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eine kleine Frage zu Sitten und Gebr├Ąuchen (Mod: Problem bei Direktansprache des Endkunden)
Thread poster: milo1
milo1
Local time: 03:17
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Jan 14, 2006

Hallo miteinander

Ich bin neu auf dem Board, und habe mit einem Kunden ein Erlebnis gehabt, mit dem ich mich zuerst an Narasimhan gewandt habe. Narasimhan hat vorgeschlagen, die Diskussion hier auf dem Board weiterzuf├╝hren:

Mein erstes Mail an Narasimhan:


Guten Tag Narasimhan


Ich habe gesehen, dass du in Indien wohnst und deutsch sprichst.

Mir ist vor kurzem etwas passiert im Umgang mit einem in Indien ans├Ąssigen ├ťberssetzungsb├╝ro, und es w├╝rde mich sehr freuen, wenn du mir deine Meinung dazu mitteilen k├Ânntest:

Ich hatte einen Mini-Auftrag f├╝r ein deutsches Unternehmen ausgef├╝hrt, der von dem indischen ├ťbersetzungsb├╝ro vermittelt worden ist.

Ich hab beim deutschen Kunden direkt ein Feedback weger der ├ťbersetzung eingeholt (alles prima). Seitdem erhalte vom indischen ├ťbersetzungsb├╝ro mehrmals t├Ąglich ein Mail, dass ich ein Fax unterschreiben soll, ich h├Ątte mich (wegen des Feedbacks) unethisch verhalten. Nun ja Ich hab ja nichts angestellt. Hier, wo ich wohne, ist es normal.

Eine Frage: Hab ich hier wirklich irgendwelche in Indien geltende Sitten verletzt, oder habe ich es mit einem Schlitzohr zu tun, das sich davor dr├╝cken will, seine
Schulden zu bezahlen?

Ich freu mich auf eine Nachricht (wenn du Zeit hast) und w├╝nsche einen sch├Ânen Tag.

Sabine





[Subject edited by staff or moderator 2006-01-14 17:04]

[Edited at 2006-01-14 17:27]

[Edited at 2006-01-14 17:29]


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Trudy Peters  Identity Verified
United States
Local time: 21:17
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Contacting end client Jan 14, 2006

Sabine,

You should NEVER contact the end client directly, unless you have express permission from the translation company, no matter what country is involved.

Trudy

Das hat meiner Meinung nach nichts mit Indien zu tun. Man soll sich prinzipiell nie direkt mit dem Endkunden in Verbindung setzen, es sei denn man hat das vorher mit dem ├ťbersetzungsb├╝ro abgesprochen.

[Edited at 2006-01-14 17:26]

Nachdem ich jetzt die zus├Ątzlichen Informationen gelesen habe (die du gleich h├Ąttest angeben sollen), sieht die Lage etwas anders aus, aber zuerst h├Ątte ich dem ├ťbersetzungsb├╝ro gedroht, mich im Falle einer Nichtbezahlung direkt an den Kunden zu wenden.

Trudy

[Edited at 2006-01-14 17:36]


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Narasimhan Raghavan  Identity Verified
Local time: 07:47
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+ ...
Meine Antwort Jan 14, 2006

Auf Sabines Frage habe ich den Mailwechsel wie folgt gehabt.

Gr├╝├č Gott Sabine,
Dein Kunde ist das indische ├ťbersetzungsb├╝ro, stimmt es? Also h├Ąttest Du dich nicht direkt mit dem Endkunden in Kontakt kommen sollen. Das gilt ├╝berall, nicht nur in Indien. Ich schlage Dir vor, diese Frage als eine Forumpost im deutschen Forum zu stellen. Vielleicht bekommst Du eine andere Antwort. Aber, was mich anbelangt, sehe ich hier eine einbi├čchen unethische Handlung Deinerseits.

Was f├╝r ein Fax will man von Dir unterzeichnen zu lassen?

Ich w├╝nsche Dir einen Guten Tag.

