Falschangabe bei Auftragsvergabe
Thread poster: Leyal
Leyal  Identity Verified
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Sep 19, 2005

Hallo,

mich würde mal eure Meinung zu folgendem Thema interessieren:
Eine Übersetzungsagentur, die euch schon des Öfteren angeschrieben hat und der eure Konditionen bekannt sind, meldet sich bei euch. Nachdem ihr eure Konditionen erneut nennt und ihnen auch euer Mindesthonorar mitteilt, sagen sie euch, dass der Text 20 Zeilen (=Mindesthonorar) umfasst. Daraufhin nehmt ihr den Auftrag - zu eurem Mindesthonorar - an.
Bisher alles schön und gut. Doch beim Übersetzen der Datei fällt euch auf, dass es sich nicht um 20, sondern um die 50 Zeilen handelt...

Wie reagiert man in solch einem Fall?

Da der Abgabetermin der Übersetzung schon am nächsten Tag war, hatte ich nicht mehr die Möglichkeit diesen Punkt mit meiner Ansprechpartnerin zu klären. Und so handelte ich "eigenmächtig", und passte die Rechnung dem eigentlichen Umfang des Textes an - allerdings gewährte ich der Agentur, als Zeichen des Entgegenkommens, einen Rabatt in Höhe von 15%. In der dazugehörigen Mail erklärte ich meiner Ansprechpartnerin, dass ich – aufgrund der Falschangabe - nicht mein Mindesthonorar in Rechnung stellen könne, und dass ich davon ausgehen würde, dass sie mit meiner Rechnungsstellung keinerlei Probleme haben würde, da ihr mein Zeilenpreis von Anfang an ja bekannt war...
Bisher habe ich keine Antwort erhalten. Und wie die Sache enden wird, wird sich wohl erst nach Ablauf der Rechnungsfrist zeigen. Aber wie schaut’s eigentlich aus rechtlicher Sicht aus? War das okay, wie ich gehandelt habe? Oder bleibt einem in solch einem Fall nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen, und das vereinbarte Honorar in Rechnung zu stellen? Die Agentur könnte ja schließlich sagen, uns steht nur der Betrag X zur Verfügung...

Danke und liebe Grüße,
Nuray


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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 17:10
Member (2002)
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Bedingungen vorab klären (und prüfen) Sep 19, 2005

Solche Probleme hinterher zu klären ist immer ungleich schwieriger als im Vorfeld.

Ich lege Wert darauf, vor der Angebotsabgabe (und insbesondere vor der Auftragsbestätigung) den zu übersetzenden Text in vollem Umfang einzusehen.

Das erspart einem nicht nur das beschriebene, sondern eine Vielzahl weiterer Probleme (fehlerhafter Ausgangstext, unmögliche Formatierung, Bilder, die nicht berücksichtigt wurden, usw. usw.)

Im vorliegenden Fall bist du der Agentur ausgeliefert, denn einen Rechtsstreit wegen dieser Summe wirst du wohl nicht anzetteln wollen. Dann lieber einfach die Dinge nehmen, wie sie kommen, und die entsprechenden Schlüsse ziehen (allgemein und in Bezug auf die weitere Zusammenarbeit mit der Agentur).

Viel Glück
Endre


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Victor Dewsbery  Identity Verified
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Wenn die Agentur anständig ist ... Sep 19, 2005

... gibt sie unumwunden das Versehen zu und erkennt die volle Rechnung für den tatsächlichen Textumfang an. Der Nachlass von 15% als Entgegenkommen wäre nicht nötig gewesen.

Nach meiner Erfahrung haben Agenturen kein Problem damit, die Auftragsdaten in solchen Fällen zu deinen Gunsten zu korrigieren (auch wenn sie den Unterschiedsbetrag nicht vom Kunden zurückbekommen können).


