Ist jemand hier als Freiberufler in DE mitsamt Kunden in ein anderes Land der EU gezogen?
Thread poster: Anne Koth

Anne Koth  Identity Verified
Germany
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Dec 20, 2019

Als Vorteil der Tätigkeit als freiberuflicher Übersetzer wird ja immer gepriesen, dass man sein Beruf überall ausführen kann. Nun überlege ich seit einiger Zeit, meine Französischkenntnisse aufzufrischen, in dem ich ein (ganzes) Auslandsjahr in Frankreich mache - meine Kinder sind groß, die Scheidung und die Einbürgerung habe ich hinter mir, nichts steht mehr im Weg Meine Wohnung in Deutschland würde ich in der Zeit unter... See more
Als Vorteil der Tätigkeit als freiberuflicher Übersetzer wird ja immer gepriesen, dass man sein Beruf überall ausführen kann. Nun überlege ich seit einiger Zeit, meine Französischkenntnisse aufzufrischen, in dem ich ein (ganzes) Auslandsjahr in Frankreich mache - meine Kinder sind groß, die Scheidung und die Einbürgerung habe ich hinter mir, nichts steht mehr im Weg Meine Wohnung in Deutschland würde ich in der Zeit untervermieten.

Ich lasse mich fachlich beraten, muss aber bis Mitte Januar auf die ersten Termine warten und frage also nun unter Kollegen, ob jemand schon was Ähnliches gemacht hat? Kann man seine Kunden einfach mitnehmen, wie sieht das steuerlich aus? Ich würde mich in Deutschland ja abmelden. Aus dem Internet werde ich nicht schlau, die Informationen widersprechen sich.
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Uta Schulz  Identity Verified
Portugal
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Kein Problem Dec 20, 2019

Hallo Anne,

ich bin mit samt meinen Kunden nach Portugal gezogen. Allerdings habe ich mich bereits über ein Jahr lang dort aufgehalten, bevor ich mich offiziell in Portugal angemeldet und dort beim Finanzamt eine freiberufliche Tätigkeit angemeldet habe. Erst danach habe ich mich in DE bei Finanzamt, EWA und KK abgemeldet. Diese Ummelderei ist ja mit Aufwand verbunden, deshalb wollte ich erst sicher sein, bevor ich mir die Arbeit mache.
Niemand will wissen, wo du dich tats
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Hallo Anne,

ich bin mit samt meinen Kunden nach Portugal gezogen. Allerdings habe ich mich bereits über ein Jahr lang dort aufgehalten, bevor ich mich offiziell in Portugal angemeldet und dort beim Finanzamt eine freiberufliche Tätigkeit angemeldet habe. Erst danach habe ich mich in DE bei Finanzamt, EWA und KK abgemeldet. Diese Ummelderei ist ja mit Aufwand verbunden, deshalb wollte ich erst sicher sein, bevor ich mir die Arbeit mache.
Niemand will wissen, wo du dich tatsächlich aufhältst, das Nomadentum heutiger EU-Freiberufler passt nämlich nicht ins System, deshalb ist jeder Bearbeiter dankbar für eine eindeutige Sachlage, auch wenn die nicht den Fakten entspricht. Es gibt zwar diese 183-Tage-Regel, nach der man dort Steuern zahlen muss, wo man sich länger als 183 Tage aufgehalten hat, was jedoch schwerer wiegt, ist der sogenannte Lebensmittelpunkt (wenn man sich beispielsweise zwischen drei Ländern entscheiden muss, in denen man etwa gleich viele Tage verbracht hat), oder wenn man wie du nur mal vorübergehend etwas anderes will.

Nun, für nur ein Jahr alles umzumelden, wäre mir nichts. Aber wenn das dein Wunsch ist, solltest du zuerst genau wissen, wie das mit der freiberuflichen Tätigkeit und der Sozialversicherung in Frankreich ist. Was genau brauchst du, um dich anzumelden? Frag da am besten EU-Expats in Frankreich, die das kürzlich noch gemacht haben und den Papierkram kennen. Erst anmelden und zum Laufen bringen, dann in DE abmelden!

Wenn du nun alles umgemeldet hast und deine Tätigkeit in DE nicht mehr besteht, musst du natürlich auch Rechnungen mit neuer Adresse und Ust.ID ausschreiben und deine Kunden darauf aufmerksam machen, sodass diese das in ihrem System ändern.