N.Raghavan

Darauf schrieb Sabine:
Guten Tag Narasimhan

Herzlichen Dank f├╝r deine Antwort. Ich sollte ein Fax unterschreiben, in dem ich best├Ątige, dass ich mich unethisch verhalten habe. Das mach ich nat├╝rlich nicht. Ich bin mir keines unethischen Verhaltens bewusst.

Der Kunde in Deutschland war die einzige Person, die beurteilen konnte, ob die ├ťbersetzung in Ordnung ist. Ich arbeite eigentlich in einem anderen Bereich (eLearning), und wir stehen immer in direktem Kontakt zum Kunden. Ich versteh nicht, warum sich ├ťbersetzer nicht an Kunden wenden d├╝rfen (sie ├╝bersetzen ja auch schliesslich Dokumente von einer Firma). Ist es, dass die Agentur Angst hat, dass der ├ťbersetzer den Kunden abwirbt?

Die indische Agentur hatte den Auftrag ├╝ber eine Internetplattform vergeben. Ich kannte den Namen der Agentur nicht, hatte keine Telefonnummer. Der ganze Auftrag hatte einen sehr engen Termin, ich hab gearbeitet wie wahnsinnig 14 / 16 Stunden pro Tag) und kam ├╝berhaupt nicht dazu, nach irgendwelchen Referenzen zu fragen.

Nachdem ich die ├ťbersetzung abgegeben hatte und mich bei der Agentur nach der ├ťberweisung des Honorars erkundigte, kamen zuerst Ausreden ├á la PayPal funktioniert nicht und dann habe trotz mehrmaliger h├Âflicher Anfragen, Kontakt mir mir aufzunehmen, nichts mehr geh├Ârt. Funkstille.

Ich hab dann nach dem Namen der Agentur (der mir bekannt war) gegoogelt; fand in den Indian Yellow Pages eine Telefonnummer der Agentur, rief an und erhielt eine Meldung, die Nummer sei nicht g├╝ltig.

Daraufhin haben sich bei mir alle Alarmglocken gemeldet, dass ich es eventuell vielleicht mit einem Betr├╝ger zu tun habe. Ich musste irgendwie handeln. Und wie gesagt, in meiner Branche ist es ├╝blich, mal schnell anzurufen.

Ich hab dann den deutschen Kunden angerufen und ihm mitgeteilt, dass ich ihn anrufe, um schnell ein Feedback bez├╝glich der ├ťbersetzung einzuholen. Der deutsche Kunde nahm das auch ganz locker und klang nicht so, als h├Ątte man ihn da gross gest├Ârt.

Ich kann mein Anliegen auch gerne im Forum posten. Es w├╝rde mich interessieren, wie du die Lage wegen unethisch beurteilst, als die Agentur nichts mehr von sich h├Âren liess, die Telefonnummer ung├╝ltig war...

Grazie mille
Einen sch├Ânen Gruss in die Sonne !
Sabine

Jetzt meine Antwort:
Guten Tag Sabine,

angesichts Deiner weiteren Informationen hast Du nat├╝rlich nicht unethisch gehandelt. Was ich fr├╝her geschrieben habe basiert auf Deiner damaligen Erkl├Ąrung. Du mu├čt ja zugeben, da├č Du mir den ganzen Hintergrund nicht angegeben.

Jetzt zur Sache. Du sollst den Fax nicht unterschreiben. Deine Position ist ein bi├čchen delikat. Du hast dem Kunden zuviel geglaubt. Jetzt sollst du den Kunden beim Blueboard anmelden und eine Post er├Âffnen, ohne dabei die Agentur beim Namen zu nennen.

Wo liegt die Agentur? Etwa in Chennai, wo ich wohne?

Gr├╝├če,
N.Raghavan
Sabine schrieb:
Guten Tag Narasimhan

Deine Antwort beruhigt mich. Den Fax werde ich nicht unterschreiben (ich hab auch keinen Fax ). Die Angentur liegt in Sanpada, New Mumbai.

