Suche nach direkten Kunden
Thread poster: Egmont Schröder

Egmont Schröder  Identity Verified
Germany
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Chinese to German
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May 9

Hallo zusammen,

ich bin jetzt schon seit 4 Jahren erfolgreich selbstständig, jedoch habe ich in dieser Zeit fast ausschließlich für Agenturen gearbeitet, und ich habe aber vor, mich in nächster Zeit nach direkten Kunden umzusehen.

Ein Grund dafür ist, dass ich auch in der Sprachrichtung Chinesisch - Deutsch arbeite, die Aufträge der Agenturen aber zu ca. 95 Prozent Englisch - Deutsch sind. Ich denke, ich müsste mich einfach mal direkt an die Firmen wenden, die in China und Taiwan tätig sind. Vielleicht sollte ich dabei erwähnen, dass ich es auf den deutschen Markt abgesehen habe.

Ich wollte nun erfahrene Übersetzer fragen, wie sie genau mit direkten Kunden arbeiten. Wie findet beispielsweise eine Qualitätssicherung statt? Auf Kunden- oder Übersetzerseite? Ich denke, ich sollte so etwas vorher genau festlegen. Müsste ich mich dann noch nach einem Editor in dieser Sprachrichtung umsehen?

Und wie sieht es mit der Haftung bei Übersetzerfehlern aus? Das ist besonders wichtig, da ich medizinische Fachtexte übersetze, bei denen ein Fehler fatal sein kann. Ich arbeite aktuell für amerkanische Kunden, von denen ich weiß, dass die Übersetzungen sehr genau überprüft werden, aber wie sieht es zum Beispiel bei einem kleineren Unternehmen aus? Kann ich verlangen, dass ein medizinischer Text zwei Mal Korrektur gelesen wird? Eine Haftpflichtversicherung für Übersetzer habe ich übrigens schon.

Habt ihr dann auch direkte Treffen mit dem Kunden, um sich beispielsweise die Geräte anzusehen, für die die Übersetzung angefertigt werden soll?

Vielen Dank für eure Vorschläge!


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 10:01
English to German
Es gibt im Übersetzermarkt keine Usancen May 10

Egmont Schröder wrote:

Ich wollte nun erfahrene Übersetzer fragen, wie sie genau mit direkten Kunden arbeiten. Wie findet beispielsweise eine Qualitätssicherung statt? Auf Kunden- oder Übersetzerseite?
(…)
Habt ihr dann auch direkte Treffen mit dem Kunden, um sich beispielsweise die Geräte anzusehen, für die die Übersetzung angefertigt werden soll?

Es gibt im Übersetzermarkt keine Usancen: Jeder macht, was er will, ganz gleich ob Übersetzer, Agentur oder Direktkunde. Und was Zertifizierungen und sonstige Versprechungen angeht: Papier ist geduldig.

Man muss sich ja nur mal Websites von irgendwelchen Herstellern oder Lieferanten ansehen, da findet man an jeder Ecke welche, die offensichtlich maschinell oder auf Hausfrauenniveau übersetzt worden sind – und das haben durchaus nicht immer Agenturen verbrochen. So viel zum Thema Qualitätssicherung durch Direktkunden.

Kann ich verlangen, dass ein medizinischer Text zwei Mal Korrektur gelesen wird?

Verlangen kannst du, was immer du willst. Aber du hast allerspätestens nach Ablieferung der Arbeit keinerlei Rechte mehr, das auch durchzusetzen. Dir bleiben das Recht auf Bezahlung und ggf. irgendwelche Urheberrechte. Abgesehen davon wäre eine solche Forderung das Papier nicht wert, wenn nicht festgelegt ist, wer dieses Korrekturlesen macht, welchen Aufwand er da reinsteckt und was er zusätzlich zum AT an Informationen bekommt. "Korrekturlesen" ist ja keine definierte Arbeit. Dasselbe gilt natürlich analog auch für Übersetzer(teams), die das versprechen und in Wahrheit allerhöchstens Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigieren lassen.


