Warum voreditieren viele Agenturen nicht?
Thread poster: Heinrich Pesch

Heinrich Pesch  Identity Verified
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Oct 28, 2005

Oft könnten Agenturen mit kleinem Arbeitseinsatz einen entscheidenden Preisvorteil erzielen. Wenn zum Beispiel der Auftraggeber ein langes Dokument in pdf-Format schickt, geben viele Agenturen dieses pdf direkt an die Übersetzer weiter. Wir Übersetzer berechnen (hoffentlich) einen Aufpreis für solche pdfs. Würde sich in der Agentur jemand die Mühe machen, erst mal nachzusehen, ob da nicht überflüssiger Text vorliegt, den man leicht weglassen könnte, wie zum Beispiel Inhaltsverzeichnisse, könnte sie dem Auftraggeber ein bedeutend günstigers Angebot machen. Wenn ich mir dann noch vorstelle, ein solches pdf wird in -zig Sprachen übersetzt und jeder Übersetzer konvertiert selbst das selbe pdf nach Word!
Neulich bekam ich ein pdf mit brutto 520 Normzeilen, davon 100 Zeilen Inhaltsverzeichnis! Also "Wartung.........................15"
jeder Punkt zählt ja mit.
Statt dem Auftraggeber ein Angebot auf Grund der brutto-Textmenge zu geben, hätte in diesem Fall die Agentur direkt 100 Zeilen abziehen können. Zusätzlich stehen auf jeder Seite die selben Angaben, Firmenname etc. Das sind sicher nochmal 20 Zeilen.
Wenn dann der Auftrag erteilt ist, hätte jemand in der Agentur den Text fürs Übersetzen aufbereiten können, sodass die Übersetzer keinen Aufpreis berechnen brauchen (Zeilenumbrüche in Word, Formatierung der Überschriften, damit Word das Inhaltsverzeichnis automatisch erstellt).
Komischerweise aber haben viele Agenturen dazu keine Lust.
In diesem Fall lachte ich mir ins Fäustchen, statt 500 Zeilen brauche ich nur 400 übersetzen, werde aber für 500 bezahlt.

Gruß
Heinrich


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Peter Bouillon  Identity Verified
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French to German
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Wenn mal die Agentur das so sieht Oct 28, 2005

Heinrich Pesch wrote:
Oft könnten Agenturen mit kleinem Arbeitseinsatz einen entscheidenden Preisvorteil erzielen. Wenn zum Beispiel der Auftraggeber ein langes Dokument in pdf-Format schickt, geben viele Agenturen dieses pdf direkt an die Übersetzer weiter. Würde sich in der Agentur jemand die Mühe machen, erst mal nachzusehen, ob da nicht überflüssiger Text vorliegt, den man leicht weglassen könnte, wie zum Beispiel Inhaltsverzeichnisse, könnte sie dem Auftraggeber ein bedeutend günstigeres Angebot machen.


Die Frage ist nur, ob sich die Angelegenheit der Agentur genauso stellt. Von ihrer Warte aus könnte die Geschichte nämlich stattdessen so aussehen:

  • Option 1: ich mühe mich mit diesem doofen Fax ab, um da verwendbare Zeichen rauszuholen. Anschließend mühe ich mich darum, irgendwelche Kürzungsstellen zu finden. Das Ganze gibt dann ein geringeres Übersetzungsvolumen und deswegen weniger Courtage für mich. Obendrein kann ich in der Zeit nicht akquirieren!

  • Option 2: Ich koche mir eine schöne Tasse Cappuccino. Soll doch der Übersetzer sehen, wie seine Zeichen zum Übersetzen aus dem Fax herausfummelt. Wenn ich während dieser Zeit noch einen zweiten Auftrag akquiriert bekomme, verdiene ich doppelt so viel! Und wenn nicht, habe ich mir zumindest die doofe Arbeit gespart.

    Außerdem sind die Kunden sowieso froh, wenn sie einen finden, der ihnen ihr gefaxtes Finnisch übersetzt, da mäkeln sie nicht groß rum, wenn ich ihnen einen Konvertierungsaufschlag berechne. Der Aufschlag bleibt dann aber schön bei mir, der Übersetzer soll mal seinen üblichen Preis nehmen, sonst kriegt er den tollen Auftrag nämlich nicht von mir...


P.


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tectranslate ITS GmbH
Local time: 14:49
German
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Strafe muss sein. Oct 28, 2005

Wenn die Kunden (aus Faulheit? weil sie mit den zuständigen Kollegen nicht reden?) keine ordentlichen Dokumente senden, haben wir ehrlich gesagt keine Lust, die PDF-Dateien langwierig "aufzubereiten" - bezahlen wird uns dafür ohnehin niemand. Also sind die 100 Zeilen quasi unser "Aufschlag" für PDF, denn diese "Extrazeilen" bekommen wir natürlich auch bezahlt.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, also wenn's ganz offensichtlich überflüssige Texte gibt, machen wir die schon weg, aber alles andere ist verschwendete Liebesmüh.

Viele Grüße
Benjamin

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Heinrich Pesch  Identity Verified
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TOPIC STARTER
Jaaaa Oct 28, 2005

Es war aber in dem aktuellen Fall so, dass das PDF aus der Schweiz kam, in Deutsch, und drei deutsche Agenturen abwechselnd bei mir anriefen und mir den Auftrag anboten. Zwei gingen leer aus, weil ihr Angebot der Firma zu teuer war. Und vor Auftragerteilung braucht man wirklich nicht viel zu machen, das sieht man ja auf einem Blick, dass da zwei Seiten Inhaltsverzeichnis stehen, die gar nicht übersetzt werden brauchen.
Und CAT-Einsatz ist ja auch nicht verboten. Ich schätze, Trados würde vom Text nur die Hälfte als wirklich neu bewerten.
Eine geschickte Agentur hätte da leicht 100 % Reibach machen können und trotzdem die Konkurrenz unterboten.


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Peter Bouillon  Identity Verified
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Unterschiedliche Qualitäten... Oct 28, 2005

Heinrich Pesch wrote:

und drei deutsche Agenturen abwechselnd bei mir anriefen und mir den Auftrag anboten.


Und da sage noch einer, die Qualität könnte darunter leiden, wenn man seine Übersetzungen mal von dem einem, mal von einem anderen erledigen läßt, und deswegen solle man als Kunde einem einzigen Sprachendienst vertrauen.

Falsch! Man kann beauftragen, wen man will, es landet alles so oder so bei Heinrich Pesch! Nur der Preis ist von Sprachendienst zu Sprachendienst verschieden ...

P.


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