Aber wie gesagt, es gibt für einen vorübergehenden Auslandsaufenthalt im Normalfall keinen zwingenden Grund, die Tätigkeit zu verlegen. Wenn du deine KK in Anspruch nehmen musst, dann bist du eben gerade im Urlaub.
Viel Erfolg!
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Erik Hansson
 

Anne Koth  Identity Verified
Germany
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Abmelden Dec 20, 2019

Danke, Uta, ja, sowas habe ich mir auch überlegt, oder mehrere kürzere Aufenthalte, allerdings habe ich gehört, dass die Krankenversicherung etwa 500 EUR weniger im Monat kosten würde in Frankreich, sodass es sich finanziell lohnen könnte, mich richtig abzumelden und in der Zeit bei meiner deutschen KV zu kündigen. Deshalb schaue ich auch nach dieser Variante

Meine Kunden kommunizieren mit mir nur per E-Mail, ic
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Danke, Uta, ja, sowas habe ich mir auch überlegt, oder mehrere kürzere Aufenthalte, allerdings habe ich gehört, dass die Krankenversicherung etwa 500 EUR weniger im Monat kosten würde in Frankreich, sodass es sich finanziell lohnen könnte, mich richtig abzumelden und in der Zeit bei meiner deutschen KV zu kündigen. Deshalb schaue ich auch nach dieser Variante

Meine Kunden kommunizieren mit mir nur per E-Mail, ich mache z.B. keine Urkundenübersetzungen. Aber genau, das sind die Überlegungen, an die ich jetzt denken muss, ich bin erst am Anfang.
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Iris Schmerda  Identity Verified
France
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Krankenversicherung Dec 20, 2019

Hallo Anne,

wenn du dich bei der gesetzlichen Krankenversicherung in Frankreich anmelden möchtest, solltest du dich so schnell wie möglich darum kümmern, da das richtig lange dauern kann. Als ich vor zwölf Jahren nach Frankreich kam, hat es ca. sechs Monate gedauert, und ich kannte eine Holländerin, bei der es zwei Jahre gedauert hat. In dieser Zeit war ich nicht krankenversichert und musste alle Arztkosten etc. selbst vorstrecken (Sozialabgaben etc. bezahlte ich natürlich tro
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Hallo Anne,

wenn du dich bei der gesetzlichen Krankenversicherung in Frankreich anmelden möchtest, solltest du dich so schnell wie möglich darum kümmern, da das richtig lange dauern kann. Als ich vor zwölf Jahren nach Frankreich kam, hat es ca. sechs Monate gedauert, und ich kannte eine Holländerin, bei der es zwei Jahre gedauert hat. In dieser Zeit war ich nicht krankenversichert und musste alle Arztkosten etc. selbst vorstrecken (Sozialabgaben etc. bezahlte ich natürlich trotzdem). Dir ist vielleicht auch bekannt, dass die gesetzliche Kasse in Frankreich nie die ganzen Kosten übernimmt, allerhöchstens aber 70 %. Deshalb haben auch die meisten hier eine Zusatzversicherung. In meiner sechsmonatigen Wartezeit auf die gesetzliche Versicherung konnte ich allerdings keine Zusatzversicherung abschließen, da es noch keine Sozialversicherungsnummer von der gesetzlichen Versicherung gab ... Wenn mir in den sechs Monaten etwas "Teures" passiert wäre, würde ich wahrscheinlich heute noch an den Schulden abzahlen.
Außerdem frage ich mich gerade, ob es nach deiner Rückkehr nach Deutschland überhaupt so einfach möglich wäre, dich wieder bei einer Krankenversicherung anzumelden? Ob die dann nicht die Nachzahlung der "fehlenden" Beiträge verlangen würde? Da würde ich ganz genau nachfragen.

Schöne Grüße aus Frankreich
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Rolf Keller
Germany
Local time: 11:04
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Vorsicht mit Zeitmietvertrag Dec 20, 2019

Anne Koth wrote:

Meine Wohnung in Deutschland würde ich in der Zeit untervermieten.

Vorsicht, solche Verträge können Fallen sein. Der Grund muss unbedingt schriftlich in den Vertrag aufgenommen werden. Siehe § 575 und § 540 (2) BGB.

Aber auch bei rechtlich fehlerfreiem Vertrag kann es ja passieren, dass der Mieter am Ende nicht ausziehen will oder kann; wenn er dann noch Räumungsschutz beantragt, kann das übel enden.