 

Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 11:01
Member (2003)
Finnish to German
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Viel Glück! May 10

Ich habe manchmal direkt für Firmen gearbeitet, und meistens lohnt es sich. Aktiv geworben habe ich allerdings nicht.
Bei Chinesisch-Deutsch würde es sich wohl um chinesische Hersteller von medizinischen Geräten handeln. Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass eine solche Firma direkt mit deutschen Übersetzern arbeiten wollte. In der Regel werden die Dokumente auf Englisch verfasst und die Sprachversionen vom Englischen aus erzeugt.
Jeder von uns wünscht sich, die Erzeugnisse, für die er übersetzt, kennen lernen zu können. Auch die Übersetzungsteorie geht davon aus. Aber das ist unrealistisch. Das einzige, was wir uns wünschen können, ist direkter Kontakt zum Autor der Dokumente, denn dieser kann erklären, was wir wissen müssen. Im Idealfall.
Der Übersetzer ist meistens der einzige, der die Dokumentation von technischen Geräten aufmerksam liest. Oft können wir den Hersteller auf Widersprüche und Fehler in den Dokumenten hinweisen.


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 10:01
English to German
Texte ohne Autor May 11

Heinrich Pesch wrote:

Das einzige, was wir uns wünschen können, ist direkter Kontakt zum Autor der Dokumente, denn dieser kann erklären, was wir wissen müssen.


Vorausgesetzt, es gibt überhaupt einen "richtigen" Autor des Gesamttextes.

Technische Produkte werden ja laufend geändert/verbessert. Da bekommt dann halt auch mal der Kollege X den Auftrag, den vor 3 Jahren von Kollegen Y geschriebenen Text anzupassen – es gibt 999 mögliche Gründe, warum es nicht der Kollege Y selbst macht.

Der Übersetzer ist meistens der einzige, der die Dokumentation von technischen Geräten aufmerksam liest.

Genau. Und das gilt auch für den o. g. Änderungsautor X. Der flickt womöglich lediglich ein paar neue Informationen rein und liest den großen Rest gar nicht. Und schon finden sich im neuen Text etliche inzwischen sinnlose Sätze oder Bezüge, und Konsistenz ist dann natürlich auch nicht mehr gegeben. Wenn man das über mehrere Gerätegenerationen hinweg macht, wird das Ergebnis mit jedem Schritt schlechter. Wer ist dann überhaupt der Autor des Gesamttexts?

(Zum Thema Konsistenz: Wer mal die -zig Variationen desselben Ausdrucks/Satzes gesehen hat, die sich in dem TMs/Glossare weltweit bekannter Autohersteller finden, der weiß, das selbst ein guter Übersetzer damit nichts Brauchbares mehr produzieren kann (und auch nicht will, wenn das nicht bezahlt wird und er die Anweisung hat, sich sklavisch nach diesen TMs/Glossaren zu richten ("weil die als ok bekannt sind" – hüstel, hüstel).


 

Egmont Schröder  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
Member (2013)
Chinese to German
+ ...
TOPIC STARTER
Vielleicht sollte ich mein Fachgebiet ändern May 12

Heinrich Pesch wrote:

Ich habe manchmal direkt für Firmen gearbeitet, und meistens lohnt es sich. Aktiv geworben habe ich allerdings nicht.
Bei Chinesisch-Deutsch würde es sich wohl um chinesische Hersteller von medizinischen Geräten handeln. Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass eine solche Firma direkt mit deutschen Übersetzern arbeiten wollte. In der Regel werden die Dokumente auf Englisch verfasst und die Sprachversionen vom Englischen aus erzeugt.
Jeder von uns wünscht sich, die Erzeugnisse, für die er übersetzt, kennen lernen zu können. Auch die Übersetzungsteorie geht davon aus. Aber das ist unrealistisch. Das einzige, was wir uns wünschen können, ist direkter Kontakt zum Autor der Dokumente, denn dieser kann erklären, was wir wissen müssen. Im Idealfall.
Der Übersetzer ist meistens der einzige, der die Dokumentation von technischen Geräten aufmerksam liest. Oft können wir den Hersteller auf Widersprüche und Fehler in den Dokumenten hinweisen.