Ich werde das machen mit dem Post. Darf ich deine Kommentare einf├╝gen?

Auf jeden Fall, ich dank dir ganz herzlich f├╝r die Zeit, die du dir genommen hast.

Sabine
Meine Antwort:
Hi Sabine,

Nat├╝rlich kannst Du meine Kommentare einf├╝gen. Ich h├Ątte einen besseren vorschlag. Gebe dein Post ruhig ein und sage mir Bescheid, samt URL des Posts. Da gebe ich selbst meine Kommentare ein. Vegi├č den Blueboard nicht.

Jetzt hast du nicht mehr zu verlieren und ich an Deiner Stelle w├╝rde dem Endkunden Bescheid sagen. Aber Vorsicht, davor hole dir die Meinungen anderer Proz-Kollegen, besonders Ralf Lemster. Du kannst mit ihm auch die Sache mit dem Blueboard diskutieren.

Aber mein Kind, warum hast du eine detaillierte Untersuchung vor der Annahme der Arbeit nicht getan?

So liegt der Fall.

Gr├╝├če,
N.Raghavan


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Ricki Farn
Germany
Local time: 03:17
Member (2005)
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Verh├Ąltnism├Ą├čigkeit Jan 14, 2006

Ja, ich kenne auch mindestens eine deutsche Agentur, die mich den Krokodilen vorwerfen w├╝rde, wenn ich den Endkunden wegen egal was direkt ansprechen w├╝rde, egal ob eine Terminologiefrage oder Qualit├Ątsbewertung oder was auch immer.

Andere Frage, was wollen sie denn tun, wenn du das Fax unterschreibst? Eine Sache ist, etwas als "unethisch" zu bezeichnen, eine andere Sache ist die daf├╝r angesetzte Strafe. Vermutlich gibt es daf├╝r keine vorher vereinbarte Vertragsstrafe (wie z.B. in manchen NDAs f├╝r Ausplaudern), weil es so selten vorkommt.

Frage an alle, welche Reaktion w├Ąre noch verh├Ąltnism├Ą├čig? Kann eine Firma wegen so einer Sache, bei der ja nun nicht viel kaputt gemacht wurde, heftige Abz├╝ge durchsetzen?

PS ich habe dies geschrieben, bevor ich die Mails von N.Raghavan sehen konnte, daher die seltsame "Bezuglosigkeit".

[Edited at 2006-01-14 17:30]


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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 03:17
Member (2002)
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Direktkontakt mit Endkunden ohne Abstimmung mit dem ├ťbersetzungsb├╝ro un├╝blich Jan 14, 2006

Hallo Sabine,

Ich kann hier zwar nur von den Gepflogenheiten in Deutschland berichten (und auch davon nur aus meinem subjektiven Blickwinkel und auf Grundlage meines beschr├Ąnkten Erfahrungsschatzes), aber es erscheint mir schon un├╝blich, sich ohne Abstimmung mit dem direkten Auftraggeber an den Endkunden zu wenden (egal, ob zum Zwecke des Feedbacks oder wegen sonstiger Fragen).

Insoweit finde ich den Einwand des B├╝ros nachvollziehbar. Am besten w├Ąre es nat├╝rlich, die Situation im Einvernehmen zu l├Âsen, was nicht unbedingt durch Unterschrift einer vorformulierten Schuldanerkenntnis zu erfolgen hat.

Vielleicht kannst du deine Sicht darlegen (evtl. einen Fehler eingestehen) und zusichern, dass es dir nicht darum gegangen ist, eventuelle Folgeauftr├Ąge am B├╝ro vorbeizuschleusen -- dies k├Ânnte man evtl. durch eine freiwillige Zusage unterstreichen, von diesem Kunden f├╝r eine bestimmte Zeit (1 Jahr, 2 Jahre?) ohne Zustimmung des B├╝ros keine Direktauftr├Ąge entgegenzunehmen.