 

Uta Schulz  Identity Verified
Portugal
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Anwartschaft kostet auch Dec 21, 2019

Anne Koth wrote:

die Krankenversicherung etwa 500 EUR weniger im Monat kosten würde in Frankreich, sodass es sich finanziell lohnen könnte, mich richtig abzumelden und in der Zeit bei meiner deutschen KV zu kündigen


Wenn du später wieder in deine KK zurück willst, musst du eine Anwartschaft abschließen, dieser Betrag ist in der Regel nicht vernachlässigbar klein. Aber lohnt sich, da man sonst zu einem deutlich höheren Satz wieder neu in die Versicherung einsteigt. Und den Luxus des deutschen Gesundheitssystems gibt es, wie Iris schon deutlich gemacht hat, lang nicht überall. In Portugal zahlt man derzeit 21% seines Einkommens für Sozialversicherungen, da ist KK schon mit drin. Allerdings kannst du damit kostenlos "nur" zum Hausarzt und ins Krankenhaus gehen, auf Facharzttermine wartet man ewig, sodass man dann lieber privat bezahlt, auch die Medikamente, bspw. Gynäkologe. Zahnarzt ist überhaupt nicht in der gesetzlichen KK abgedeckt, d. h. Zusatzversicherung oder privat bezahlen (meist das billigste).


 

Anne Koth  Identity Verified
Germany
Local time: 11:04
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TOPIC STARTER
Danke Dec 22, 2019

Danke sehr, das sind nützliche Tipps, die ich durch Internetrecherchen schlecht herausgefunden hätte. Da muss ich mir überlegen, wie ich kürzere Aufenthalte am besten organisieren könnte. Deutschland ist wohl (noch) nicht auf digitale Nomaden eingestellt.

 

Diana Kaplan  Identity Verified
Germany
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Sorry, noch eine Frage zu... Dec 22, 2019

Belgien.
Wenn man als freie Übersetzerin umzieht, muss man in Deutschland alles abmelden und in Belgien neu anmelden?
Wo könnte man sich gut darüber informieren?
Vor allem auch über die dortige Krankenversicherung.
Ich danke allen, die eine Idee haben.

Diana


 

Rolf Keller
Germany
Local time: 11:04
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Google weiß alles ... Dec 23, 2019

Diana Kaplan wrote:

Wo könnte man sich gut darüber informieren?
Vor allem auch über die dortige Krankenversicherung.

... Google auswandern + belgien ist ein guter Ausgangspunkt.

Man muss nur prüfen, welche Quellen wirklich korrekte und vollständige Angaben machen. Aber das kann man als recherchegeübter Übersetzer ja. Manche/r gibt leider lediglich Informationen zu seiner persönlichen Situation, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass er da manches weglässt und maches zu sehr verallgemeinert.

Google auswandern + belgien liefert z. B. dies : https://auswandern-info.com/belgien
und dies: https://www.auswandererforum.de/forums/33-auswandern-belgien


 

dkfmmuc  Identity Verified
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+ ...
Bitte genau unterscheiden und nachrechnen Dec 23, 2019

Anne Koth wrote:

Danke, Uta, ja, sowas habe ich mir auch überlegt, oder mehrere kürzere Aufenthalte, allerdings habe ich gehört, dass die Krankenversicherung etwa 500 EUR weniger im Monat kosten würde in Frankreich, sodass es sich finanziell lohnen könnte, mich richtig abzumelden und in der Zeit bei meiner deutschen KV zu kündigen. Deshalb schaue ich auch nach dieser Variante

Meine Kunden kommunizieren mit mir nur per E-Mail, ich mache z.B. keine Urkundenübersetzungen. Aber genau, das sind die Überlegungen, an die ich jetzt denken muss, ich bin erst am Anfang.


Hallo Anne,

erst einmal vielen Dank für den interessanten Beitragsbaum. Bevor Du diese wichtige Entscheidung der Verlegung des Lebensmittelpunktes triffst, würde ich an Deiner Stelle bitte noch einmal gründlich nachrechnen.