Das habe ich allerdings auch schon festegestellt. In den letzten Jahren habe ich laufend an Projekten in der Sprachrichtung Englisch Deutsch gearbeitet, die sich auf Labor- und Krankenhausausstattung beziehen. Derartige Aufträge habe ich vielleicht ein oder zwei Mal auf Chinesisch erhalten, und da musste ich auch aus Zeitgründen ablehnen. Ich habe mich immer gefragt, woran das liegt.
Ich habe auch schon mit chinesischen Firmen zusammengearbeitet, möchte mich eher auf den deutschen und europäischen Markt konzentrieren, da die Arbeitsumstände und Bezahlungen doch sehr abweichen.

Chinesische Texte waren dann meist Vertragstexte, technische Dokumentationen und behördliche Texte. Das ist nicht mein primäres Interessengebiet, ich denke aber, ich kann mich darauf einstellen.

Rolf Keller wrote:

Verlangen kannst du, was immer du willst. Aber du hast allerspätestens nach Ablieferung der Arbeit keinerlei Rechte mehr, das auch durchzusetzen. Dir bleiben das Recht auf Bezahlung und ggf. irgendwelche Urheberrechte. Abgesehen davon wäre eine solche Forderung das Papier nicht wert, wenn nicht festgelegt ist, wer dieses Korrekturlesen macht, welchen Aufwand er da reinsteckt und was er zusätzlich zum AT an Informationen bekommt. "Korrekturlesen" ist ja keine definierte Arbeit. Dasselbe gilt natürlich analog auch für Übersetzer(teams), die das versprechen und in Wahrheit allerhöchstens Rechtschreib- und Grammatikfehler korrigieren lassen.


Wahrscheinlich hast du noch vergessen zu erwähnen, dass ich dafür aber für die Übersetzung 100 Prozent verantwortlich bin:)

Habt ihr schon einmal Erfahrung mit Rechtsstreit wegen einer falschen Übersetzung gemacht oder davon gehört? Wie wird so etwas genau ablaufen? Ich würde gerne wissen, wie ich solche Gefahren minimieren kann, bevor ich mir Endkunden suche.


 

Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 11:01
Member (2003)
Finnish to German
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Wie eine Agentur arbeiten? May 14

Eine Möglichkeit, Direktkunden zu bekommen, wäre, die Redaktion für mehrere Sprachen zu übernehmen. Ich erhalte ziemlich regelmäßig Aufträge über andere Übersetzer, die für eine Firma die Übersetzungen in mehrere Sprachen übernehmen und sich ein zuverlässiges Netz von Kollegen aufgebaut haben.

 

Egmont Schröder  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
Member (2013)
Chinese to German
+ ...
TOPIC STARTER
Das habe ich mir auch schon gedacht... May 19

Heinrich Pesch wrote:

Eine Möglichkeit, Direktkunden zu bekommen, wäre, die Redaktion für mehrere Sprachen zu übernehmen. Ich erhalte ziemlich regelmäßig Aufträge über andere Übersetzer, die für eine Firma die Übersetzungen in mehrere Sprachen übernehmen und sich ein zuverlässiges Netz von Kollegen aufgebaut haben.


… ich kenne aber keine Chinesisch-Übersetzer, die einigermaßen verlässlich sind, und habe auch nicht vor, es auf "die harte Weise" herauszufinden. Ich habe schon wirklich schreckliche Chinesisch-Deutsch-Übersetzungen gelesen...

Außerdem bin ich mir nicht über die rechtlichen Umstände im Klaren, die eine Beauftragung von anderen Übersetzern mit sich bringt. Kann man das irgendwo nachlesen?

Kennt jemand ein bestimmtes Vorgehen, wie man am besten an direkte Kunden kommt?
Meine Internetseite ist so gut wie fertig. Was dann? Kaltakquise? Kontaktaufnahme per E-Mail? Teilnahme an Messen oder ähnlichen Veranstaltungen? Wie habt ihr das so gemacht?


 

Kelly Neudorfer  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
German to English
Fortbildungen zu dem Thema May 19

Egmont Schröder wrote:

Außerdem bin ich mir nicht über die rechtlichen Umstände im Klaren, die eine Beauftragung von anderen Übersetzern mit sich bringt. Kann man das irgendwo nachlesen?