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Karine J.
Local time: 17:10
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.....zu gut! Sep 19, 2005

Hallo Leyal,

wie Endre sagte, im Vorfeld alles abzuklären erspart uns eine Menge Ärger aber für dich war die Sache auch Glasklar als Du den Auftrag annahm.
Jedensfall bin ich der MEinung, dass Du das richtige gemacht hast und dich sogar sehr entgegenkommend verhalten hast, indem Du die Agentur noch einen Rabatt von 15% gewährt hast, was meiner Ansicht nach nicht nötig gewesen wäre.
Wenn die Agentur ein bißchen Anstand hat, wird sie ohne weiteres es anehmen, dass den Auftrag etwas länger war als vereinbart und Dir den Betrag überwiesen.(sie wird sich sogar über einen Sonderrabatt freuen)!
Wenn sie allerdings die Rechnung nicht zahlt........wird sich für so einen kleinen Betrag fast nicht rentieren rechtliche Schritte zu waagen.
Ich drücke Dir die Daumen


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Leyal  Identity Verified
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TOPIC STARTER
... "darf" man das denn überhaupt? Sep 19, 2005

Es geht mir im Grunde auch gar nicht um diesen konkreten Fall. Denn was diese Agentur betrifft, hatte ich von Anfang an ein mulmiges Gefühl, sodass ich eigentlich fast schon damit rechne, gar nicht bezahlt zu werden...
Aber gerichtlich vorgehen? Das wäre mir, bei solch einem Mini-Betrag, die Mühe nicht wert. Ich werde es wohl einfach dabei belassen diese Agentur – sollte es denn so kommen, wie ich es vermute – in meiner "Blacklist" zu vermerken…

Aber um noch mal auf den Punkt Falschangaben einzugehen…
Natürlich ist es am Besten sich die Dateien vorab anzusehen und alle relevanten Punkte nachzuprüfen. Aber manchmal handelt man eben, wider besseres Wissen, nachlässig - bzw. man "vertraut" seinem Gegenüber einfach...

Und genau darum geht's mir. Hat man das Recht die Rechnung "eigenständig" umzuändern, wenn denn die Konditionen dem Auftraggeber im Vorfeld bekannt sind? Oder gilt die PO?

Und ja, der Rabatt wäre wahrscheinlich wirklich nicht nötig gewesen...


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Derek Gill Franßen  Identity Verified
Germany
Local time: 17:10
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Der umgekehrte Fall Sep 19, 2005

Leyal wrote:
ber manchmal handelt man eben, wider besseres Wissen, nachlässig - bzw. man "vertraut" seinem Gegenüber einfach...
[...]
Hat man das Recht die Rechnung "eigenständig" umzuändern, wenn denn die Konditionen dem Auftraggeber im Vorfeld bekannt sind? Oder gilt die PO?[/quote]

Ich möchte ungern über die juristischen Seiten dieser Frage sprechen, denn es gibt einfach zu viele Detailfragen, die zuerst beantwortet werden müssten, um nutzlichen juristischen Rat erteilen zu können. Dennoch wollte ich folgenden Fall mitteilen:

Ich habe mal ein Angebot für einen Job über das Jobsystem hier bei ProZ abgegeben. Mein Angebot wurde angenommen und ich fertigte die Übersetzung zur vollen Zufriedenheit nicht nur des Agenturs, sondern auch des dahinter stehenden Kunden. Ich habe dann meine Rechnung abgeschickt und dachte alles wäre okay.

Dann habe ich eine Email von diesem Agentur erhalten. Sie wollten wissen, wie ich zu meinem Zeilenpreis gekommen wäre, da dieser fast zweimal so hoch war, wie sie sonst immer zahlten (also an den anderen Übersetzer - es war ja aber mein erster Job bei den). Ich habe geantwortet, dass mein Zeilenpreis natürlich in meinem Angebot war. Die Erhöhung war aus meiner Sicht wegen des kurzen Liefertermins und der Schwierigkeit des Texts gerechtfertigt.

Die haben geantwortet, dass sie den von mir (ins richtige Feld) angegebenen Preis übersehen hätten und würden den Preis nun zwar zahlen, wären aber dankbar, wenn ich entgegen kommen könnte - was ich auch gemacht habe. Denn wie du schon selbst sagst, "manchmal handelt man eben wider besseres Wissen, nachlässig". Das kann jedem passieren. Seit dem sind wir sehr bedacht mit Angebot und Annahme - der Preis wird jedesmal erneut ausgehandelt (das mag ich so).


