARTER
Danke! Oct 4, 2017

Rolf Keller wrote:

Erica! wrote:

Lebensläufe: Ich meinte, dass ich viele Lebensläufe an Übersetzungsbüros geschickt habe. Warum? Weil ich ...

In erster Linie möchtest du doch sicher die Gelegenheit bekommen, als Übersetzerin Geld zu verdienen, oder? Du aber schreibst "Weil ich Erfahrungen sammeln möchte und noch was lernen". Du darfst mich gern für spitzfindig halten, aber viele Leute denken und schreiben präziser, auch viele deiner potenziellen Auftraggeber.icon_wink.gif

Was ich aber gefragt hatte ("Was bedeutet 'Lebenslauf' genau?"), hast du leider nicht beantwortet. Wenn mir jemand sagt, er habe Lebensläufe verschickt und wenn dieser jemand anscheinend nicht viel Erfahrung im Erwerbsleben hat, dann weiß ich nicht, was er wirklich meint.

In D ist es so: Entweder, du suchst eine Stellung als Arbeitnehmerin oder du suchst Aufträge als freiberufliche Übersetzerin. Im ersten Fall verschickst du eine Bewerbung mit beigefügtem formellen Lebenslauf, im zweiten Fall ein geschäftliches(!) Angebot ohne formellen Lebenslauf.

Und nun versetz dich mal in die Lage des Empfängers. Wenn du dich als freiberufliche Übersetzerin anbietest, muss er dich in seine Übersetzerkartei eintragen. Was dort nicht drinsteht, ist ja praktisch schon am nächsten Tag vergessen. Also musst du dem betreffenden Mitarbeiter genau und ausdrücklich mitteilen, was er dort eintragen soll, vor allem Sprachrichtungen, Sachgebiete, Preise und Verfügbarkeit. Nichts davon kann er dem Lebenslauf entnehmen, den man in deinem ProZ-Profil findet - also wirft er dein Angebot wahrscheinlich einfach weg, denn viel Zeit hat er für dich nicht. Wenn du deinen MA in dem Briefkopf schreibst (da gehört er hin!), ist der Lebenslauf völlig überflüssig und oft sogar kontraproduktiv. Also: Eine gute erste Seite formulieren, sie 99-mal ändern und verbessern und ohne den Lebenslauf verschicken. Die Rücklaufquote steigt, wenn du solche Empfänger wählst, die aktiv im Internet Übersetzer suchen.

Da ich fast keine Erfahrung habe, kann ich auch nichts Besonderes anbieten.

Na, irgendwas wirst du ja als Voll-Akademikerin wohl außer reinen Fremdsprachenkenntnissen über das hinaus bieten können, was Lieschen Müller kann?! Ggf. musst du eben etwas kreativ sein. Z. B. kann man aus einer 2-Wochenstunden-Vorlesung über das Thema X ein "Schon während des Studiums habe ich mich besonders für das Thema X interessiert" machen. Bedenke auch, dass viele Sprachstudenten während des Studiums mit dem Übersetzen Geld verdienen. Was die können, solltest du auch können.

Bei dir sieht man das Grundproblem der freiberuflichen Übersetzer: Sie lernen im Studium nicht genügend von dem, was sie in der Praxis eigentlich schon am ersten Tag brauchen. Nehmen wir als Gegenbeispiel einen Ingenieur. Der kann als Absolvent kein Auto konstruieren. Aber das muss er auch nicht können, weil man ihn das ohnehin nicht versuchen lässt. Man lässt ihn zunächst unter Aufsicht bei der Konstruktion eines linken Hinterrades helfen; und die, die dabei scheitern, landen bald woanders (z. B. in der Dokumentationsabteilung). Der Übersetzer muss aber gleich ins kalte Wasser springen.

(Ich persönlich frage mich immer, warum viele Übersetzer solche Zusammenhänge erst spät erkennen und nicht schon im Studium. Klar kann man mit der Idee "Irgendwas mit Sprachen, das hat mir schon in der Schule gefallen" ein Studium beginnen. Aber es gibt doch täglich Gespräche mit anderen Studenten, wo man etwas über die Arbeitswelt erfahren kann?!")

Fremdsprachensekretärin (...) mir wurde immer gesagt, dass ich in diesem Bereich keine Erfahrung habe. Deshalb haben Firmen immer meine Bewerbungen abgelehnt.

Es gibt viele Ablehnungsgründe, die ein Arbeitgeber niemals offen nennen würde. In deinem Fall wird er immer die mangelnde Erfahrung nennen, weil das für ihn am risikolosesten ist. Blind glauben darf man das keinesfalls.

Nur mal so gefragt: Du weißt, dass es für Geschäftsbriefe in D sogar eine DIN-Norm gibt? Die und alle einschlägigen Gepflogenheiten muss eine Fremdsprachensekretärin natürlich im Schlaf beherrschen. Da du die einschlägige Ausbildung nicht hast, musst du im Bewerbungsschreiben ausdrücklich darauf hinweisen, dass du das auch beherrschst. Must du halt zu Hause vorher lernen, dafür gibt es Literatur und Kurse.

Was die sicher nachteilige Überqualifizierung als Sekretärin angeht, wäre zu überlegen, ob du nicht besser nur deinen Bachelor angibst. "Ich habe den BA, anschließend habe ich noch etwas weiterstudiert, möchte nun aber doch gern in einem Büro arbeiten. Die fremdsprachliche Qualifikation ist dank des BA ja kein Problem."



Jetzt habe ich verstanden, was Sie schon mit dem ersten Post meinten.
Ich danke Ihnen für die Informationen über Lebensläufe und Bewerbungenicon_smile.gif


 

Blumen12
Switzerland
Übersetzerstudium Wien oder Graz Jan 1

Ich möchte gerne Übersetzungen/Dolmetscher studieren, schwanke zwischen Wien oder Graz. Was denkt ihr ist die bessere Möglichkeit? Ich habe bereits eine Ausbildung zur diplomierten Pflegefachfrau.

 

Rolf Keller
Germany
Local time: 04:01
English to German
Was ist "besser"? Jan 6

Blumen12 wrote:

Was denkt ihr ist die bessere Möglichkeit?


Wenn du versuchst, "besser" mal etwas genauer zu definieren, wirst du merken, dass das ein Gummi-Kriterium ist.

Ich habe in meinem Heimbüro ein Poster, auf dem fragt der Grafiker: "Is BEST really BETTER?" icon_wink.gif

Jedenfalls: Ob Wien oder Graz, das wird für deine Arbeitschancen im Berufsleben kaum relevant sein. Wo du am Ende die besseren Kenntnisse und Fähigkeiten haben wirst, das können wir hier nicht wissen: Das hängt stark von deiner Persönlichkeit ab bzw. davon, wie du und die jeweiligen Studienbedingungen zusammenpassen. Wo dir das Leben während des Studiums besser gefallen wird, können wir auch nicht wissen.


 


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