Wie schlecht darf man als Dolmetscher sein?
Thread poster: erika rubinstein

erika rubinstein  Identity Verified
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Mar 27, 2007

Es gab vor kurzem eine Diskussion auf Proz, wo ein Übersetzer bei einem Dolmetscheinsatz so wenig verstand, dass der Arbeitgeber ihn mittendrin abgezogen hat. Er hat viel Mitgefühl bei den Kollegen bekommen.
Ich selbst setzte für einen Einsatz eine Dolmetscherin vor ein Paar Wochen ein. Sie war so schlecht, dass der Kunde sie mitten im Einsatz durch eine Aushilfe ersetzt hatte, die besser war als sogenannte ausgebildete Dolmetscherin. Mindestens zwei Mal war ich Zeuge davon wie Dolmetscherinnen weniger verstanden und sofern nicht viel übersetzen konnten, als das Publikum (es handelte sich natürlich ums Englische). Die Dolmetscherin, die ich einsetzte, kommentierte den Vorfall mit den Worten, dass das nicht íhr Tag war, dass sie Kopfschmerzen hatte und Angst vorm Publikum bekam.
Ich frage mich und andere, inwieweit solche Situationen einem "professionellen" Dolmetscher widerfahren können. Es geht nicht darum, dass man Wörter nicht kennt, etwas mal nicht verstand oder schon mal nicht den besten Ausdruck benuzt hat, sondern dass man, meiner Meinung nach, so dermaßen schlecht ist, dass man nichts versteht, durchgehend stottert oder Angst vorm Publikum hat. Kann man sich als Dolmetscher so etwas leisten? Ist das schon jemandem passiert? Ich habe eine Mini-Umfrage unter Kollegen im Simultanbereich geführt: keine von uns wurde je weggejagt. Ich bin auf andere Meinungen gespannt.


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Steffen Walter  Identity Verified
Germany
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Deutsches Forum Mar 27, 2007

Hallo Erika,

da Du Deinen Beitrag auf Deutsch verfasst hast, verschiebe ich ihn ins deutsche Forum. Im "Interpreting"-Forum ist die Beitragssprache Englisch.

Viele Grüße
Steffen


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Miguel Jimenez  Identity Verified
Germany
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Wie schlecht darf man als Dolmetscher sein? Mar 27, 2007

Hallo Erika

Grüße erstmal von einem Arbeitskollegen aus Venezuela.

Ich selbst war ja ein Jahr in Deutschland wie du weißt, und habe jeden Tag 70% Dolmetschen und 30% Übersetzung gemacht.
Bei unserem Projekt gab es auch solche Fälle, und es wurden die Leute nach mehreren Verwarnungen ausgetauscht. Klar gibt es ein Tag, wo man einen (ist mir auch einpaar Mal passiert und ist auch normal im Leben) schlechten Tag hat, aber man kann sich so was nicht immer leisten.
Man sollte auch versuchen sich zu vorbereiten bzw. selbst mit anderen Leuten so was üben. Früher hatte ich auch während des Studium Angst, alleine im Aula Magna vor über 800 Leuten meine Hausaufgaben vorzutragen, aber ich habe es geschafft diese Angst zu überwinden, da ich mich immer wieder riskiert habe.
Natürlich wenn man die Leute nicht kennt und man vor vielen Leuten auftritt, sind die ersten Minuten die schlimmsten. Vielleicht muss man einfach was schönes Sagen oder ein Witz machen bevor man anfängt, damit die Stimmung dann gelockert wird.

Grüße und hoffe ich konnte dir mit meinem Beitrag ein bisschen helfen.


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Steffen Pollex  Identity Verified
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Dolmetscher und Kopfschmerzen Mar 27, 2007

erika rubinstein wrote:
Die Dolmetscherin, die ich einsetzte, kommentierte den Vorfall mit den Worten, dass das nicht íhr Tag war, dass sie Kopfschmerzen hatte und Angst vorm Publikum bekam.
Ich habe eine Mini-Umfrage unter Kollegen im Simultanbereich geführt: keine von uns wurde je weggejagt. Ich bin auf andere Meinungen gespannt.


Im Simultanbereich muss man wohl auch kaum Angst vor Publikum haben, oder verstehe ich da was falsch?