Soweit meine pers├Ânliche Einsch├Ątzung.

Viele Gr├╝├če
Endre


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milo1
Local time: 03:17
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+ ...
TOPIC STARTER
unethisches Verhalten bei Betrugsverdacht ? Jan 14, 2006

Danke f├╝r Eure Meinungen. W├╝rdet Ihr meinen, dass das auch f├╝r folgende Situation gilt:

Die indische Agentur hatte den Auftrag ├╝ber eine anonyme Internetplattform vergeben. Ich kannte den Namen der Agentur zuerst nicht, hatte keine Telefonnummer.
Nachdem ich die ├ťbersetzung abgegeben hatte und mich bei der Agentur nach der ├ťberweisung des Honorars erkundigte, kamen zuerst Ausreden ├á la PayPal funktioniert nicht und dann habe trotz mehrmaliger h├Âflicher Anfragen, Kontakt mir mir aufzunehmen, nichts mehr geh├Ârt. Funkstille. Ich hab dann nach dem Namen der Agentur (der mir nach ein paar Tagen mitgeteilt wurde) gegoogelt; fand in den Indian Yellow Pages eine Telefonnummer der Agentur, rief an und erhielt eine Meldung: "This is not a valid number". Wieder der Agentur gemailt. Keine Antwort.

Nach diesem Verhalten habe ich innerlich damit gerechnet, es eventuell vielleicht mit einem Betr├╝ger zu tun zu haben. Ich musste irgendwie handeln.


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E.LA
Spanish to German
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Endkunde = heilige Kuh Jan 14, 2006

Ich versuche mal, mich in diese Situation zu versetzen:
Eine mir unbekannte Agentur gibt mir einen Schnellauftrag, also habe ich keine Zeit f├╝r Erkundigungen. Nachher kommt die Bezahlung nicht rein.
Dann ist und bleibt das ein Problem zwischen mir und meinem Auftraggeber, also der Agentur.
Wenn diese Agentur die Bezahlung verweigert mit dem Argument, die ├ťbersetzung sei schlecht gewesen, verlange ich Beweise. Auch dann ist eigentlich immer noch kein Grund da, den Endkunden zu kontaktieren.
Nur, wenn ich 100% ├╝berzeugt bin, meine ├ťbersetzung war prima, die angeblichen Beweise nichts wert und es kommt hart auf hart, w├╝rde ich mich eventuell (!) an den Kunden wenden, aber auch nur zur Best├Ątigung der guten Qualit├Ąt.

In anderem Fall, wenn ich die Agentur nicht ausfindig machen kann, kontaktiere ich den Endkunden nur, um Adresse usw. von der Agentur zu erfahren.

Der Endkunde ist eine heilige Kuh. Egal ob in Indien oder sonst wo.

Eigentlich existiert das so in allen Wirtschaftsbereichen.
Wenn ich einen Auftrag weitervergebe, w├╝rde ich mich auch ├Ąrgern, wenn der ├ťbersetzer den Endkunden kontaktiert.

Wenn die Agentur von dir ein Zugest├Ąndnis unethischen Verhaltens haben will und weiterhin nicht zahlt, k├Ânnte es nat├╝rlich nur ein Vorwand sein. Die Agentur kannst du f├╝r die Zukunft vergessen, aber die Erfahrung nicht!


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Erik Hansson  Identity Verified
Germany
Member (2002)
Swedish
+ ...
Kontakt mit Endkunden nur mit Einverst├Ąndnis des Auftragsgebers m├Âglich Jan 14, 2006

Schon des Anstands und der Gesch├Ąftsbeziehung wegen sollte man sich immer zuerst an den Auftraggeber wenden, wenn Fragen zu kl├Ąren sind. Dies ist einfach A & O in allen Gesch├Ąftsbeziehungen, egal ob Deutschland oder Indien, in der ├ťbersetzerbranche oder einer anderen vergleichbare Branche. Nimm es bitte nicht ├╝bel, aber ich kann deinen Kunden sehr gut verstehen.

