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Neue Selbständigkeit: Ist man als Dolmetscher in Deutschland auf ein Fahrzeug angewiesen?
Thread poster: gracieli
Aug 6

Liebe Kollegen,
ich bin seit vielen Jahren vereidigte Dolmetscherin und Übersetzerin in Deutschland, meine Haupttätigkeit lag aber bei meiner kleinen Werbeservice Firma. Nach einem Arbeitsunfall im Oktober 2017 kann ich diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. Ich habe noch oft starke Schmerzen, will aber (und muss) unbedingt mein Berufsleben wieder auf die Reihe bekommen. Dolmetschen und Übersetzen (Hauptbereiche Urkunden, Recht und Werbung) liegt jetzt bei mir an erster Stelle und ich fr
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Liebe Kollegen,
ich bin seit vielen Jahren vereidigte Dolmetscherin und Übersetzerin in Deutschland, meine Haupttätigkeit lag aber bei meiner kleinen Werbeservice Firma. Nach einem Arbeitsunfall im Oktober 2017 kann ich diese Tätigkeit nicht mehr ausüben. Ich habe noch oft starke Schmerzen, will aber (und muss) unbedingt mein Berufsleben wieder auf die Reihe bekommen. Dolmetschen und Übersetzen (Hauptbereiche Urkunden, Recht und Werbung) liegt jetzt bei mir an erster Stelle und ich freue mich auch sehr darauf.
Die Berufsgenossenschaft unterstützt mich bei diesem Schritt, da es (wie gesagt) ein Arbeitsunfall war. Da meine Situation (von selbständig auf selbständig, andere Branche) einzigartig ist, soll ich ein Businessplan mit Hilfe einer (von der BG engagierten Firma) erstellen. Bei der Aufzählung der -für mich- unabdingbaren Kosten wurden mehrere Programme (Trados, Passolo und die entsprechenden Seminare sowie die Notwendigkeit eines Fahrzeugs aufgezählt. Dazu muss ich erwähnen, dass ich mit meiner Familie (Vater 87, schwer behinderter Ehemann und 13-jähriger Sohn) im tiefsten Westerwald wohne, ohne Bus- oder Zuganbindung. Zwar haben wir ein altes Privatauto, das kann ich aber unmöglich für mehrere Stunden oder sogar Tage nutzen, da sonst meine Familie total abgeschnitten ist, mein Sohn nicht zur Schule, mein Vater und mein Mann nicht zum Arzt (bzw. einkaufen) fahren können. Die Rehabilitationsfirma behauptet aber, dass man als Übersetzer und Dolmetscher (!) gar kein Fahrzeug braucht und dass die Programme von Trados zu teuer wären. Ich sehe das ganz anders: Ohne diese beiden Werkzeuge bin ich als Sprachmittler gar nicht konkurrenzfähig. Ich würde gern eure Meinung dazu hören (lesen) und bedanke mich schon im Voraus für eure Hilfe.

Einen schönen August für alle und herzliche Grüße

Graciela Kravanja
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Ist der Unterschied Dolmetscher/Übersetzer der Fírma vielleicht nicht bekannt? Aug 6

Möglicherweise kennt die Rehabilitationsfirma den Unterschied zwischen Dolmetscher und Übersetzer gar nicht. Mein Finanzamt beispielsweise kennt den Unterschied auch nicht, dort bin ich "Dolmetscher", obwohl ich "Übersetzer" angegeben habe.

 
mit Kay-Viktor Stegemann Aug 6

Da könnte mein Kollege recht haben. In meinem Umfeld erlebe ich es oft, dass die Leute überhaupt nicht wissen, dass ein Dolmetscher etwas anderes macht als ein Übersetzer!! Du solltest unbedingt erläutern, dass ein Dolmetscher zum Kunden fahren muss und dafür ein Fortbewegungsmittel braucht! Und ein Übersetzer ohne ein CAT-Tool ist tatsächlich kaum konkurrenzfähig. Da gebe ich dir absolut recht!
Ich wünsche dir viel Glück!!!


 
Man braucht beides nicht. Aug 6

Ob du es brauchst, ist eine andere Geschichte. Aber im allgemeinen braucht man kein Auto, um als Dolmetscher zu arbeiten. Und man braucht keinen Trados, um als Übersetzer zu arbeiten.
Ich habe beides nicht und arbeite seit Jahren erfolgreich.


writeaway
Uliana88
 
Klare Antwort: Es hängt davon ab Aug 6

Auto:
Als Übersetzer arbeitet man fast immer im Heimbüro, braucht also kein Auto.

Als Dolmetscher arbeitet man fast immer beim Kunden. Ob man dafür ein eigenes Auto braucht, hängt stark von den Umständen ab. Ganz ohne Auto geht es nicht, wenn man "in der Pampa" wohnt, aber das Auto kann auch ein Taxi oder ein Mietwagen (mit oder ohne Fahrer) sein. Bei langen Strecken kommt die Eisenbahn in Betracht; so fährt man vom Westerwald wahrscheinlich irgendwie nach
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Auto:
Als Übersetzer arbeitet man fast immer im Heimbüro, braucht also kein Auto.