Wenn ich (z.B. auf einer Tagung) simultan übersetze, habe ich doch mit dem "Publikum" gar nichts zu tun. Hintenrum kann natürlich mal einer meckern

Und wenn ich vor einem Auditorium gemeinsam mit einem Referenten stehe, und es geht darum (z.B. bei einem Trainingskurs) Inhalte auch zu verstehen, dann wird die Dolmetscherei eher konsekutiv ablaufen. Ansonsten versteht ja keiner was. So war es jedenfalls bei mir bis jetzt.

Ansonsten völlig einverstanden mit Miguel - Vorbereitung (will sagen "fachliche Einarbeitung") ist die halbe Miete.

Was ich immer sage - es kommt für den Dolmetscher (und auch für den Übersetzer) eben nicht in erster Linie aufs Dolmetscherdiplom an, sondern darauf, dass er kapiert, worum es geht.

Und da sich selbst die Zuhörer beschwert haben, war das hier offensichtlich nicht der Fall. War wohl nicht Ihr Fachgebiet. Sie verstand wenig bis nichts, war überfordert, bekam Kopfschmerzen und wurde noch schlechter - ganz normale Erscheinung.

So wird wohl eher ein Schuh draus. Und nicht: weil ich Kopfschmerzen hatte, verstand ich nichts und war schlecht.

Und selbst wenn das so war: es kann ja jeder mal einen Duchhänger haben, aber dann muss ich wohl auch so ehrlich zu mir selbst und zu anderen sein, dass es einfach nichts wird.

Natürlich kann der Kunde nichts dafür, und ich muss dann in den sauren Apfel beißen und evtl. sogar draufzahlen in so einem Fall.

Das alles mal abgesehen davon, dass Dolmetschen schon ansich viel viel anstrengender ist, als Übersetzen.

Ich z.B. bin nach 4 Stunden konsekutiv so ausgepowert, als hätte ich 8-10 Stunden am PC übersetzt. Simultan ginge gar nicht bei mir. Hut ab vor den Kollegen, die das drauf haben.

[Edited at 2007-03-27 17:25]


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Marinus Vesseur  Identity Verified
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Sei dein eigener strengster Kritiker! Mar 27, 2007

Liebe Erika

Du beschwerst dich, wenn auch nicht direkt, über die mangelhafte Qualität der Arbeit deiner Mitarbeiter und outest sich somit erneut als jemand, der kein besonders gutes Händchen bei der Auswahl der Kollegen hat.
Es fängt an ein bisschen zu nerven. Wäre es nicht mal an der Zeit, sich an der eigenen Nase zu fassen?
Strengere Auswahlkriterien bei der Auftragsvergabe, einfache Überprüfungen ob die behauptete Qualifikation auch gegeben ist, genauere Nachfrage beim Kunden um welches Spezialgebiet es sich handelt, um dann spezifisch den passenden Kollegen zu beauftragen, solche Sachen müsstest du einfach konsequenter anwenden.
Nur weil jemand die Fachhochschule mit Durchschnittsnoten geschafft hat, heißt es doch noch lange nicht, dass er/sie im Stande ist beispielsweise eine Abhandlung über die neuesten, biochemischen Verfahren ad hoc zu dolmetschen.
Und dann kommt dazu noch der altbekannte Aspekt: der Preis. Was war denn so ca. der Stundenlohn, den du gezahlt hast? Ich bin einfach mal neugierig ob da der Hase vielleicht im Pfeffer liegt.
Nichts für ungut, ich möchte dich nicht angiften, aber der Grundton deiner Beiträge lässt immer wieder einen Mangel an Respekt den Übersetzern und Dolmetschern gegenüber durchblicken und wirkt außerdem unprofessionell, einen Eindruck, den du sicherlich vermeiden möchtest.
Alles Gute mit deinem Unternehmen weiterhin.


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Kathi Stock  Identity Verified
United States
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Vorbereitung ist alles Mar 27, 2007

Es gibt eigentlich keinen Grund, auch wenn man sich zeitweise körperlich nicht wohl fühlt, eine Konferenz zu vergeigen, VORAUSGESETZT, man hatte ausreichend Material zur Vorbereitung.

Es gibt nach wie vor genügend Konferenzveranstalter, die es nicht für nötig halten, Referenzmaterial zur Verfügung zu stellen. Es gibt auch einige, da bekommt man die kompletten Reden geliefert, schon Wochen im voraus. Das macht alles natürlich umso einfacher.