Es kommt zwar in einigen F├Ąllen vor, da├č der Auftraggeber auch den Ansprechpartner beim Endkunden bekannt gibt, was selbstverst├Ąndlich eine ganz andere Situation darstellt (weil dein Auftraggeber und der Endkunde dies abgesprochen haben). Nur in solchen F├Ąllen, und in keinen anderen, sollte der Direktkontakt gesucht werden, z.B. um schnell Fragen zu kl├Ąren.

Alles andere mu├č ├╝ber deinen Kunden laufen.

Gr├╝├če
Erik

**********************************
Erik Hansson ( SFÖ )
Technical translator DE-SV
Hansson Übersetzungen GmbH
Am Birkenwäldchen 38
D-01900 Bretnig-Hauswalde, Germany
Phone +49 - 3 59 52 - 321 07
Fax +49 - 3 59 52 - 322 02
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Internet www.hansson.de
Internet www.technical-translators.net
Internet www.wintitus.de
ProZ profile http://www.proz.com/pro/21654
***********************************

[Edited at 2006-01-14 21:02]


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Narasimhan Raghavan  Identity Verified
Local time: 07:47
English to Tamil
+ ...
Noch einen anderen Vorschlag Jan 15, 2006

Wenn die Agentur auf dein Unterzeichen des Faxes besteht, sollst du ihr suggerieren da├č, sie sich zuerst f├╝r die unklare Kontaktdetails entschuldigt.

Auch wenn Du den Fax unterzeichnest, sollst du darauf den Hintergrund klar per Schreiben angeben.

Verbessere zuerst Dein Prozprofil.

Ich schlage Dir vor, den Fall auch auf dem Forum Money Matters oder ├Ąhnliches auf Englisch zu geben.

Gr├╝├če,
N.Raghavan


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Heinrich Pesch  Identity Verified
Finland
Local time: 04:17
Member (2003)
Finnish to German
+ ...
H├Ąngt vom Verhalten des Kunden ab Jan 15, 2006

Normalerweise w├╝rde ich nie den Endkunden kontaktieren, es sei denn, der Vermittler w├╝nscht es. Aber im hier diskutierten Fall sieht es ja so aus, als ob der Vermittler von vornherein die Absicht hatte, den ├ťbersetzer zu prellen.
Wenn alles nichts hilft, w├╝rde ich beim Endkunden fragen, ob meine ├ťbersetzung abgeliefert worden ist und ihm die n├Ąheren Umst├Ąnde mitteilen.
Im gegebenen Fall glaube ich, dass der Vermittler so oder so nicht zahlen wird, unterzeichnete Erkl├Ąrung oder nicht. Unethisch haben sich hier in erster Linie der Vermittler und in zweiter Linie der Endkunde verhalten.
Es w├Ąre sicher hilfreich, wenn sich f├╝r solche F├Ąlle eine international g├╝ltige Regelung finden lie├če, von den ├ťbersetzer-Organisationen ausgehandelte. Vielleicht gibt es schon eine?

Gru├č
Heinrich Pesch


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milo1
Local time: 03:17
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
einen sch├Ânen guten Tag Jan 15, 2006

Narasimhan, danke f├╝r deinen witzigen Vorschlag, den ich gut einsetzen werde.

Der Auftrag ist ja anonym ├╝bers Internet vergeben worden, wobei die meisten Auftraggeber wahrscheinlich von anfang an automatisch Ihre Kontaktdaten bekannt geben, ohne dass man nachfragen muss.

Ich habe dem Auftraggeber meinen vollen Namen, Wohnort, Email bekanntgegeben und danach eigentlich eine Antwort in ├Ąhnlicher Form von ihm erwartet, die nicht kam. Es war ein Stress-Projekt, und ich kam vor lauter Arbeit nicht dazu, nachzufragen.

Der Auftrag ist an einem Samstag vergeben worden, die ├ťbersetzung sollte am Montag abgeliefert werden.