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Marinus Vesseur  Identity Verified
Canada
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Ohne Absprache schwierig Sep 19, 2005

Leyal wrote:
Da der Abgabetermin der Übersetzung schon am nächsten Tag war, hatte ich nicht mehr die Möglichkeit diesen Punkt mit meiner Ansprechpartnerin zu klären.
Nuray


Hallo Kollegin

Ich kann dein Vorgehen verstehen, aber hätte doch auf jeden Fall vorher versucht zu klären, was zu machen ist. Eine Agentur muss auch leben; wenn es anständige Leute sind, wovon man immer zuerst ausgehen möchte, ist ihre Marge nicht hoch und hätten die also jetzt das Problem die Mehrkosten vom Kunden zu bekommen. Kalkulationsfehler können einen ja mal unterlaufen; es wäre fair gewesen deine Agentur vorher die Gelegenheit zur Korrektur zu geben.

Gruß, Marinus.


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Victor Dewsbery  Identity Verified
Germany
Local time: 17:10
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Vertrauensverhältnis ist wichtig Sep 19, 2005

Leyal wrote:
Aber um noch mal auf den Punkt Falschangaben einzugehen…
Natürlich ist es am Besten sich die Dateien vorab anzusehen und alle relevanten Punkte nachzuprüfen. Aber manchmal handelt man eben, wider besseres Wissen, nachlässig - bzw. man "vertraut" seinem Gegenüber einfach...
Und genau darum geht's mir. Hat man das Recht die Rechnung "eigenständig" umzuändern, wenn denn die Konditionen dem Auftraggeber im Vorfeld bekannt sind? Oder gilt die PO?


Im Eifer des Alltags (besonders bei kleinen Aufträgen) passiert es oft, dass man nicht alles im Vorfeld bedenkt und abklärt (PO auf mögliche Fallen überprüfen, Textmenge und Bearbeitbarkeit überprüfen usw.). Manchmal hat man schlicht keine Zeit dafür (der Termin für den laufenden Auftrag naht, man schwitzt schon, und dann kommt so ein Mini-Auftrag den man ***eigentlich*** auf Herz und Nieren abklopfen müsste).

Deshalb ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis zum Kunden (besonders zu einer Agentur) zu haben. Sprich: in der Regel stimmt das, was die Agentur sagt. Und wenn nicht, kann man sich irgendwie arrangieren, damit man nicht den Kürzeren zieht.

In deinem Fall ist der Unterschied (zwischen PO und tatsächlicher Textmenge) wahrscheinlich etwa 30 EURO (oder noch weniger).
Zur Not kannst du den Verlust verschmerzen, aber dieser Sieg über dich kommt der Agentur teuer zu stehen:
- Du ärgerst dich, boykottierst vielleicht die Agentur. Oder zumindest reagierst du fortan mit Misstrauen. Und wenn du ein gleichwertiges Angebot hast, nimmst du lieber den Auftrag von der Konkurrenz.
- Vielleicht berichtest du Kollegen von deinen Erfahungen mit der Agentur (BlueBoard, Zahlungspraxis, Payment Practice o.ä.). Die Agentur ärgert sich dann vielleicht blau und schwarz und macht dir wüste Drohungen, aber Fakt ist, der gute Name der Firma ist futsch.

Für den Spottpreis von 30 EUR kann die Agentur diesen Schaden vermeiden. Für diese lächerliche Summe bekommt sie einen psychologischen "Treuebonus" bei dir - du kannst der Agentur vertrauen, und vielleicht nimmst du mal einen Eiljob (oder gar einen Saujob) an, weil die Zusammenarbeit so angenehm ist. Und vielleicht bekommt sie sogar einen Bonus in der Szene (wenn du die guten Erfahrungen mündlich oder schriftlich weitergibst).

Wenn du gut bist, stehen die Agenturen bald bei dir Schlange. Dann kannst du die unfreundlichen Agenturen aussortieren.