Hier ist Vorsicht geboten: Wenn du Übersetzungen beauftragst, die du gar nicht selbst anfertigen könntest, bist du für das Finanzamt ein Gewerbe und kein Freiberufler mehr. Da gibt es auch andere Kriterien, aber du sollst dich auf jeden Fall informieren, ehe du deine Arbeit in diese Richtung verschiebst.

Egmont Schröder wrote:

Kennt jemand ein bestimmtes Vorgehen, wie man am besten an direkte Kunden kommt?
Meine Internetseite ist so gut wie fertig. Was dann? Kaltakquise? Kontaktaufnahme per E-Mail? Teilnahme an Messen oder ähnlichen Veranstaltungen? Wie habt ihr das so gemacht?


Ich habe fast ausschließlich Direktkunden, die ich zum größten Teil über Mundpropaganda bekommen habe (sprich: am Anfang ein paar persönliche Kontakte, für die ich übersetzt habe, dann haben sie mich weiterempfohlen und der Ball kam ins Rollen). Ein paar habe ich auch über Ausschreibungen in meinem Spezialgebiet bekommen.

Der BDÜ bietet regelmäßig Fortbildungen zur Kundenakquise an - du könntest im Seminarprogramm schauen, ob etwas passt. Dort kannst du bestimmt gute Tipps bekommen.


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 10:01
English to German
Gewerbe? Richtig oder gar nicht, sonst drohen Probleme. May 20

Kelly Neudorfer wrote:

Hier ist Vorsicht geboten: Wenn du Übersetzungen beauftragst, die du gar nicht selbst anfertigen könntest, bist du für das Finanzamt ein Gewerbe und kein Freiberufler mehr.


Richtig. Aber Vorsicht mit dem Umkehrschluss: Das Anfertigenkönnen genügt nicht. Man muss die Übersetzung zumindest prüfen, sonst ist man kein Freiberufler; ein wesentliches Kriterium ist ja das tatsächliche Übernehmen der fachlichen Verantwortung.

Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass das Finanzamt oder die Gewerbeaufsicht es nicht merken kann, dass man etwas unbesehen einfach umgetütet hat.

Ein ganz anderer Problempunkt ist die juristische Pflicht zur Honorarzahlung. Man muss die Subunternehmer unter allen Bedingungen frist- und vertragsgerecht bezahlen können. Dafür muss genügend Kapital da sein, das für einige Monate in die Zukunft reicht.

Vor Jahren habe ich in so einem Fall mal einen wegen Betrugs vor den Strafrichter gebracht. Das war ein Bürschlein, arbeitsloser gelernter Sozialarbeiter ohne Übersetzerhintergrund, der hat großspurig ein Büro auf der Frankfurter Zeil gemietet und lustig Aufträge angenommen und weitervergeben, ohne zu wissen, ob er überhaupt die Honorare zahlen konnte. Der Richter hat ihm die Ausrede "Ich habe leider noch nicht genügend Geld von den Endkunden erhalten, das ist ja nicht meine Schuld" um die Ohren geschlagen.



[Bearbeitet am 2018-05-20 06:55 GMT]


 

Emal Ghamsharick  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
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Direktkunden May 20

Ich habe an der Hochschule Anhalt einen Master in Softwarelokalisierung gemacht und ca. 60% meiner Komilitonen waren Gaststudenten aus China. Die lernen gezielt Deutsch, um ins Deutsche übersetzen zu können. Die schreiben dann natürlich nicht so gut wie ein Muttersprachler, aber die Kunden sitzen in China, d.h. die Aufträge auch, und die sind selten in der Lage deutsche Honorarerwartungen zu erfüllen.
Die Komilitonen sagten mir auch, dass Produkttexte eigentlich gleich auf Englisch geschrieben werden, da alles für den Export ist. Chinesisch-Englisch ist vielleicht eine andere Nummer, aber m.E. ist jede Sprachkombination ohne Englisch nicht ausreichend um durchgehend ausgebucht zu sein.
Ein weiterer wichtiger Markt ist Dolmetschen & Übersetzen für Gerichte und Behörden (inkl. Notariate). Für seltenere Sprachkombis kommt man da nicht drum rum - und die Margen sind ganz gut verhandelbar, wenn auch die Auftragswerte kleiner sind.
Hast du nicht über die Agenturen potenzielle Direktkunden finden können? Theoretisch darfst du die Kunden direkt kontaktieren. Wettbewerbsverbote mit Subunternehmern sind i.d.R. nichtig, d.h. du darfst Kunden auch einfach abwerben, sofern du den rechtlichen Rahmen beachtest.
Auf Fachmessen usw. kommst du auch gut an chinesische Firmen.