Sein Profilangaben auf der Online-Plattform enthalten: Nickname, einen Firmennamen, keine Telefonnummer, keine Angabe einer Firmen-Website, keine exakte Adresse, eine Email-Adresse bei einem Anbieter wie yahoo.com (also auch anonym, ohne verifizierte Identit├Ąt). Unter 'Area of Expertise' stand HTML, XML und Translation. Das kann als T├Ątigungsfeld alles m├Âgliche beinhalten: vom Webdesign bis zu ├ťbersetzungen.

Als er sich nicht mehr meldete, habe ich dem Support des Online-Anbieters gemeldet, dass ich Zahlungschwierigkeiten seitens des Auftragsgebers bef├╝rchte und den Auftraggeber informiert.

"Mister xxxxxxx, I informed the helpdesk about our money transfer problem."

Es blieb weiterhin still.

Gr├╝sse - Sabine

[Edited at 2006-01-15 12:01]


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Peter Bouillon  Identity Verified
Germany
Local time: 03:17
French to German
+ ...
Windig, windig... Jan 15, 2006

Hallo Sabine,

Meiner pers├Ânlichen Ansicht nach war deine Entscheidung richtig, die inzwischen in Flammen stehende Angelegenheit durch aktive Ma├čnahmen zu bek├Ąmpfen - wenn man sich auch ├╝ber die Art der Ma├čnahmen streiten kann. Sp├Ątestens nach den ausbleibenden Zahlungen und R├╝ckmeldungen wird ja klar, dass der Auftraggeber windig ist. Die Angelegenheit war aber leider schon ganz von Anfang an aus dem Ruder gelaufen.

Sabine schrieb per E-Mail:
Die indische Agentur hatte den Auftrag ├╝ber eine Internetplattform vergeben. Ich kannte den Namen der Agentur nicht, hatte keine Telefonnummer.


Da ist der erste Punkt, an dem die Geschichte aus dem Ruder lief.
  • Es handelte sich um eine indische Agentur. Ich pers├Ânlich habe keine besondere Ahnung vom indischen Rechtssystem und indischen Gesch├Ąftsgebr├Ąuchen. Mag sein, Sabine, dass Du da besser informiert bist als ich. Ansonsten ist es meiner Meinung nach ein ziemliches Risiko, mit einem Land Gesch├Ąfte anzufangen, dessen Gesch├Ąftsgebr├Ąuche man gar nicht versteht.
  • Von der Agentur ist nicht einmal ein Name oder eine Telefonnummer bekannt. Es kann sich somit um ein "Loch in der Wand" handeln. Ohne Namen und Adresse gibt es keine M├Âglichkeit, sich vorab ├╝ber einschl├Ągige Zahlungslisten (Zahlungspraxis, PP_dist, Blueboard etc.) ├╝ber die Gesch├Ąftsgebaren zu informieren. Klar, dass diese Umst├Ąnde ebenfalls ein Risiko sind.

Der ganze Auftrag hatte einen sehr engen Termin, ich hab gearbeitet wie wahnsinnig 14 / 16 Stunden pro Tag)

Da ist gleich das n├Ąchste Problem. Es stimmt zwar, dass es Eilauftr├Ąge gibt. Es ist aber auch bekannt, dass gerade windige Unternehmen h├Ąufig Eiligkeit vort├Ąuschen, um Vorab-Recherchen und der Bitte um Vorkasse zu entgehen. Wenn also eine unbekannte Firma einen besonders eng gesteckten Zeitrahmen bietet, sollte ebenfalls eine kleine rote Warnleuchte angehen.

Ich hab dann nach dem Namen der Agentur (der mir bekannt war) gegoogelt; fand in den Indian Yellow Pages eine Telefonnummer der Agentur, rief an und erhielt eine Meldung, die Nummer sei nicht g├╝ltig.