Es stellt sich also die Frage, Erika, wie viel des Konferenzmaterials wurde denn im voraus zur Verfügung gestellt, sodass sich die Dolmetscherin entsprechend vorbereiten konnte?


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Andrej  Identity Verified
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Ein Dolmetscher darf eigentlich Mar 28, 2007

ueberhaupt nicht schlecht sein, der Erfolg haengt jedoch davon ab, ob man benoetigte Materialien frueh genug bekommen hat, ob man einschlaegige Erfahrungen auf dem jeweiligen Gebiet hat oder fruehzeitig sammeln kann, ob es notwendige Informationen im Internet gibt, ob man gut geschlafen hat und nicht genervt ist usw., jede Kleinigkeit kann also wichtig sein. Darueber hinaus soll der Dolmetscher auch gut arbeiten (koennen), wenn einige der Faktoren nicht vorhanden bzw. nicht erfuellt sind. Und das alles kostet ganz einfach Geld. So ist meine Zusammenfassung aus meiner Taetigkeiteit in konsekutivem und simultanem Bereich.

[Edited at 2007-03-28 07:18]


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Steffen Pollex  Identity Verified
Local time: 15:07
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Liebe Erika! Mar 28, 2007

Es hat keinen Sinn, hier alle drei Tage der ganzen Gemeinde in jedem Forum sein Leid zu klagen.

Ist ja nicht das erste Mal, und auch nicht das einzige Forum, in dem Du Dich dauernd beschwerst, wie unprofessionell die anderen sind. Einmal kann man sich das ja durchlesen, aber auf die Dauer wird es hohl und auch unglaubwürdig.

Bist Du schon mal auf den Gedanken gekommen, auch bei Dir selbst nach den Ursachen zu suchen?

Und wenn man schon der Meinung ist, dass sowieso alle anderen nichts können - was ist einfacher als alles selbst zu machen?

Aber behalte doch bitte Deine pauschalen Anwürfe (wie von Marinus angemerkt) für Dich.

"Suffer in silence", wie es bei Willie Nelson heißt.

[Edited at 2007-03-28 12:51]


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Carolin Haase  Identity Verified
Germany
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Das darf eigentlich nicht passieren... Mar 28, 2007

...hat man uns im Studium zumindest vermittelt.

Ich habe wenig Erfahrung im professionellen Dolmetschen, habe aber als Studentin und auch anfangs als Freiberuflerin öfter bilateral gedolmetscht. Klar hat man mal einen schlechten Tag, und natürlich hat das Auswirkungen auf die Gesamtleistung, aber eigentlich ist es unprofessionell, so schlecht zu arbeiten, dass das Publikum nichts mehr versteht. Da sollte man sich am besten selber auswechseln, falls ein Ersatz da ist. Sonst muss man sich wohl zusammenreissen, so gut es geht.


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erika rubinstein  Identity Verified
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TOPIC STARTER
@Steffen, Marinus, Mar 28, 2007

ich absolut baff über die gemeinen und haltlosen Anschuldigungungen von eurer Seite. Ich habe ein Thema angeschnitten, das mich seit langem beschäftigt. Ich habe vier Bespiele gebracht, von denen nur eins mit mir persönlich zu tun hatte, bei allen anderen war ich nur Zeuge, bzw. Leser. Ich höre auch oft Geschichten aus dem Bereich, da ich viel dolmetsche.
Welches Thema spreche alle dre Tage an? Ich habe bis jetzt ein einziges Thema, sagen wir, dieser Art angesprochen, und das war fast vor einem Jahr.
Ich habe aus Neugier gefragt, ob andere solche Erfahrungen gemacht haben, ob jemandem beim Dolmetschen etwas ähnliches zugestoßen war, und weiß nicht, warum ich hier Vorwürfe gegen mich persönlich anhören muss, die weder mit dem Thema zu tun haben, noch sich auf irgendwelche Grundlagen beziehen können?
Und ja, ich habe keinen Respekt für Leute, die sich für Geld irgendwohin stellen und behaupten, sie würden das hinkriegen und bereiten dadurch Ärger vielen anderen Menschen.


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Ralf Lemster  Identity Verified
Germany
Local time: 15:07
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Thema gesperrt Mar 29, 2007

Hallo allerseits,
Ich habe dieses Thema gesperrt; persönliche Differenzen bitte ich ggf. bilateral auszutragen.

Gruß Ralf


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