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Trudy Peters  Identity Verified
United States
Local time: 11:10
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Leyal, lass uns wissen Sep 19, 2005

wie's augegangen ist!

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Leyal  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Kalkulationsfehler oder Absicht... Sep 20, 2005

Marinus, die Möglichkeit, es vor der Abgabe zu klären, hatte ich leider nicht mehr.
Natürlich hast du Recht, wenn du schreibst, man sollte erst mal davon ausgehen, dass es sich um "ehrliche" Leute handelt und dementsprechend auch an die Gegenseite denken. Sprich, man sollte darauf aus sein, Unannehmlichkeiten - für beide Seiten - zu vermeiden.


Victor Dewsbery wrote:
Im Eifer des Alltags (besonders bei kleinen Aufträgen) passiert es oft, dass man nicht alles im Vorfeld bedenkt und abklärt (PO auf mögliche Fallen überprüfen, Textmenge und Bearbeitbarkeit überprüfen usw.). Manchmal hat man schlicht keine Zeit dafür (der Termin für den laufenden Auftrag naht, man schwitzt schon, und dann kommt so ein Mini-Auftrag den man ***eigentlich*** auf Herz und Nieren abklopfen müsste).


Victor, genau so ist es.
Abgesehen von ein paar Agenturen, die quasi meine ersten Auftragsgeber waren, nehme ich i.d.R. Miniaufträge auch nur ungern an...

Auf gegenseitiges Vertrauen lege auch ich großen Wert. Wenn man eine langfristige Zusammenarbeit anstrebt, sollte Vertrauen das A und O in der Beziehung sein. Anderenfalls würde bei jedem noch so kleinem "menschlichem" Fehler Misstrauen aufkeimen - was sich auf die eine oder andere Art wohl auch auf die Zusammenarbeit projizieren würde.

Aber nichtsdestotrotz finde ich, dass eine gewisse Portion anfängliches Misstrauen – insbesondere wenn man bereits schlechte Erfahrungen gemacht hat – nicht schaden kann. Um ein Beispiel zu geben: Wenn eine Agentur auf äußerst saloppe Weise anfragt, ob ich einen Text für sie übersetzen könnte, ohne jegliche Information zu Art und Umfang des Textes zu geben, wirft das im ersten Moment schon mal kein gutes Licht auf die Agentur. Was mache ich in solch einem Fall? Entweder reagiere ich gar nicht auf die Mail, oder ich sage mir 'hmm, vielleicht befindense sich ja auch noch in der Anfangsphase, und da kann es schon mal sein, dass man (noch) net so professionell arbeitet', und erkläre der Agentur, dass ich ihnen, ohne die nötigen Informationen, kein Angebot unterbreiten kann... Aber wie ich mich auch entscheide, die erste Skepsis hält i.d.R. bis zur Begleichung der Rechnung, wenn es denn dazu kommt, an...


Derek, danke für dein Beispiel. Hier sieht man sehr schön, dass man manchmal einfach Kompromisse eingehen muss - denn "Fehler" können eben beiden Seiten unterlaufen...


Trudy, werde ich machen. Aber das kann noch etwas dauern...


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Leyal  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Ausgang der Geschichte... Dec 5, 2005

Nach zwei Zahlungserinnerungen und der ersten Mahnung, in der ich mit Verzugszinsen drohte, erhielt ich das Geld - allerdings nur den in der PO genannten Betrag. Da mir die Agentur weiterhin Aufträge anbot, teilte ich ihnen - nach Erhalt des Betrages - mit, dass ich an einer weiteren Zusammenarbeit nicht interessiert bin. Als Grund gab ich bekannt, dass es mir nicht möglich ist, mich mit der Arbeitsweise der Agentur anzufreunden...
Auf die Begleichung des vollen Betrages habe ich verzichtet, da ich mir einfach weiteren Ärger ersparen wollte. Und naja, bei solch einem "kleinen" Betrag war dieser Entschluss, m.E., auch "sinnvoller", als mit juristischen Mitteln zu drohen...


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