Tja: Das ist leider einer der Nachteile des Internets, die man sich nicht immer bewu├čt macht. Papier ist geduldig, sagt man. Es vergilbt aber zumindest irgendwann. Eine Webseite funkelt dagegen auch dann noch prachtvoll, wenn sie seit siebzehn Jahren nicht aktualisiert worden ist; sie gaukelt ggf. ein respektables Unternehmen vor, wenn in dem Firmengeb├Ąude l├Ąngst Katzen herumschleichen und Obdachlose ├╝bernachten. Niemand gibt einem eine Garantie f├╝r Aktualit├Ąt, was Recherchen auf dem Internet angeht.

Was jetzt das Fax angeht, mit dem du der Agentur unterschreiben sollst, dass du dich unethisch verhalten hast: Es scheint ja f├╝r die Agentur sehr wichtig zu sein, diesen Text unterschrieben zu bekommen, sonst w├╝rden sie nicht so oft darauf zur├╝ckkommen. Die Frage ist also, welchen Vorteil sie f├╝r sich pers├Ânlich darin sehen.

  • Es k├Ânnte -- aus ├Ârtlicher Sicht -- als ein Schuldanerkenntnis gelten, das Schadensersatzforderungen oder Konventionalstrafen ausl├Âst. Wer kennt schon das indische Rechtssystem? Da sieht man die Nachteile, wenn man mit entlegenen L├Ąndern Vertr├Ąge schlie├čt.
  • Es k├Ânnte eine Rechtfertigung im Nachhinein sein, frei nach dem Schema: "Siehst du: und deswegen bezahlen wir jetzt deine Rechnung erst recht nicht!"
  • Zumindest ist es geeignet, vom eigentlichen Problemzentrum - die nicht bezahlte Rechnung f├╝r gute Arbeit - auf ein Nebenthema abzulenken.
  • Es k├Ânnte daf├╝r verwendet werden sollen, Deinen Ruf zu ruinieren und Dich erpre├čbar zu machen!


Deswegen kann ich dir nur empfehlen, dich nicht ablenken zu lassen. Der Ausl├Âser f├╝r die Flammen war nicht der kontaktierte Kunde, sondern die nicht bezahlte Rechnung f├╝r gute Arbeit unter fadenscheinigen Gr├╝nden.

Als erste Ma├čnahme sollten somit zum Schutz der Kollegen die einschl├Ągigen Zahlungslisten informiert werden - insbesondere das Blueboard, damit die Agentur n├Ąmlich keine weiteren windigen Angebote ├╝ber PROZ absetzen kann.

Als n├Ąchstes solltest Du feststellen, genau welchen Vertragsbedingungen Du zugestimmt hast - oder ggf. welchen AGB. Wenn man dir verbieten wollte, mit dem Endkunden Kontakt aufzunehmen, sollte das darin stehen.

A priori und ohne explizite Vereinbarung ist das m.W. nicht verboten, vor allem wenn es nicht zu dem Zweck geschieht, die Agentur auszuschalten. Wie andere aber schon geschrieben haben, sollte man nur in wirklich extremen F├Ąllen zum Kunden der Agentur Kontakt aufnehmen, ohne die Agentur vorher zu fragen.

(Hier im Konkreten war es m.E. zu fr├╝h; andere Ma├čnahmen -s.u.- h├Ątten vielleicht Vorrang gehabt.)

Als drittes w├╝rde ich aus dem erledigten Auftrag Kennzahlen ausrechnen (z.B. durchschnittliche Zeit, um 1000 Quellw├Ârter zu ├╝bersetzen) - damit es Dir nicht wieder passiert, dass Du 14 Stunden pro Tag schuften musst, um einen Termin zu halten.

Halte den Kopf hoch und lasse dir nicht von Leuten ein Schild umh├Ąngen, auf dem "Schlingel" steht, wenn sie selber die Schlingel sind.

P.