 

Iris Kleinophorst  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
Chinese to German
+ ...
Meiner Meinung nach werden Chinesisch und Direktkunden überschätzt May 24

Hallo Egmont,

Emal Ghamsharick wrote:
Ich habe an der Hochschule Anhalt einen Master in Softwarelokalisierung gemacht und ca. 60% meiner Komilitonen waren Gaststudenten aus China. Die lernen gezielt Deutsch, um ins Deutsche übersetzen zu können. Die schreiben dann natürlich nicht so gut wie ein Muttersprachler, aber die Kunden sitzen in China, d.h. die Aufträge auch, und die sind selten in der Lage deutsche Honorarerwartungen zu erfüllen.
Die Komilitonen sagten mir auch, dass Produkttexte eigentlich gleich auf Englisch geschrieben werden, da alles für den Export ist. Chinesisch-Englisch ist vielleicht eine andere Nummer, aber m.E. ist jede Sprachkombination ohne Englisch nicht ausreichend um durchgehend ausgebucht zu sein.

Das kann ich nur bestätigen! Mein Anteil an Chinesischübersetzungen an meinem Gesamtumsatz sinkt zu meinem Leidwesen jährlich und beschränkt sich momentan nahezu ausschließlich auf Patentübersetzungen. Versuche, mich bei in China tätigen deutschen Unternehmen ins Gespräch zu bringen, werden meist mit: "Ach nein, das machen unsere Werksstudenten, und überhaupt geht bei uns alles über Englisch" abgebügelt. Chinesische Unternehmen, denen ich auf eine Anfrage ein Angebot erstelle, melden sich bei meinen Preisen oft gar nicht mehr zurück. Das gilt selbst für Unternehmen, die schon länger in Deutschland tätig sind, deutsche Preisverhältnisse also kennen sollten. Sobald ein Chinese über die Auftragsvergabe entscheiden muss, wird oft das gewohnte chinesische Preisniveau zugrunde gesetzt. Das ist mir gegenüber auch schon so geäußert worden.

Emal Ghamsharick wrote:
Ein weiterer wichtiger Markt ist Dolmetschen & Übersetzen für Gerichte und Behörden (inkl. Notariate). Für seltenere Sprachkombis kommt man da nicht drum rum - und die Margen sind ganz gut verhandelbar, wenn auch die Auftragswerte kleiner sind.

Ich habe den Eindruck, dass Chinesischdolmetscher eigentlich generell gesucht sind, auch in der Wirtschaft. Wenn einem also Dolmetschen liegt, kann das durchaus ein nützliches Standbein sein. Wenn man sich dann auch noch in einer Region ansiedelt, wo nicht so viele Kollegen sitzen (also außerhalb von Berlin oder München), hat man noch bessere Chancen auf Aufträge. Außerdem ist Netzwerken durchaus eine gute Idee. Wir hatten mal ein paar BDÜ-Chinesischübersetzer/-dolmetschertreffen, bei denen die Stimmung immer sehr professionell und kollegial war. Die sind allerdings aus organisatorischen Gründen eingeschlafen.

Emal Ghamsharick wrote:
Hast du nicht über die Agenturen potenzielle Direktkunden finden können? Theoretisch darfst du die Kunden direkt kontaktieren. Wettbewerbsverbote mit Subunternehmern sind i.d.R. nichtig, d.h. du darfst Kunden auch einfach abwerben, sofern du den rechtlichen Rahmen beachtest.
Auf Fachmessen usw. kommst du auch gut an chinesische Firmen.