Als Dolmetscher arbeitet man fast immer beim Kunden. Ob man dafür ein eigenes Auto braucht, hängt stark von den Umständen ab. Ganz ohne Auto geht es nicht, wenn man "in der Pampa" wohnt, aber das Auto kann auch ein Taxi oder ein Mietwagen (mit oder ohne Fahrer) sein. Bei langen Strecken kommt die Eisenbahn in Betracht; so fährt man vom Westerwald wahrscheinlich irgendwie nach Koblenz oder Bonn und steigt dort in einen ICE nach Hamburg oder München. Bei kurzen Strecken kommt es sehr auf die genauen Umstände an; oft (aber nicht immer!) ist da nur das eigene Auto schnell genug.

Aber es gibt natürlich auch Telefon- und Video-Dolmetscher.

Trados etc.:
Dolmetscher können damit nichts anfangen.

Bei Übersetzern hängt es sehr stark vom Kunden und von der Art der Texte ab. Allerdings sind viele Kunden nicht besonders kompetent und meinen, unbedingt alles und jedes per Translation Memory übersetzen lassen zu müssen. Was das erwähnte Passolo angeht, das ist ein Tool zur Softwarelokalisierung, passt also nicht zu dem, was du als deine Arbeitsgebiete genannt hast. Und die Kosten? Trados Studio kostet, um mal eine Hausnummer zu nennen, circa 1 Euro pro Tag, wenn man es 3 Jahre lang nutzt.

Business-Plan:
Hm. Da müsste man abschätzen können, wieviele Aufträge welcher Art man bekommt. Mit Übersetzern ist es wie bei vielen anderen Freiberuflern: Die einen verdienen gut, die anderen hungern. Ob man das vorher wissen kann?
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gracieli
TOPIC STARTER
Interessant... Aug 6

Hallo Erika,
vielen Dank für deine Antwort. Mich würde interessieren wie du übersetzt. Einfach in Word? Wie viel Zeit brauchst du für eine Seite ( ca. 250 Wörter) eines Kaufvertrages zum Beispiel? Hast du ein Glossar Tool oder Ähnliches? Und ich hätte noch ein paar Fragen: wohnst du auch auf dem Land? Wie kommst du zu deinen Kunden zum Dolmetschen ohne Fahrzeug? Als Letztes: Haupt oder Nebenberuflich? Im Businessplan ist das Ziel ein Jahresumsatz von 55.000 bis 65.000 Euro. Ist das
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Hallo Erika,
vielen Dank für deine Antwort. Mich würde interessieren wie du übersetzt. Einfach in Word? Wie viel Zeit brauchst du für eine Seite ( ca. 250 Wörter) eines Kaufvertrages zum Beispiel? Hast du ein Glossar Tool oder Ähnliches? Und ich hätte noch ein paar Fragen: wohnst du auch auf dem Land? Wie kommst du zu deinen Kunden zum Dolmetschen ohne Fahrzeug? Als Letztes: Haupt oder Nebenberuflich? Im Businessplan ist das Ziel ein Jahresumsatz von 55.000 bis 65.000 Euro. Ist das bei dir der Fall?
Vielen Dank im Voraus für deine Antwort.
Herzliche Grüße
Graciela
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Antwort Aug 8

gracieli wrote:

Hallo Erika,
vielen Dank für deine Antwort. Mich würde interessieren wie du übersetzt. Einfach in Word? Wie viel Zeit brauchst du für eine Seite ( ca. 250 Wörter) eines Kaufvertrages zum Beispiel? Hast du ein Glossar Tool oder Ähnliches? Und ich hätte noch ein paar Fragen: wohnst du auch auf dem Land? Wie kommst du zu deinen Kunden zum Dolmetschen ohne Fahrzeug? Als Letztes: Haupt oder Nebenberuflich? Im Businessplan ist das Ziel ein Jahresumsatz von 55.000 bis 65.000 Euro. Ist das bei dir der Fall?
Vielen Dank im Voraus für deine Antwort.
Herzliche Grüße
Graciela


Graciela,
ich bin in erster Linie Konferenzdolmetscherin. Ich fahre mit dem Zug, oder fliege. Wenn mein Einsatz in einem Kaff liegt, nehme ich ein Taxi. Fast alle Kollegen tun so. Kaum ein Kunde würde Autokosten auf langen Strecken bezahlen. Als Geschäftsadresse haben wir alle eine Großstadt (selbst wenn jemand auf dem Dorf wohnt). Wenn ich als Dolmetscherin aktiv arbeiten möchte, sollte man nicht auf dem Land wohnen.
Meine Übersetzungen mache ich Word, Excel oder Powerpoint. Kein Glossartool.
Ich arbeite hauptberuflich, und mein Umsatz ist höher als von dir angegeben.


 
absolut legitim Aug 8

Ich finde es absolut legitim, in dem Fall, den du beschreibst, ein Auto zu brauchen und Trados zu benutzen.

Was Trados angeht, so finde ich es ziemlich frech vom Amt zu behaupten, dass es zuviel kostet. Andere Branchen zahlen wesentlich mehr für ihre Arbeitswerkzeuge oder Software.


Ich würde denen einfach eine Handvoll ProZ-Jobangebote ausdrucken, in denen ausdrücklich Trados verlangt wird. Dann sollte da ganz schnell Ruhe sein.


 


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