[Edited at 2006-01-15 17:33]


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milo1
Local time: 03:17
English to German
+ ...
TOPIC STARTER
Besserung in Sicht ? Jan 15, 2006

Er hat sich inzwischen durchgerrungen, von zuerst ├╝berhaupt nichts zahlen (Donnerstag), dann 50 Prozent (Freitag) zu zwei Dritteln des Gesamtbetrages (heute). Aber PayPal funktioniert wieder mal nicht. Ich hab ihn dann darauf hingewiesen, dass er mir immer noch einen Drittel schuldet (sollte die PayPal-├ťberweisung wirklich eintreffen).

Ich habe mit ihm selber keine spezielle Vereinbarung unterschrieben, die mich zu speziellem Stillschweigen verpflichten w├╝rde. Und das es sich um eine Agentur handelt, war nicht ersichtlich.

Ich dank euch ganz herzlich f├╝r euren Input.
tsch├╝ss
Sabine


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Harry Bornemann  Identity Verified
Mexico
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+ ...
Nicht unethisch, aber taktlos Jan 15, 2006

milo1 wrote:
Eine kleine Frage zu Sitten und Gebr├Ąuchen

Sitten und Gebr├Ąuche bezeichnet man als Moral. Ethik ist ein Fachgebiet der Philosophie, in dem versucht wird, die verschiedenen Moralvorstellungen unter einen Hut zu bringen und so eine Grundlage f├╝r ein Rechtssystem zu schaffen.

Das ist hier aber viel zu tiefsch├╝rfend, da du hier einfach nur in ein Fettn├Ąpfchen getreten bist. Daher hat die Agentur jetzt Angst, dass dieser Endkunde dir zuk├╝nftige Auftr├Ąge direkt gibt.

An diesem Unfall tr├Ągt die Agentur durch ihre "Funkstille" aber ebensoviel Schuld wie du durch deinen Leichtsinn bei der Auftragsannahme.

Eine Erkl├Ąrung ├╝ber "unethisches Verhalten" w├╝rde ich daher auf keinen Fall unterschreiben, aber ein ganz gew├Âhnliches Non Disclosure Agreement f├╝r 1-2 Jahre und diesen Endkunden k├Ânntest du der Agentur (nach vorheriger Absprache) ruhig schicken, damit sie keinerlei Grund oder Vorwand mehr hat, einen Teil des Geldes einzubehalten.

Wenn sie es dann doch grundlos einbehalten sollte, w├╝rde ich den fehlenden Betrag als einmalige Verg├╝tung f├╝r die Vermittlung eines Endkunden betrachten und versuchen, in Zukunft direkt f├╝r ihn zu arbeiten.
Auf diese Weise k├Ânntest du vielleicht sogar noch ein besseres Gesch├Ąft machen, als wenn die Agentur ihrer Zahlungsverpflichtung vollst├Ąndig nachkommen w├╝rde..

Diesen Standpunkt w├╝rde ich der Agentur mitteilen, damit sie sich die Alternative aussuchen kann, die sie bevorzugt.

Harry


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Endre Both  Identity Verified
Germany
Local time: 03:17
Member (2002)
English to German
Gutes Druckmittel Jan 15, 2006

Harry Bornemann wrote:
Wenn sie es dann doch grundlos einbehalten sollte, w├╝rde ich den fehlenden Betrag als einmalige Verg├╝tung f├╝r die Vermittlung eines Endkunden betrachten und versuchen, in Zukunft direkt f├╝r ihn zu arbeiten.
Auf diese Weise k├Ânntest du vielleicht sogar noch ein besseres Gesch├Ąft machen, als wenn die Agentur ihrer Zahlungsverpflichtung vollst├Ąndig nachkommen w├╝rde..

Diesen Standpunkt w├╝rde ich der Agentur mitteilen, damit sie sich die Alternative aussuchen kann, die sie bevorzugt.


Ja, die Entscheidung zugunsten einer vollst├Ąndigen ├ťberweisung d├╝rfte der Agentur nach dieser Er├Âffnung wesentlich leichter fallen.

Endre


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