Das Krankenversicherungsrecht/Krankenversicherungsunrecht in Deutschland ist extrem kompliziert. [Auf die politische Dimension möchte ich jetzt nicht eingehen, ob denn starke Schultern wirklich mehr tragen.... ]

Du müsstest die folgenden beiden Systeme unterscheiden:

1.) Private Krankenversicherung (wesentlich für die Beitragsbemessung ist hier Lebensalter)
2.) So genannte freiwillige Krankenversicherung / gesetzliche Krankenversicherung: Hier wird Dein Monatseinkommen mit einem Prozentsatz multipliziert und mit dem monatlichen Höchst- und Mindestbeitrag abgeglichen.
Krankenversicherung pro Monat eigentlich ca. 14,X %
(Minimum ca. 15X,00 plus 3X,00 Pflegeversicherung) -> also minimal so um die 190 Euro im Monat,
Maximalwert: Ca. 68X,00 Euro plus 15X,00 Euro Pflegeversicherung -> also 8XX,00 Euro).


Wenn Du also in Frankreich wirklich 500 Euro pro Monat sparen willst, dann müsstest Du schon sehr sehr weit am Maximalbeitrag sein. Solltest Du nicht die dafür vorgesehenen Umsätze von knapp unter 4.600 Euro Monatsumsatz haben, liegt wahrscheinlich irgendein Rechen- oder Interpretationsfehler von Dir oder Deinem Steuerberater vor.

Die "X" habe ich deshalb eingesetzt, weil fast jede Krankenversicherung ein bisschen anders rechnet und ich durch diese Details nicht verwirren wollte.

Natürlich ist mehr oder weniger Geld haben nicht alles, aber vor Deiner Entscheidung solltest Du die richtigen Zahlen kennen.

Wende Dich am besten direkt an die Krankenversicherung und deren Angestellte! Mehrversicherungsmakler könnten unter Umständen auch Provisionsinteressen im Auge haben.

Die halbe oder ganze Beratungsstunde sollte sich lohnen.

Ich habe auch schon darüber nachgedacht das Wohnsitzland zu wechseln, hier wären aber andere Motive ausschlaggebend.

Beim System der "freiwilligen gesetzlichen" Krankenversicherung in D solltest Du nicht vergessen, dass Kapitalerträge zur Beitragsbemessung mit herangezogen werden.

Ich hoffe das hilft schon ein bisschen weiter.

Aber 500 Euro pro Monat Differenz: Kann ich mir nicht vorstellen.

Denn: Die Gesundheitskosten pro Versichertem in Frankreich scheinen weit weniger als 20 % von Deutschland abzuweichen. Also kann es rechnerisch wohl keinen Monatsunterschied von 500 Euro geben.

Also bitte ganz genau nachrechnen.

Bei ähnlicher Steuer- und Abgabenbelastung würde ich ganz persönlich eher die unterschiedliche Lebensqualität in den Vordergruind stellen.

Lass uns doch irgendwann wissen wie Du Dich entscheidest. Ich drücke die Daumen.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt natürlich keine Finanz- oder Wirtschaftsberatung dar, sondern ist eine vereinfachende Zusammenstellung möglicher Entscheidungsgrundlagen. Und ist sozusagen eine Unterhaltung von Kollege zu Kollege ohne rechtliche Bindung.

Liebe Grüße

Gerd

[Edited at 2019-12-23 14:14 GMT]


armin wosche
 

Anne Koth  Identity Verified
Germany
Local time: 11:04
German to English
TOPIC STARTER
Finanzen Dec 25, 2019

Ich bin in der privaten KV und zahle meines Alters entsprechend eine schöne Summe, egal wieviel ich verdiene. In Frankreich scheint das prozentual zu laufen, je nach Einkommen. Hätte ich mich also entschieden, in der Zeit etwas weniger zu arbeiten, dachte ich, etwas Geld zu sparen. Die Tips von oben haben mich aber schon überzeugt, dass es sich wahrscheinlich nicht lohnt.
Wie gesagt lasse ich mich im neuen Jahr beraten. Natürlich nicht von einem Versicherungsmakler, sondern unter ander
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Ich bin in der privaten KV und zahle meines Alters entsprechend eine schöne Summe, egal wieviel ich verdiene. In Frankreich scheint das prozentual zu laufen, je nach Einkommen. Hätte ich mich also entschieden, in der Zeit etwas weniger zu arbeiten, dachte ich, etwas Geld zu sparen. Die Tips von oben haben mich aber schon überzeugt, dass es sich wahrscheinlich nicht lohnt.
Wie gesagt lasse ich mich im neuen Jahr beraten. Natürlich nicht von einem Versicherungsmakler, sondern unter anderem von der Unabhängigen Patientenberatung.
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