Ich habe für mich inzwischen die Erfahrung gemacht, dass ich lieber für Agenturen als für Direktkunden arbeite. Ich habe eine Handvoll Direktkunden, die sich über persönliche Kontakte ergeben haben (allerdings nicht für Chinesisch, da hat sich in 12 Jahren Freiberuflichkeit nur einmal kurzfristig ein Direktkunde ergeben). Aber meine Direktkunden erfordern meistens ein höheres Maß an Betreuung bzw. einfach mehr Aufwand, weil sie sich weniger auskennen, mit dem was ich tue. Und haben ein Gespür dafür, Aufträge zu schicken, wenn es bei mir gerade überhaupt nicht passt, zum Beispiel am Vorabend des Familienurlaubs. Agenturen sind da flexibler, denen kann ich jederzeit absagen und auch mal 4 Wochen in Urlaub gehen, und wenn ich zurückkomme, kommt der nächste Auftrag. Und die Agenturen, für die ich arbeite, agieren professioneller, so dass ich weniger Aufwand habe, und zahlen mir Preise, die Stundensätze ergeben, an die ich bei meinen Direktkunden auf die komplette Projekterledigung gerechnet selten rankomme.

Du darfst im Übrigen in den Sprachen, die Du nachweislich selbst kannst, durchaus ohne Gewerbeanmeldung Aufträge als Lektor/PM weitervergeben, solange Du dabei einen gewissen Umsatzanteil nicht überschreitest. Das kann man recherchieren, denke ich. Aber natürlich müssen die Kollegen dann auch unabhängig vom Zahlungseingang des Kunden fristgerecht bezahlt werden, da hat Rolf Keller ganz recht.

Vielleicht hilft das weiter?
Grüße
Iris

[Edited at 2018-05-24 10:04 GMT]


 

Egmont Schröder  Identity Verified
Germany
Local time: 10:01
Member (2013)
Chinese to German
+ ...
TOPIC STARTER
Vielen Dank für die interessanten Antworten! Jun 8

Und ich muss mich für die verspätete Antwort entschuldigen. Ich hatte einfach viel um die Ohren.

Besonders gut fand ich, was Iris geschrieben hat. Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht: Die Sprachrichtung Chinesisch-Deutsch wird sehr überschätzt. Wenn ich von meinem Broterwerb erzähle, kommt immer die Annahme, dass ich an chinesischen Übersetzungen untergehe, das ist aber ganz und gar nicht der Fall.

Wie ich schon erwähnte, möchte ich ungern für chinesische Firmen arbeiten. Ich habe keine sehr guten Erfahrungen gemacht. Meist orientieren sie sich bei den Gehaltsvorstellungen an den Lebensstandard in China, und das einzige Mal, als ich einen chinesischen Kunden hatte, haben sich seine Vorstellungen über die Arbeitszeitenplanung nicht mit meinen gedeckt, um es vorsichtig auszudrücken. Ich sollte bei den Übersetzungen immer einen wahnsinnigen Output bringen, die Qualität war aber eher egal.

BDÜ ist ein guter Ansatz, dem werde ich mal nachgehen. Ich wollte schon länger beitreten.

Aktuell bin ich wieder mit englischen Projekten eingedeckt, fürchte aber, dass das aufgrund von DeepL nicht mehr lange so sein wird. Ich habe schon mal gedolmetscht und es eigentlich auch gemocht, der Stress ist aber enorm, und ich bin mir bei vielen Ausdrücken einfach auch nicht sicher. Aber ich denke, dass das eine Richtung ist, die ich ausbauen sollte, um meine Chinesischkenntnisse noch anwenden zu können. Das Problem ist, dass Dolmetscher in Bereichen gebraucht werden, die nicht mein Spezialgebiet sind und mich auch nicht sonderlich interessieren (Jura, Wirtschaft, ...). Ich denke, ich könnte mich in einige Wirtschaftsthemen einarbeiten, aber sollte ich es nicht als Sprachdienstleister vermeiden, mich auf zu vielen Gebieten zu spezialisieren?


 


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